Freitag, 28. Juli 2017
 
Dorotheenstädtischer Friedhof und Französischer Friedhof Berlin
Grabstätten bekannter Personen der Zeitgeschichte, alphabetisch sortiert von A bis K

Bild Name Erläuterung

Erich Arendt Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Arendt, Erich
Erich Arendt (15.04.1903 - 25.09.1984)war deutscher Lyriker und literarischer Übersetzer. 1925 erschienen erste Gedichte von ihm in Herwarth Waldens Zeitschrift "Der Sturm". 1926 trat er der KPD und 1937 der 27. Division der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg bei. 1950 kehrte er nach Deutschland in die DDR zurück, wo er als freier Schriftsteller lebte. Insbesondere trat er durch Nachdichtungen aus dem Spanischen (Neruda, de Góngora, Alberti) hervor. Erich Arendt hatte bedeutenden Einfluss auf die junge Dichtergeneration der DDR in den 1960er Jahren.
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Friedrich Wilhelm Leopold von Baerensprung Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Baerensprung, Friedrich von
Friedrich Wilhelm Leopold von Baerensprung (20.08.1779 - 04.07.1841 ) war ein königlich-preußischer Regierungsrat und von 1832 bis 1834 Oberbürgermeister von Berlin. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft trat er in den preußischen Justizdienst ein und wechselte später in den Verwaltungsdienst. Er war unter anderem in der Generalverpflegungskommission und der Kriegsschuldenkommission sowie im Bereich der Gewerbesteuer tätig. Nach einem Duell der Kontrahenten wurde Bärensprung zu sechs Monaten Festungshaft verurteilt. Eine vom Friedrich Wilhelm III. stattdessen angebotene Strafversetzung als Regierungsrat nach Gumbinnen lehnte er ab. Nach der Ableistung seiner Strafe wurde Bärensprung von der Berliner Stadtverordnetenversammlung trotz Streits um seine Person 1814 zum Bürgermeister gewählt. In dieser Zeit hat Bärensprung einige wichtige kommunale Entwicklungen auf den Weg gebracht. Dazu gehört die Einigung mit den umliegenden Kreisen Teltow und Niederbarnim über die Neugliederung des Gerichtswesen und die 1824 eingerichtete Gewerbeschule. Diese wurde Vorbild für die späteren preußischen Oberrealschulen. Nach dem Rücktritt von Oberbürgermeister Büsching im Jahr 1831 gab es zahlreiche Bewerber um die Nachfolge, darunter auch Bärensprung. 1831 wurde Baerensprung in einem zweiten Wahlgang von der Stadtverordnetenversammlung zum Oberbürgermeister von Berlin gewählt. Seine Amtszeit war überschattet von dem Streit um sein Amtsverständnis. Während die bisherigen Oberbürgermeister sich im Magistrat von Berlin als primus inter pares betrachteten, bestand Bärensprung darauf, den Magistratsmitgliedern Anweisungen erteilen zu können. Notfalls wurden diese auch mit Hilfe der Disziplinargewalt durchgesetzt. Schließlich sah Bärensprung seine unhaltbare Stellung ein und trat zurück. Danach zog er sich aus dem politischen Leben zurück und widmete sich der Pflege geselliger Beziehungen. Er gehörte unter anderem seit 1814 der Gesetzlosen Gesellschaft zu Berlin an.
