Kognitiver Ansatz von Magick/Okkultismus
Ein kognitiver Ansatz von Magick/Okkultismus
Erörterung diverser Einwände
Einwand 1: Wo ist der Unterschied zwischen Negation und Dekonditionierung?
Antwort: Eine Konditionierung ist eine während des Handelns nichtbewußte Handlungsanleitung, die unter bestimmten Voraussetzungen ein bestimmtes Handeln nach bestimmten Konditionen erlaubt bzw. erzwingt. Konditionierungen sind (im Ggs. zu Instinkten und Reflexen) immer gesetzt, entweder durch Erziehung oder durch eigenes Lernen. Die meisten Konditionierungen sind durchaus nützlich. Es wäre z.B. nicht nur aus ästhetischen Gründen weniger schön, wenn man einfach ins Zimmer scheißen würde, wenn einen das entsprechende Bedürfnis überkommt, anstatt die dafür bestimmte Lokalität zu frequentieren. Ernster formuliert: ohne Konditionierung wäre der Mensch nicht handlungsfähig. In jeder Handlungssituation müßte eine bewußte Entscheidung über den Handlungsweg getroffen werden. Wie schneide ich das Brötchen auf? Mit dem Löffel? Ist der Kamm dazu geeignet (das funktioniert sogar *gg*), oder die Zahnbürste? Was schmiere ich drauf, das Fahradkettenfett oder die Marmelade? Bei all dem käme dazu, daß wir keinen der Gegenstände benennen könnten und dessen Funktionalität mit jeder Handlung aufs Neue empirisch, also per try and error, erkunden müßten.
Es ist also wenig sinnvoll, von Dekonditionierung per se zu sprechen, sondern von uns in unseren Möglichkeiten im Handeln begrenzenden Konditionierungen. Hier setzen für mich Thelema und Magie an - als Dekonditionierung sozialen Handelns und als Dekonditionierung der Wahrnehmung.
Einwand 2: Eine sorgfältige - keine verdrängende - Negation führt zur Eliminierung, damit ist die Dekonditionierung ebenfalls durchgeführt.
Antwort: Eine Negation ist eine Eliminierung, danach steht nichts und das hätte obiges Problem zur Folge. Sie ist in Teilen sinnvoll zur sozialen Dekonditionierung, um zu erreichen, Situationen eben nicht konditioniert abzuhandeln, sondern jedesmal neu zu bewerten. Ich denke da an "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern." und "Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen".
Die Dekonditionierung der Wahrnehmung hingegen funktioniert anders. Sie ist in Wirklichkeit eine Neu- oder Umkonditionierung, die es ermöglicht, Energien als Signale wahrzunehmen, deren Wahrnehmung uns zwar physisch möglich ist, die aber von der bisherigen Konditionierung unterbunden wurde.
Einwand 3: MEINE Wahrheit gibt es durchaus, und sie muß nichtmals basalgenormt sein.. muß weder fix noch stabil sein.
Antwort: Keine Sorge, letzteres ist sie eh nicht, auch wenn du es so wolltest. Eine Äußerung ist für uns wahr, wenn sie unserem Bewertungssystem entspricht. Sie wird nicht wahr oder falsch dadurch, daß sie mit Fakten in der Realität übereinstimmt oder nicht. Es handelt sich ausschließlich um mentale Interpretationsprodukte, um Konstrukte unseres Zentralnervensystems, die nicht beanspruchen können, unabhängig von den Voraussetzungen unseres Bewertungssystems wahr zu sein.
