Freitag, 23. Juni 2017
 

Lehrzeit und erster Job - Gießerei I im VEB Halbzeugwerk Auerhammer

Ich habe jüngst ein Bild gefunden, das mich eindrucksvoll an meine Lehrzeit und meinen ersten Job und damit an meine Jugend erinnerte - das waren noch Zeiten! :-) Ich fand das Foto, als ich in den Osterferien begann, die nachgelassenen Memoiren meines verstorbenen Vaters zu sichten, die ich lektorieren und - sofern ich es schaffe - noch in diesem Jahr publizieren will.

Gießerei I im VEB Halbzeugwerk Auerhammer - Mentopia.net Auf dem Foto ist ein Teil der Gießerei zu sehen, in der ich nach Abschluss der 10. Klasse meine Lehre antrat und beendete und bis zum Beginn meines Wehrdienstes arbeitete, um diese Zeit oder kurz davor wird das Foto entstanden sein. Wie unschwer zu erkennen ist, hatte der Ort etwas von dem, was sich der brave Christenmensch unter der dem Begriff "Hölle" vorstellen mag. Dass ich mich dort mit 16 Jahren wiederfand, war das Ergebnis einer Revolte gegen meine Eltern und die seltsame Lebenswelt in der Zone seinerzeit (was sich in diesem Alter schwer trennen lässt), wobei das Ergebnis dann doch einigermaßen ernüchternd für mich ausfiel. Allerdings gewöhnte ich mich schnell daran und fand Gefallen an der extrem belastenden (Hitze, Zinkfieber) und nicht ganz ungefährlichen Arbeit.

Die Gießerei stand im Halbzeugwerk Auerhammer und war eine Legierungsschmelze, in der Bronzen (Kupfer-Zinn-Legierungen), Messing (Kupfer-Zink-Legierung, Tombak (hoch kupferhaltige Messinglegierung), Neusilber (Kupfer-Nickel-Zink-Legierung) und diverse Sonderwerkstoffe auf Eisen-Nickel-Basis legiert und in Kokillen (wiederverwendbare Gußformen) zur Fertigung von Halbzeugen (Rohmaterialformen, z.B. Platten, Bleche, Stangen) gegossen wurde. Das Metall wurde in Induktionsöfen geschmolzen, die Öfen waren ziemlich alt und drei von ihnen waren noch Niederfrequenz-Ajax-Wyatt-Öfen aus den 1920iger Jahren. Die anderen drei waren Netzfrequenz-Induktionsöfen aus den 1940iger Jahren mit wassergekühlter Kupferspule, hin und wieder kam es vor, dass die Schmelze den Tiegel durchbrach, die Spule aufschmolz und das Wasser mit der Schmelze in Kontakt kam. Das führte innerhalb von Sekunden zu einer Aufspaltung des Wassers in Sauerstoff und Wasserstoff und sofort zu einer recht ansehnlichen Knallgasexplosion, in deren Folge die Anlage i.d.R. völlig zerlegt und der Tiegelinhalt durchs Hallendach geschleudert wurde. Doch das beeinträchtigte meine Freude an der Tätigkeit als Gießer nicht, weil ich damals ein Faible für alles hatte, was auf irgendeine Art in die Luft fliegen konnte. :-)

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Rundgang, als das Ende des HWA schon besiegelt war,
aufgenommen ca. 1990/1991