Rudolf Bahro Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Bahro, Rudolf
Rudolf Bahro (18.11.1935 - 05.12.1997) war ein deutscher Philosoph, Sozialwissenschaftler, Schriftsteller und Politiker. Bahro wurde 1952 Mitglied der SED und studierte von 1954 bis 1959 an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin Philosophie. Danach arbeitete er im Oderbruch als Journalist. 1960 wurde Bahro Mitglied der Universitätsparteileitung in Greifswald und gründete dort die Zeitung "Unsere Universität", deren verantwortlicher Redakteur er war. 1960 erschien sein erstes Buch, der Gedichtband "In dieser Richtung". Ab 1962 arbeitete er als Referent für den Zentralvorstand der Gewerkschaft Wissenschaft in Berlin. Dort war er für den Kontakt zu den Naturwissenschaftlern an den Universitäten zuständig. Von 1965 an war Bahro stellvertretender Chefredakteur der von der FDJ herausgegebenen Zeitschrift "Forum". Wegen des nicht genehmigten Abdrucks von Volker Brauns Theaterstück "Kipper Paul Bauch" wurde er 1967 dieses Postens enthoben. Zur "Bewährung in der Produktion" versetzt stieg Bahro bis 1977 zum Abteilungsleiter "Wissenschaftliche Arbeitsorganisation" im Berliner Gummikombinat auf und arbeitete als Parteiorganisator seines Bereiches. Seine nebenberuflich geschriebene und 1975 an der TH Merseburg eingereichte Dissertation wurde trotz dreier positiver Gutachten angesichts zweier Negativ-Gutachten abgelehnt. Beeindruckt vom Einmarsch des Warschauer Paktes in der CSSR 1968 schrieb Bahro seit 1972 an seinem Buch "Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus". Der Vorabdruck des Buches im "SPIEGEL" und die darauf folgende Verhaftung am 25. August 1977 machten Rudolf Bahro weltweit bekannt. Am 1. Februar 1978 engagierten sich zahlreiche Schriftsteller, unter ihnen waren Heinrich Böll, Graham Greene und Arthur Miller, in einem Leserbrief an die Londoner Tageszeitung "The Times" für Bahros Freilassung. Am 30. Juni 1978 wurde Bahro von der Zonenjustiz zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, was internationale Proteste und eine Solidaritätsbewegung zur Folge hatte. Bahro wurde mit verschiedenen Preisen geehrt und wurde Oktober 1979 anlässlich des 30. Jahrestages der Gründung der DDR amnestiert und in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben. Bahros Rechtsbeistand in der Zone war Gregor Gysi, dem Bahro bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden blieb. In Westdeutschland nahm Bahro Lehraufträge in Bremen und West-Berlin an. Im Januar 1980 war er mit Herbert Gruhl und Petra Kelly einer der Gründer der "Grünen". Er plädierte für ein Zusammengehen von Rot und Grün, für eine neue soziale Bewegung jenseits der traditionellen Ideologien, die Aufgabe linken Sektierertums und das Angehen der ökologischen Frage. Anfang 1980 wurde er an der Universität Hannover mit seiner in Merseburg zurückgewiesenen Dissertation promoviert. Im Sommer 1983 verbrachte Bahro einige Wochen in Rajneeshpuram, in der Kommune von Osho Bhagwan Shree Rajneesh in Oregon (USA). Bahros darauf folgende positive Äußerungen zu Bhagwan und Rajneeshpuram bezogen sich, wie bereits in der "Alternative" angelegt, auf die Verknüpfung von Welt- und Selbstveränderung. Im Laufe des Jahres 1984 radikalisierte sich seine Position gegenüber den Grünen. Er versuchte dort einerseits Menschen um sich zu scharen, die "Kommune wagen" wollen, andererseits konstatierte er bei den Grünen einen "ultimativen Machtwahn". Im Sommer 1985 trat Rudolf Bahro aus der Partei aus. Er schrieb an seinem neuen Buch "Logik der Rettung". In seinem Haus in Worms lud Bahro zu Lernwerkstätten ein, in denen er seine Ideen von den Basisgemeinden einer "Unsichtbaren Kirche" diskutierte und Mitstreiter zu gewinnen suchte. Im November 1989 ging Bahro in die DDR zurück. Am 16. Dezember 1989 sprach er vor den Delegierten des letzten SED- und zugleich Gründungsparteitag der PDS und präsentierte seine Vision des sozialökologischen Umbaus der DDR. Er erntete jedoch weit gehendes Unverständnis für seine radikal-ökologischen Ideen. Allerdings ist 1994 die Ökologische Plattform bei der PDS gegründet worden, die einige Ideen Bahros mit aufgenommen hat. Im Frühjahr 1990 begann Bahro mit dem Aufbau eines "Instituts für Sozialökologie" an der Humboldt-Universität Berlin. Am 15. Juni 1990 wurde er vom Obersten Gericht der DDR vollständig rehabilitiert. Unterstützt durch den sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf initiierte und förderte Rudolf Bahro die praktische Entwicklung sozial-ökologischer Experimente. Bekannt ist vor allem das "LebensGut Pommritz" bei Bautzen. Ein weiterer Ökohof, der aus der Gemeinschaft für Sozialökologie hervorgegangen ist, liegt bei Prenzlau.