An der Stelle kann man auf die Begriffe vom Objekt und vom Subjekt zurückgreifen, um den jeweiligen Eigenschaften objektivität und Subjektivität nahe zu kommen. Das Objekt zeigt sich als die Welt, das Subjekt als Dasein, das Bewußtsein überhaupt. Damit das Subjekt ein Objekt haben kann, muß schon Welt existieren, und damit das Subjekt sich auf ein Objekt beziehen kann, muß zeitliche Wirklichkeit vorausgesetzt werden. Der Punkt an der Sache ist unsere Welthaftigkeit, wie Heidegger und Arendt es nannten, d.h. wir existieren sowohl als Objekt als auch als Subjekt und werden als Objekt von anderen Subjekten wahrgenommen. (An dieser Stelle z.B. mag irgendjemanden die "subjektive Objektivität" eingefallen sein.) Das bedeutet zusammengenommen, daß wir in der Wahrnehmung und Erkenntnis der Objekte stets zu subjektiven Resultaten gelangen und eigentlich nie zur Erkenntnis der Objektivität als Eigenschaft des Objekts kommen können - auch uns selbst betreffend nicht.
Einwand 4: Man ersetze "Wahrheit" durch "Wahrhaftigkeit",
Antwort: ...und schon hat man wieder die Kategorien durcheinandergeworfen und wechselt von der erkenntnistheoretisch-hermeneutischen Ebene in die wunderbar vage Welt der Moral, wo letztlich jeder alles meinen kann. Wenig hilfreich das.
Einwand 5: Bei traumatischen Erlebnissen kann schon ein Moment reichen, um eine Person für das ganze Leben zu konditionieren.
Antwort: Nö, dann ist die Person traumatisiert. Das ist ein Unterschied und genau deshalb gibt es auch zwei Begriffe dafür. Eine Konditionierung bewirkt eine Verhaltenslenkung unter bestimmten Konditionen mit dem Ziel einer sozusagen automatisierten Situationsbewältigung. Ein Trauma bewirkt eine Verhaltensstörung aufgrund wiederkehrender Angst- und Hemmungszustände, welche den Traumatisierten daran hindern, ähnliche Situationen oder Aufgaben, selbst wenn sie harmlos und ungefährlich sind, zu bewältigen.
Randbemerkung: Einige Neurosen haben höchstwahrscheinlich konditionelle Ursachen, so z.B. Angststörungen (Panikstörung, Phobien, Zwangsstörung). Es sind quasi schief gelaufene Konditionierungen. Ihnen kann recht erfolgreich mit Verhaltenstherapien abgeholfen werden, also einer Neukonditionierung. Beim Trauma hingegen versagen Verhaltenstherapien, dem versucht man (mäßig erfogreich) mit Hypnose und autogenem Training beizukommen. Um es gleich vorwegzunehmen - autogenes Training ist keine Konditionierung, sondern eine Sammlung autosuggestiv-meditativer Konzentrationsübungen, mit deren Hilfe die bewußte Kontrolle selbst solcher Körperfunktionen erlernt werden kann, die der willentlichen Beeinflussung ansonsten im Allgemeinen entzogen sind.
Einwand 6: Die hier präsentierte erkenntnistheoretische Argumentation hakt für mich an einem Punkt: Sie setzt eine Objektivität, eine absolute Realität voraus, gleichzeitig postulierend, daß diese nicht erfaßbar sei.
Antwort: Nein, tut sie nicht. Sie setzt erstens nicht voraus, sondern nimmt an, daß eine Realität existiert, wobei keiner von Absolutheit spricht. Das ist ein wesentlicher Unterschied, der in der Methode begründet ist - der Verwendung eines Modells in klar definiertem Rahmen. (Deshalb haben ethische Kategorien da auch nichts zu suchen.) Weiterhin wird auch nicht gesagt, daß die Realität nicht erfaßbar sei, sondern daß sie sich uns als die mentale Repräsentation der Realität durch das zentrale Nervensystem auf Grundlage der durch Wahrnehmung gewonnen Daten darstellt, als das, was wir Wirklichkeit nennen. Die Realität ist also erfaßbar, weil wahrnehmbar, allerdings unter bestimmten Voraussetzungen, die durch unsere Physiologie bestimmt sind. Daß daneben noch andere Faktoren, nämlich psychologische, eine Rolle spielen, stellt niemand in Abrede, nur ist es so, daß die Psychologie bis dato nicht in der Lage ist, auch nur ein einigermaßen geschlossenes Modell zu präsentieren. Das ist einerseits in der Komplexität der Vorgänge begründet, andererseits im Wesen der psychologischen Forschung, die eher einer Clanwirtschaft als einem regulären Wissenschaftsbetrieb gleicht.
