- Heiko Lassek gestorben
12.1.2012 20:10 - Grundgütiger!
11.7.2011 4:52 - Hallo Forum
10.7.2011 11:07
Der Krieger - Betrachtung zu einem beliebten Klischee
Der Krieger
Eine Betrachtung zu einem beliebten Klischee

Silently we have been observing you
Watching closely your every move
Taking notes of your sickening motives
Gaining Information of your forces
Preparing our men for the impending fight
As the ultimate plague is upon us
Absence of war does not mean peace
It is just a temporary phase
When all hell breaks loose
It is the war to end all wars
(Impaled Nazarene)
Gerne und dementsprechend häufig wird in magisch-okkulten Kreisen die Selbstcharakterisierung als Krieger eingebracht. In den allermeisten Fällen jedoch ist das lediglich einer romantisch-schwärmerischen Grundstimmung, resultierend aus absolut mangelhafter Vorstellung über die Aufgabe und das Dasein des Kriegers und wirklich miserablen Geschichtskenntnissen, geschuldet. Die Gefahr romantisierender Verklärung des Kriegers liegt darin, daß unerfahrene Menschen das aber auf- und zu ernst nehmen und sich möglicherweise aufgrund dieser Pseudo-Romantik angesprochen und zum Krieger berufen fühlen, ohne, daß ihnen die ganze Tragweite eines Krieges in all ihren Konsequenzen klar wird - daß diese Romantik möglicherweise gerade das sogar verhindert. Das sind aber die, welche - wie im 1.Weltkrieg - als erste auf der Strecke bleiben, denn sie sind in ihren Illusionen keine Krieger, sondern potentielle Opfer. (siehe Exkurs 1)
Wenn wir nun wissen wollen, was ein Krieger ist, worin seine Aufgabe und Berufung besteht, müssen wir zunächst klären, was Krieg ist. Es wird gerne behauptet, daß das Wort Krieg eine rein deutsche Wortschöpfung wäre. Das ist nicht erwiesen, eine Reihe von Etymologen leitet das Wort Krieg vom giechischen brithos, was Wucht, Last bedeutet, über das altirische brig, das Kraft, Macht bedeutet, her. (Mit brig sind wir bei Brighida und es lohnt sich, die solcherart ethymologische Korrespondenz zur Swastika zu reflektieren).
Der Krieg ist Mittel und Strategie der Konfliktbewältigung und Konfliktlösung, das die Vernichtung des Widerparts zum Ziel hat - entweder die physische Vernichtung oder die seiner Entität. (siehe Exkurs 2) Der Krieg bezieht seine Legitimation aus der Erkenntnis, daß der Kampf zur Bewältigung eines Konfliktes nicht genügt. Der wesentliche Unterschied zwischen Krieg und Kampf - obwohl beides Strategien der Konfliktbewältigung sind - liegt in der strategischen Zielsetzung, aus der die konkrete Taktik resultiert. Der Kampf läuft strategisch nicht auf Vernichtung hinaus, sondern zielt auf schlichte Niederlage, Kapitulation und Friedensschluß nebst Koexistenz ab - je nach Lage der Dinge. Diese Optionen sind für einen Krieg nicht möglich. Da ist allenfalls noch eine temporäre Patt-Situation denkbar. Der Krieg benötigt unbedingt eine Legitimation, der Kampf hat diese per se aus seiner Berechtigung als Alltagsstrategie. Nicht legitimierte Kriege sind immer auch verlorene Kriege. Die Unterteilung in gerechte und ungerechte Kriege ist Blödsinn, Krieg ist nie gerecht im Sinne unseres seit der Antike über die Aufklärung entstandenen, westlichen Gerechtigkeitsbegriffes. (siehe Exkurs 3)

Ein Krieger ist demzufolge jemand, der willens (und in der Lage) ist, wenn notwendig Konflikte mit Krieg, also mit der Vernichtung des Widerparts, zu entscheiden. Es gilt in für die konkrete Konfliktsituation zu entscheiden, ob sie mit Kampf, also mit der Option auf Friedensschluß und nachfolgender Koexistenz, oder mit Krieg zu bewältigen ist. So, wie es Konflikte in verschiedenen Lebensbereichen, auf verschiedenen Ebenen gibt, gibt es auch verschiedene Felder für Kriege. Da ist zunächst der äußere Krieg. Ihn gibt es als Krieg von Gesellschaften bzw. Gruppen in der oben dargestellten Form. (Aber beachte - daß der Krieger in einer bestimmten Gesellschaft lebt, heißt nicht zwangsläufig, daß er sich in deren Kriege involvieren läßt. Das hängt von seiner Einstellung zu und seinem Engagement für diese Gesellschaft ab. Allerdings wird diese Trennung künftig schwieriger, da Kultur- und Ressourcenkriege nationenübergreifend sein werden und der konkrete gesellschaftliche Bezug an Bedeutung verliert.) Weiterhin gibt es äußere Kriege als kommunikative Interaktionen in Gruppen und Gesellschaften, die Kriegscharakter haben - das, was ich gerne als Lingualkriege bezeichne. Allerdings beschränken die sich nicht auf die Ebene des gesprochenen oder geschiebenen Wortes, sondern spielen sich natürlich auch und gerade auf psychologischer Ebene ab. Hier in etwa gehört auch der magische Krieg dazu, wobei es der energetischen Komponente wegen nicht so ganz paßt.