Johannes R. Becher Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Becher, Johannes R.
Johannes Robert Becher (22.05.1891 - 11.10.1958) war ein deutscher Dichter (u.a Verfasser des Textes der Nationalhymne der DDR), Schriftsteller und Politiker (1954 bis 1958 Kulturminister der DDR).
Ruth Berghaus Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Ruth Berghaus Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Berghaus, Ruth
Ruth Berghaus (02.07.1927 - 25.01.1996) war eine deutsche Choreografin, Opern- und Theaterregisseurin. Berghaus studierte Ausdruckstanz und Tanzregie bei Gret Palucca in Dresden und war Meisterschülerin von Wolfgang Langhoff an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin. Prägend wurde für sie vielmehr die Begegnung mit Bertolt Brecht und seiner Theaterarbeit. Von 1951 bis 1964 arbeitete sie als Choreografin u. a. am Deutschen Theater, an der Deutschen Staatsoper und am Berliner Ensemble. Ihr Interesse für die Regie erwachte mit dem "Verhör des Lukullus" von Paul Dessau an der Staatsoper Berlin 1951. Berühmt wurde sie aber mit der Choreografie der Schlachtszenen im "Coriolan" in Brechts Bearbeitung am Berliner Ensemble 1964. 1954 heiratete Berghaus den Komponisten Paul Dessau, dessen Werke für Musiktheater sie inszenierte. 1970 wurde sie Stellvertreterin von Helene Weigel in der Leitung des Berliner Ensembles, dessen Intendantin sie bis 1977 war. In dieser Zeit gelang es Berghaus, das BE aus der ideologischen und ästhetischen Erstarrung zu reißen und junge, unkonventionelle Kräfte an das Haus zu binden, unter anderem Heiner Müller und Einar Schleef. Ab 1980 arbeitete Berghaus zunehmend an internationalen Bühnen, so z.B. an der Frankfurter Oper, wo sie ihre bedeutendsten Aufführungeninszenierte, am Nationaltheater Mannheim, in Prag, an der Wiener Staatsoper, in Brüssel und an der Hamburgischen Staatsoper
Christian Beuth Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Beuth, Christian Peter Wilhelm
Christian Peter Wilhelm Friedrich Beuth (28.12.1781 - 27.09.1853) war ein Wegbereiter der Industrialisierung in Preußen, Politiker und Gründer des Preußischen Gewerbeinstituts, einen der Vorläufer der späteren Technischen Universität Berlin, sowie der Gewerbeschule in Hagen, einen der Vorläufer der Fachhochschule Südwestfalen. Beuths Anliegen war es, den Wettbewerb und die Gewerbefreiheit zu stärken und damit Unternehmern, Technikern und Handwerkern zu mehr Leistung zu verhelfen. Zu diesem Zweck initiierte er mehrere Vereine, Schulen und Institute. Dieses Ziel verfolgte er gemeinsam mit unter anderen seinem engen Freund Karl Friedrich Schinkel. 1821 gründete er den Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. Der Verein schrieb regelmäßig Preise auf technische Aufgaben aus, um Innovationen zu fördern. Vorbilder suchte Beuth in England, dem damaligen Zentrum der Industrialisierung. Beuth initiierte die Technische Schule, die ab 1827 Königliches Gewerbe-Institut genannt wurde. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend war das Gewerbeinstitut, das auch den unteren Bevölkerungsschichten offenstand, scharf gegenüber der Universität abgegrenzt. Es sollte keine Wissenschaft sondern ausschließlich Praxis vermitteln. Das Institut wurde 1866 zur Gewerbe-Akademie gewandelt und dann 1879 mit der ebenfalls ehemals von ihm geleiteten Allgemeinen Bauschule zur Technischen Hochschule Charlottenburg, der späteren Technischen Universität Berlin, vereint.