Einwand 7: Bewußtsein ist ein registrierender Vorgang, somit ebenso wie die Wahrnehmung, Vergangenheit und somit ohne Zugriff. Bewußtsein ist ein passiver Vorgang.
Bewußtsein ist die Illusion von Kontrolle!
Antwort: Die Aussage widerspricht sich zunächst selbst. Wenn Bewußtsein ein registrierender Vorgang sein soll, kann es kein passiver Vorgang sein. Registrieren ist eine aktive Tätigkeit.
Bewußtsein ist aber kein Vorgang (sonst hieße es Bewußttun o.s.ä.), sondern ein Zustand. Es ist der auf der Eigenschaft "bewußt" beruhende Zustand des BewußtSEINs. Es ist mithin ein bewußtes Sein. Der Zustand Bewußtsein läßt sich nicht auf die von dir versuchte Weise in Zeit fassen, da unser Begriff von Zeit Teil dieses Zustandes ist. Wahrnehmung als Aktivität der Sinne hat mit Bewußtsein nur soweit zu tun, als daß Bewußtsein sich auch aus verarbeiteter Wahrnehmung, also Kognition speist. Bewußtsein und Wahrnehmung sind zwei ziemlich verschiedene Kategorien.
Deine letzte Aussage "Bewußtsein ist die Illusion von Kontrolle!" ist ein reines Dafürhalten. Die drei Dinge sind so nicht in Beziehung zu setzen, weil aus wiederum völlig verschiedenen Kategorien stammend.
Einwand 8: Die Wirklichkeit in Acht und Bann zulegen, d.h. vergangenes nicht auf sich wirken zu lassen die Herstellung von Achtsamkeit schafft Zugriff!
Antwort: Was ist Wirklichkeit? Es gilt unbedingt zu unterscheiden zwischen Realität und Wirklichkeit.
Die Wirklichkeiten, welche reale Gehirne erzeugen, dienen primär nicht der Erkenntnis der Realität: Vielmehr hat sich die Konstruktion von Wirklichkeit zum Leben und Überleben von Lebewesen bewährt. Lebewesen können aufgrund der ihnen spezifischen senso-motorischen und kognitiv-emotionalen Kompetenzen Wirklichkeiten konstruieren, die ihrer Handlungsorientierung dienen. Gehirne haben sich, konsistent mit unserem gegenwärtigen Wissen über die Evolution von Lebewesen, in Wechselwirkungen mit den Lebens- und Überlebens-Anforderungen an Lebewesen entwickelt. Primatengehirne verfügen über die Fähigkeit, Wirklichkeiten zu konstruieren, welche die Handlungsplanung unter mehr oder weniger komplexen Bedingungen ermöglichen. Offensichtlich ist diese Fähigkeit in der Kompetenz begründet, komplexe Repräsentationen und symbolische Systeme zu handhaben; die natürliche Sprache des Menschen ist hierfür ein Beispiel, seine musikalische Kompetenz ein anderes.