Zum Anderen gibt es das, was ich als innere Kriege bezeichne. Das sind kulminierende individuelle Konflikte, die der Krieger mit sich selbst austrägt. Ich denke da z.B. die Selbstkonditionierung in Zwangssituationen oder an Suchtbewältigung. Die verschiedenen Formen erfordern natürlich verschiedene Fertigkeiten. Um in einer Lingualschlacht zu bestehen, muß man keine 50 Kilometer mit Marschgepäck laufen können und in äußeren Gesellschaftskriegen, über die Vorbereitung darauf hatte ich gesprochen, ist Wortgewandtheit eher selten gefragt. Beides wiederum ist ziemlich nebensächlich für innere Kriege.
Der magische Krieg ist ein spezielle Form kriegerischer Auseinandersetzung. Sie ist in gewisser Hinsicht gefährlicher als die rein physische Form. Da einerseits in der Regel keine direkte Feindberührung stattfindet, besteht die Gefahr, daß der magische Krieg bzw. seine Waffen zur Selbstüberschätzung und zur grundlegenden Fehleinschätzung der Situation verführen. Insgesamt ist hier die Gefahr, daß die größten Feinde des Magiers in sich selbst - der Größenwahn und die Paranoia - hervorbrechen und zuschlagen, am größten. Andererseits wird der magische Krieg in den seltensten Fällen offen, sondern in der Regel mit geradezu geheimdienstlichen Methoden der Camouflage geführt. Damit ist der Krieger der speziellen Gefahr dieser Methoden ausgesetzt, nämlich daß er sich in seiner eigenen Camouflage verstrickt und sich in ein selbstgeschaffenes Zerr- bzw. Trugbild von der Realtät verspinnt, das er für die tatsächliche Realität hält. In Verbindung mit den Feinden des Magiers in sich selbst kann das zu wirklich dramatischen Fällen von Selbstannihilation führen - und hat in der Praxis dazu auch schon in durchaus signifikanter Zahl geführt.
Der magische Krieg setzt somit eine besonders gefestigte Persönlichkeit voraus, welche die Mittel der Magie gründlich beherrscht - und nicht von ihnen beherrscht wird, wie es in okkulten Kreisen oft der Fall zu sein pflegt.
Wenn du also ein Krieger sein willst und nicht nur ein martialisch-schwärmerischer Phantast, solltest du dir über das Wesen des Krieges in obigem Sinne und über den Weg des Kriegers ernsthaft klar sein. Dann sollte dir auch klar sein, daß der Weg des Kriegers kein Spiel ist und daß die Entscheidung für diesen nicht leichtfertig gefällt werden sollte.

Exkurs 1 - Wenn du mal wieder vom Kriegerleben ...
top... an sich und überhaupt schwärmst, teste deine Reaktion auf folgende Fragen:
Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn man nach tagelangen Gewaltmärschen seine Stiefel auszieht und sich mit der klebrigen, Baumwollmasse, die mal die Socken darstellte, die Hautfetzen geplatzter Blutblasen von den Füßen zieht, so daß man das blanke Fleisch sehen kann?
Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn man sich zwei Wochen nicht waschen konnte, weil das Wasser, das man zu sehen bekam, mit Not zum Überleben reichte? Wenn der ganzer Körper mit einer Kruste aus Schweiß und Sand bedeckt ist, der Hintern zwischen den Backen vom Sand blutig-wundgescheuert ist, so daß man seit Tagen besser aufs Hinternabwischen nach dem Stuhlgang verzichtet? Wenn man sich einen Wolf gelaufen hat, daß die Unterhose blutverkrustet ist?
Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn einem nachts der tagsüber vom Regen durchweichte Kampfanzug gefriert, während man möglichst regungslos - also in Deckung - in einem Dreckloch liegt, daß man abends liegend und in voller Kampfmontur aus dem gefrorenen Boden gekratzt hat? Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn erfrorene Ohren fühllos werden und große Blasen werfen, wenn man die erfrorenen Zehen nicht mehr spürst?