Frank Beyer Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Beyer, Frank
Frank Beyer (26.05.1932 - 01.10.2006 in Berlin) war ein deutscher Filmregisseur, der die meisten seiner Filme für die DEFA in der DDR drehte und dort trotz seiner im Lauf der Jahre zunehmend kritischen Haltung gegenüber der SED mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Nationalpreis der DDR. Bis heute gilt Beyer als einer der bedeutendsten auch international renommierten Filmschaffenden der DDR. Nach der deutschen Wiedervereinigung drehte er in den 1990er Jahren noch einige Filme für das Fernsehen in der Bundesrepublik, wo ihm beispielsweise mit dem Filmband in Gold für sein Lebenswerk (1991) und dem Grimme-Preis (1999) ebenfalls zwei der herausragenden nationalen Film- und Fernsehpreise verliehen wurden. Viele seiner Filme beschäftigen sich – in der Form oft als Tragikomödie – aus der Perspektive von Protagonisten der sozusagen "einfachen Durchschnittsbevölkerung", denen er eine individuelle Identität verleiht, kritisch mit der deutschen Geschichte, hauptsächlich derjenigen des 20. Jahrhunderts. Als Klassiker unter Frank Beyers Werken gelten insbesondere Nackt unter Wölfen (1963), Spur der Steine (1966) und Jakob der Lügner (1974). Beyer studierte Theaterwissenschaft, 1951 wurde er Dramaturg und Regieassistent am Kreistheater Glauchau/Crimmitschau und er studierte an der Prager Filmhochschule. Während seiner Studienzeit war er bereits Regieassistent von Kurt Maetzig. Im Jahr 1957 ging er als Regisseur an das DEFA-Spielfilmstudio. 1966 geriet er in Konflikt mit der DDR-Zensur. Sein Film Spur der Steine, der den DDR-Alltag kritisch beleuchtete, wurde zwar uraufgeführt, aber drei Tage später verboten. Beyer durfte nach dem Verbot jahrelang keine Kinofilme mehr machen. Sein Vertrag mit der DEFA wurde aufgelöst. Erst nach der Wende wurde der Film mit Manfred Krug in einer Hauptrolle wieder im Kino gezeigt. 1967 wechselte er an das Dresdner Staatstheater, 1969 ging er zum Deutschen Fernsehfunk (DFF). 1974 kehrte er zur DEFA zurück und drehte Jakob der Lügner. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jurek Becker thematisiert die aufkeimende Hoffnung der im Warschauer Ghetto in aussichtsloser Lage eingepferchten Juden in Folge erfundener Nachrichten der Hauptperson über die vermeintlich vorrückende Rote Armee. Jakob der Lügner, mit dem tschechischen Schauspieler Vlastimil Brodský in der Titelrolle, ist der einzige DDR-Film, der jemals für den weltweit bekannten Filmpreis der US-amerikanischen Filmindustrie, den Oscar nominiert wurde (1977 in der Kategorie: bester ausländischer Film). Beyer und Becker erhielten 1975 den Nationalpreis der DDR II. Klasse für Kunst und Literatur. Im Jahr 1976 kam es erneut zu Problemen zwischen Beyer und der SED, weil er eine Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterschrieben hatte. Beyer wurde 1980 aus der SED ausgeschlossen. Seine Möglichkeiten als Regisseur in der DDR wurden daraufhin eingeschränkt. Er erhielt allerdings eine Arbeitserlaubnis für Westdeutschland. Nach der Wende 1989 produzierte Beyer fast nur noch Filme für das Fernsehen. Bekannt wurden Literaturverfilmungen nach Vorlagen von Carl Zuckmayer, Erich Loest und Manfred Krug. Zwischen 1996 und 1998 arbeitete Beyer für den WDR an dem Fernsehprojekt Jahrestage, nach dem gleichnamigen Romanzyklus von Uwe Johnson. Die Produktionsfirma Eikon trennte sich jedoch kurz vor den Dreharbeiten von Beyer, offiziell wegen "unüberbrückbarer Differenzen". Der Regisseur wiederum gab bekannt, er sei dazu aufgefordert worden, sich von seiner Hauptdarstellerin Julia Jäger sowie seiner langjährigen Regieassistentin Irene Weigel zu trennen.