Mit anderen Worten - die Wirklichkeit, die zu erkennen glaubst, ist eine unvollständige und modifizierte Wiedergabe der Realität. Diese vollständig zu erkennen, ist - evolutionär gesehen - weder gewollt noch möglich. Die Wirklichkeit zu ächten, in Acht und Bann zu legen, sie totzuschlagen, würde bedeuten, sie schlicht zu ignorieren. Damit würdest du das Produkt deines Gehirns, mithin deines Bewußtseins ignorieren, nicht jedoch die Realität. Sie würde dennoch auf dich wirken, ob du es willst oder nicht. (Ein Gegenbeweis zu meiner Darstellung wäre, daß du dir eine Kugel in den Schädel jagst und vorführst, wie du das nicht auf dich wirken läßt. Es gibt zwar Leute, die das von sich behaupten, aber für mich ist der ethymologisch-semantische Angang, den ich BTW schon lange vor meiner Beschäftigung mit Magick zu praktizieren begonnen habe, kein Glaubensfirlefanz, sondern eine wissenschaftliche, genauer hermeneutische Methode.)
Einwand 9: Wieso sollte es evolutionär nicht möglich sein Wirklichkeit unmodifiziert zu erkennen?
Antwort: Dein Wirklichkeit ist nicht modifiziert, das ist die Realität, die modifiziert von deinem Gehirn wiedergegeben wird. Die meisten Menschen verwechseln das und halten ihre Wirklichkeit für die Realität. Wenn sie Macht und Einfluß haben, kann das fatale Folgen zeitigen.
Warum wir die Realität nur modifiziert abbilden? Überlege mal, was wäre, wenn du das ganze Spektrum an Tönen und Farben und Gerüchen in all ihren Intensitäten wahrnehmen könntest. Stell dir vor, all das würde dein Gehirn auch noch speichern. Dir würde der Schädel platzen. Die Evolution hat unsere Wahrnehmungsfähigkeiten begrenzt und angepaßt für unsere Funktion als soziales Wesen. Der Punkt ist, daß wir, z.T. durch Konditionierung, z.T. durch Selbstkontrolle, in unserer Wahrnehmung mehr als erforderlich eingeschränkt sind. Magie bedeutet für mich im ersten Schritt eine Dekonditionierung, welche die Wahrnehmung erweitert auf Signale und Eindrücke, die wahrzunehmen wir zwar prinzipiell in der Lage sind, die uns aber wegkonditioniert wurden. Im zweiten Schritt ist Magie für mich die bewußte Verwertung dieser Signale und Reize (also ihre Integration in meine Wirklichkeit, im dritten Schritt ist Magie die gezielte Anwendung und Manipulation der Energien, welche diesen Signalen und Reizen zugrunde liegen. Der Ansatzpunkt dazu ist die eigentliche Wahrnehmung, die in zwei Stufen erfolgt. Zuerst wird ein Signal oder Reiz durch dazu befähigte Sinnesorgane wahrgenommen und ins Gehirn transportiert. Dort wird in der zweiten Stufe gefiltert und das zur kognitiven Verarbeitung weitergeleitet, was geeignet erscheint. Dazwischen kann man IMO ansetzen, indem man lernt, mehr als nur die evolutionär oder konditionell üblicherweise zugelassen Signale und Reize zur kognitiven Verarbeitung weiterzuleiten. Es ist nämlich anzunehmen, daß die menschliche Physis mehr als nur die 5 Sinne zur Wahrnehmung zur Verfügung hat.
Einwand 10: Und nun kommen die werten Püschologen daher und definieren: "Bewußtsein ist das Repräsentationssystem der Wahrnehmung."
Antwort: Das ist zu ungenau. Die Wirklichkeit ist die mentale Repräsentation der Realität durch das zentrale Nervensystem auf Grundlage der durch Wahrnehmung gewonnen Daten. Das Gehirn ordnet den neuronalen Signalen (als Nervenerregungen und -hemmungen) Funktionen und Bedeutungen zu, und zwar in Abhängigkeit von den neuronalen Kontexten, in welchen die betreffenden Erregungen und Hemmungen auftreten, in Abhängigkeit von bestimmten Signaleigenschaften und in Abhängigkeit von sogenannten primären Karten in Hinsicht auf deren Modalität, Qualität, Intensität, Zeitstruktur und Lokalisation der Signale. Deren kognitive Verarbeitung geschieht mitteles der Lexeme. Das sind die für die Interpretationsprozesse relevanten Informationen, das heißt, Lexeme sind mental repräsentierte Datenstrukturen. Zu beachten ist, daß Lexeme selbst schon Interpretationsprodukte sind, welche aus komplexen Interaktionen interpretierender und bewertender kognitiver Prozesse resultieren. Dabei schafft das Zentralnervensystem keine Abbildung der Realität, sondern interpretiert die unterschiedlichen Signale in einer möglichst stabilen und möglichst widerspruchsfreien Art und Weise.