Weißt du, wie sich Schlafentzug bei härtester, körperlicher Anstrengung anfühlt, wenn man vor Erschöpfung halluziniert? Mein Rekord lag in meiner Zeit als Artillerist bei vier Tagen und drei Nächten. Schon mal ausprobiert?
Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn der Schweiß in der Gasmaske die Unterlippe erreicht hat und man gezwungen ist, ihn zu trinken? Wenn im Schutzanzug der Schweiß in den Stiefeln die Knöchel erreicht hat?
Hast du eigentlich schon mal einen durch Kriegswaffen getöten Menschen aus der Nähe gesehen? Und gerochen?
Exkurs 2 - Entität
topWas ist eine Entität? Entität entspricht der lateinischen entitas, was Seinscharakter, Wesenheit bedeutet (von lateinisch ens: das Ding, seiend) und wurde von der Scholastik aus dem griechischen on übersetzt als Bezeichnung für die bestimmende Seinsverfassung des Seienden, also das Wesen eines Dings bzw. Gegenstandes. Ontologisch betrachtet bezeichnet man als Entität ein einzelnes, individuell seiendes, unteilbares (substantielles) Etwas und zugleich sein Wesen. Formalen logisch und logisch-semantisch betrachtet ist Entität eine allgemeine Bezeichnung für ein sprachliches bzw. gedankliches Objekt oder für ein außersprachliches Bezugsobjekt. Dabei bleibt der ontologische Charakter (d.h. Wirklichkeit oder nur Vorstellung) ebenso unbestimmt wie die Art des Objekts (d.h. Gegenstände, Ereignisse oder Personen). Entität stellt die gemeinsame Bezeichnung für Eigenschaften, Propositionen, Klassen, Gegenstände dar, ohne Berücksichtigung der Unterscheidung von abstrakten und konkreten Entitäten. In der Zusammenschau der Definitionen sind Entitäten Träger von Eigenschaften, die ein Beobachter vom Rest seiner Um-Welt, also vom Milieu der Entität, unterscheidet und durch Bezeichnung mit (Eigen-)Namen als Identitäten auffasst.
Der Begriff Entität setzt den des Seins vorraus. Sein ist ein Grundbegriff der Philosophie, der als Gegenbegriff zum Nichts in unterschiedlichen Denksystemen in einem je anderen Sinne die Existenz als reales Sein (Dasein) oder die Essenz als ideales Sein (Sosein) zum Gegenstand hat. Der Existenz wesentlich ist ihr Bezug zur Zeit und zum Raum. In der Fundamentalontologie (Martin Heidegger) ist das Sein die ihres Daseins bewusste Existenz. Es unterscheidet sich dadurch grundlegend vom bloßen Vorhandensein. Die Existenz selbst steht in dem Spannungsverhältnis zwischen Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit, wobei der Sinn von Sein sich in der Eigentlichkeit erfüllt.
Exkurs 3 - Krieg
topDas war bei den bisherigen Formen des Krieges - den Glaubenskriegen, den nationalen/erobernden Territorialkriegen, den Kolonial-, den Systemkriegen - so und wird bei den künftigen - den Kultur- und den Ressourcenkriegen - nicht anders sein. Dennoch - in der historischen Darstellung wird bei der Darstellung von Kriegsfällen selten von Vernichtung gesprochen, werden Niederlagen und Friedensschlüsse als Resultate der Kriege angeführt. Wenn man aber diese Kriege und ihre Ergebnisse analysiert, wird deutlich, daß einerseits ein Mindestmaß an physischer Vernichtung angestrebt war und daß die unterlegenen Kriegsgegner über der Zerstörung ihrer Systeme/Gesellschaften stets ihre bisherige Entität einbüßten. Wo das nicht der Fall war, wie z.B. bei Napoleons Feldzügen, war der Sieg kein wirklicher und das Ergebnis von kurzer Dauer. Im 2. Weltkrieg gab es die besondere Situation, daß die Protagonisten des Krieges unter Hitlers Führung vorher mit der Installation der totalen Herrschaft, also einer Hyperstrukturierung, die Entität des eigenen Landes zerstört hatten. Diese Herrschaftsinstallation hatte, ähnlich, wie in Rußland zur etwa selben Zeit, eine drastische Dezimierung der intellektuellen (und militärischen) Eliten zur Folge. Zudem wurde aus dem Systemkrieg, der der 2. WK eigentlich war, ein "Rassen"krieg gemacht, womit Deutschland sich gegen seine potentiellen Verbündeten im Systemkrieg, Großbritannien und USA, stellte.
I am war, I am pain
I am all you've ever slain
I am tears in your eyes
I am grief, I am lies
(Shagrath/Silenoz)
Neidthard Kupfer 2003