[4] Nachdem er den Forderungen nicht nachgekommen war, entließ Eikon vier Wochen vor Drehbeginn den künstlerischen Stab[5], während der WDR von einem freiwilligen Ausscheiden Beyers sprach. Für Beyer blieb es die letzte Arbeit an einer Film- oder Fernsehproduktion. 2001 veröffentlichte er unter dem Titel Wenn der Wind sich dreht seine Autobiografie, die er mit der Schilderung an dem gescheiterten Jahrestage-Projekt begann.
Gustav Blaeser Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Gustav Blaeser Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Blaeser, Gustav
Gustav Hermann Blaeser (09.05.1813 - 20.04.1874) war ein deutscher Bildhauer. Blaeser erhielt seine Ausbildung zwischen 1834 und 1843 im Atelier Christian Daniel Rauchs in Berlin und an der dortigen Akademie der Künste. Während der elf Jahre, die er bei Rauch arbeitete, war er an allen großen Arbeiten desselben beteiligt. Blaeser gestaltete auch zahlreiche Büsten, Porträtstatuetten, Medaillons sowie auch beliebte genreartige Darstellungen.
August Boeckh Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Boeckh, August
Philipp August Boeckh (* 24. November 1785 in Karlsruhe; † 3. August 1867 in Berlin) war ein deutscher klassischer Philologe und Altertumsforscher. Er studierte ab 1803 in Halle Theologie. Doch unter dem Eindruck des Altphilologen Friedrich August Wolf brach er das Theologiestudium ab und begann Philologie zu studieren und promovierte 1806 mit der Abhandlung über antike Musik. 1806 wurde er Mitglied des pädagogischen Seminars zu Berlin. 1807 wurde Boeckh an der Universität Heidelberg habilitiert und zum außerordentlichen Professor der Philologie ernannt. Zwei Jahre später erfolgte die Beförderung zum ordentlichen Professor. 1811 folgte Boeckh einen Ruf nach Berlin. Neben ihm gehörten Christoph Wilhelm Hufeland, Carl Ritter, Karl Friedrich von Savigny und Albrecht Daniel Thaer zu den ersten Professoren dieser Universität. August Boeckh hielt hier mehr als 120 Semester lang Vorlesungen ohne Unterbrechung, wurde insgesamt sechs Mal Dekan und übte fünf Mal das Amt des Rektors aus. 1814 gründete er das Philologische Seminar und wurde Mitglied der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften. Neben dem Interesse für die Theologie und Philologie beschäftigte sich Boeckh auch mit den exakten Wissenschaften. Zwischen 1835 und 1861 war er als Sekretär der Philosophisch-historischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften tätig. Die Philosophisch-historische Klasse vereint vor allem Philosophen und Historiker aller Richtungen, aber auch Philologen, Kultur- und Sprachwissenschaftler, Theologen, Juristen und Nationalökonomen, Psychologen und Soziologen. Boeckh war der erste, welcher der höheren Auffassung der Philologie Geltung verschaffte, wonach diese in der umfassenden Kenntnis und Reproduktion des Altertums in seiner Gesamtheit besteht.