Das Bewußtsein ist zur Wahrnehmung nicht zwingend erforderlich, es ist auch nichtbewußtes (d.i. ohne Bewußtsein) und unbewußtes Wahrnehmen möglich, letzteres kennen wir alle. Das Bewußtsein ist ein durch das Zentralnervensystem erzeugter Zustand des koordinierten Zusammenwirkens von Wahrnehmung, Kognition, Emotion und Gefühl sowie der limbischen Funktionen (Reflexe, Instinkte). Das Bewußtsein repräsentiert sich uns mental im Ich, wobei das Ich selbst ein Konstrukt der Gesamtheit der mentalen Prozesse des Gehirns ist und die Ich-Konstruktion mit unseren übrigen Konstruktionen der Wirklichkeit mehr oder weniger zusammenpassen muß.
Einwand 11: Im letzteren Fall halt über das, was man "Filter" oder "Zensor" nennen kann und was in seiner Funktion eine Modifikation des uns bzw. unsere Sensorik be-treffenden Reizinputs darstellt.
Antwort: Das Filtermodell ist zu schlicht. Es ist eher das, was ich oben beschrieb. Dabei sollte nicht übersehen werden, daß das, was wir als Wahrnehmung bezeichnen, in mindestens zwei Etappen abläuft. Es ist einerseits die sensitive Wahrnehmung eines Signals mittels geeigneter Mechano-, Chemo-, Photo- und Elektrorezeptoren und deren Weiterleitung als neuronale Signale an das Zentralnervensystem und andererseits die Interpretation bis zur kognitiven Stufe, die nicht mehr zur Wahrnehmung gehört.
Einwand 12: Eine Modifizierung der Wirklichkeit ist also nach Deinem Verständnis wie in etwa schon oben dargestellt eine intraindividuelle Aktion, die höchstens über die natürlichen (sozialen) Mechanismen bzw. die daraus resultierenden natürlichen (physischen) Aktionen Einfluß auf Äußeres haben kann.
Antwort: Unsere Wirklichkeit ist nichts Statisches, sondern mit jeder neuen Erfahrung der wandlung unterworfen. Wir sind aber in der Lage, handelnd die Realität zu beinflussen, was dann wieder auf die Wirklichkeit nicht nur des handelnden Subjektes zurückwirkt. So gesehen ist das ein interindividueller Prozeß.
Einwand 13: Magie oder Zauberei müßte also direkt an der Realität greifen, um Effekt zu zeitigen, der sie rechtfertigen würde.
Antwort: Magie der ersten Stufe nach meinem Verständnis müßte an der Stelle zwischen Realität und Wirklichkeit ansetzen, wo die Wahrnehmung sitzt - Signale wahrnehmen können, die üblicherweise nicht wahrgenommen werden. Üblicherweise meint nach der bisherigen Konditionierung der Wahrnehmung.
Magie der zweiten und dritten Stufe habe ich schon erläutert, Magie der höchsten Stufe fehlt noch. Hier ist sie:
Introspektiv besteht unsere Welt aus drei Bereichen:
- die Welt meiner mentalen Zustände (mein Ich),
- die Welt meines Körpers (mein Körper),
- die Außenwelt (meine Welt).
Alle erlebten Vorgänge finden dementsprechend statt...
- zwischen meinem Ich und meinem Körper,
- zwischen meinem Ich und meiner Außenwelt,
- zwischen meinem Körper und meiner Außenwelt.
Diese dreigeteilte Wirklichkeit ist, das resultiert aus oben Gesagtem, ein Konstrukt des Gehirns, in dem die physiologisch-neuronalen Prozesse, die sie erzeugen, selbst im Allgemeinen nicht vorkommen und introspektiv nicht nachvollziehbar sind, d.h. ich bin weitgehend unfähig, die Konstruktion meiner Wirklichkeit prozessual, erlebnismäßig zu erfahren. Das zu können, ist die höchste Stufe der Magie, denn dann wäre man in der Lage, die Wirklichkeit und rückwirkend die Realität wirklich originär selbständig zu gestalten. Kann es sein, daß die Eismagie eigentlich darauf hinauswill, einen in die Lage zu versetzen, die Konstruktion der Wirklichkeit prozessual, erlebnismäßig erfahrbar zu machen?
Einwand 14: Nein, erkennen ist nicht genug. Es geht um das TUN.
Antwort: Sinnvolles Tun setzt das Erkennen voraus. Ohne das Erkennen kein sinnvolles Tun. Es ist ja nicht zuletzt dieser idiotische Aktionismus, unbedingt Tun zu müssen, und wenn es mit Flugzeugen Häuser zum Einsturz bringen ist, der die Menschheit in diesen einigermaßen fragwürdigen Zustand gebracht hat, in dem sie ist. Weniger polemisch formuliert wäre der Umgang mit der Atomenergie ein schönes Beispiel für den blinden Aktionismus: ohne hinreichende Erkenntnis einfach erst einmal tun, weil es politisch und ökonomisch gerade zu passen scheint. Ich bin schon auf die Resultate angewandter Genomforschung gespannt.
Einwand 15: Ach ja du konntest mich nicht überzeugen das Registrieren ein aktiver Vorgang ist, es ist für mich ähnlich wie Wahrnehmen.
Antwort: Registrieren ist ein aktiver kognitiver Prozeß, wir müssen ihn wollen, um ihn durchführen zu können. Wahrnehmung ist in erster Linie ein physischer Prozeß. Er ist, vom Ich her gesehen, passiv, vom Körper und vom Zentralnervensystem her gesehen, ein aktiver Vorgang. Das Gehirn fordert aktiv zur Verifizierung der Wirklichkeit, also der Darstellung der Realität in unserem Kopf, ständig Wahrnehmungen an. BTW - bei Meditations- und Asana-Techniken wird dieser Prozeß bewußt abgeschnitten. Daraus läßt sich möglicherweise die hierbei modifizierte Wirklichkeit neurophysiologisch erklären.
Einwand 16: Aus dem Geschriebenen heraus würde ich behaupten: "Magie existiert gar nicht"! Was soll "Magie" denn schon sein?
Antwort: Gute Frage. Ich würde sagen, daß Magie eine Namenskonvention für die Beschäftigung mit Dingen ist, deren Unmöglichkeit allgemein angenommen bzw. postuliert wird, die aber keineswegs feststeht, sondern deren Möglichkeit durchaus erfahrbar und unter bestimmten Voraussetzungen praktizierbar ist, und zwar für prinzipiell alle Menschen. Aber eben nur so prinzipiell, wie das z.B. mit der höheren Mathematik oder der Quantenphysik der Fall ist. Die sind auch für prinzipiell alle Menschen da, de facto ist aber nur einer kleinerer bzw. sehr kleiner Teil der Menschen in ihrer Gesamtheit zu deren Verständnis und Anwendung befähigt.
Magie hat für mich so gesehen nichts mit Glauben oder Religion zu tun. Das Verhältnis ist hierbei für mich ähnlich wie z.B. bei katholischen Mathematikern oder wie wir das von der tiefen Religiosität Stephen Hawkings kennen. Im Grunde hat deren Forschung nichts mit deren Glauben zu tun, doch sehen die Forscher das ganz anders.