August Borsig Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

August Borsig Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

August Borsig Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Borsig, August
Johann Friedrich August Borsig (23.06.1804 - 06.07.1854) war ein deutscher Unternehmer und der Gründer der Borsigwerke. Borsig erlernte das Zimmererhandwerk und besuchte die Königliche Provinzial-Kunst- und Bauschule, danach bis zum Herbst 1825 das Königliche Gewerbe-Institut in Berlin. Seine praktische Maschinenbauausbildung erwarb er sich bei der Neuen Berliner Eisengießerei von Franz Anton Egells. Einer seiner ersten Aufträge war der Zusammenbau einer Dampfmaschine in Waldenburg in Schlesien. Borsig führte den Auftrag erfolgreich aus und erwarb sich damit die Anstellung als Betriebsleiter. 1836 legte Borsig seine Ersparnisse in ein Grundstück an der Chausseestraße vor dem Oranienburger Tor an und gründete eine eigene Maschinenbauanstalt. Das Gründungsdatum gilt mit dem 22.07.1837 der Tag, an dem der erste Guß in der Gießerei gelang. In der Anfangszeit baute Borsig Dampfmaschinen für den eigenen Bedarf und Maschinen für andere Unternehmen, daneben Kunst- und Baugußteile, doch schon bald begann sich der Schwerpunkt auf den Lokomotivbau zu verlagern. Bis 1843 bestellten die preußischen Bahnen 18 Dampflokomotiven und 1844 stellte Borsig auf der Berliner Industrieausstellung schon seine 24. Lokomotive aus. Borsigs Unternehmen vergrößerte sich schnell, da überall in Deutschland neue Schienenwege verlegt wurden. 1847 wurde mit dem Bau des Eisenwerks Moabit begonnen, welches 1849 in Betrieb ging und 1850 wurde die Maschinenbauanstalt und Eisengießerei in der Moabiter Kirchstraße hinzugekauft. Die drei Berliner Betriebe beschäftigten damit bereits 1800 Arbeiter, womit sein Unternehmen in der damaligen Zeit als Großunternehmen galt. August Borsig war ein strenger, aber auch sozialer Unternehmer und gilt als Mustertypus unternehmerischer Verantwortung. Für seine Arbeiter richtete er eine Krankenkasse, eine Sterbekasse und eine Sparkasse ein. Es gab einen Unterrichtsraum, einen Speiseraum und ein Bad mit Schwimmbecken. Außerdem machte sich Borsig als Mäzen für viele Künstler einen Namen. Sein Lebenswerk hat die Zeitläufe nicht überstanden, auf dem Gelände der ehemaligen Borsigwerke befindet sich hinter dem berühmten Borsig-Tor ganz zeitgemäß ein Einkaufs- und Dienstleistungstentrum. Der industrielle Restbestand in der Babcock-Borsig AG befindet sich seit 2004 in einem Insolvenzverfahren.
Thomas Brasch Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Thomas Brasch Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Thomas Brasch Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Brasch, Thomas
Thomas Brasch (19.02.1945 - 03.11.2001) war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor, Regisseur und Lyriker. Brasch wurde als Sohn jüdischer Emigranten im englischen Exil geboren, 1947 kehrte die Familie nach Deutschland in die Sowjetzone zurück. Brasch diente von 1956 bis 1961 in der NVA, arbeitete nach dem Abitur in diversen Jobs und studierte von 1964/65 Journalistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig. In dieser Zeit begann seine lange Geschichte von Querelen mit den DDR-Oberen, zu denen an exponierter Stelle auch sein Vater Horst Brasch gehörte. Sie beginnt mit seiner Exmatrikulation 1965, führt über zweimalige Verurteilung wegen "staatsfeindlicher Hetze", die er nach kurzer Strafzeit beide zur Bewährung ausgesetzt wurden, was auf den Einfluß seines Vaters zurückgehen dürfte, geht weiter über neu gebotete Chancen wie einem Fernstudium für Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg und einem Job im Brecht-Archiv auf Vermittlung von Helene Weigel und endet mit einem Ausreiseantrag und der Übersiedlung nach Westberlin im Dezember 1976 im Gefolge der Ausbürgerung Wolf Biermanns. Es ist die Geschichte von den Vätern als "gute Kommunisten" und Funktionäre, die nur das Beste ihrer Kinder wollten, und ihren sozusagen mißratenen Töchtern und Söhnen, die partout nicht bereit waren, ihren Vätern das zu geben, was in Braschs Fall, als die Partei von den Eskapaden seines Sohnes genug hatte, die Karriere von Braschs Vater schlagartig verkürzte, die schließlich als Grüßaugust bei der Liga für Völkerfreundschaft ihr Ende fand. Was sich heute für den einen oder anderen so dramatisch liest, was heute in den politischen Sonntagsreden gern als Widerstand und Dissidenz mystifiziert wird, war jedoch nichts anderes als die sehr banale Manifestation einer ebenso banalen wie permanenten Nabelschau in den quälend banalen Lebensumständen einer zum Staat gewordenen Banalität namens DDR.
Wie dem auch sei - für Thomas Brasch reichte der Dissidenten-Bonus zwar nicht zu Reputation und Nachsteuergewinn a la Biermann und auch nicht für einen Sitzplatz in der politischen Bestuhlung dieser Republik a la Lengsfeld, aber immerhin für eine respektierliche Karriere im westdeutschen Literaturbetrieb inklusive Ernst-Reuter- und Kleist-Preis, Villa-Massimo-Stipendium, Bayerischem Filmpreis und PEN-Mitgliedschaft.
Bertolt Brecht Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Bertolt Brecht Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Brecht, Bertolt
Bertolt (eigtl. Eugen Berthold Friedrich) Brecht (10.02.1898 - 14.08.1956) war einer der einflußreichster deutscher Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts.
Die Kürze dieses Eintrags impliziert keine Wertung, sondern die hoffentlich berechtigte Annahme, dass Brechts Leben und Werk hinreichend bekannt sind und ich mir weitergehende Ausführungen sparen kann.
Arnolt Bronnen Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Bronnen, Arnolt
Arnolt Bronnen, eigentlich Arnold Bronner, (19.08.1895 - 12.10.1959) war ein deutschsprachiger Schriftsteller. Ebenso wie Bodo Uhse ist Bronnen ein heute weitgehend vergessener deutscher Schriftsteller und steht ebenso exemplarisch wie Uhse für die Zerissenheit in den Wirren der deutschen Geschichte. Bronnen war der Sohn des jüdischen Schriftstellers und Gymnasiallehrers Dr. Ferdinand Bronner (der unter dem Pseudonym Franz Adamus veröffentlichte) und von Martha, geb. Schelle. Er wuchs auf in Jägerndorf und in Wien. 1913 machte er dort seine Matura und schrieb sich anschließend an der Universität Wien ein, wo er für vier Semester Jura und Philosophie studierte. Im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verletzt und geriet in Kriegsgefangeschaft. 1920 zog Bronnen nach Berlin, wo er anfangs als Angestellter, unter anderem im Kaufhaus des Westens arbeitete. Im selben Jahr erschien sein Stück Vatermord, das ihn berühmt macht und für das er den Kleist-Preis erhielt. In der Folge freundete sich Bronnen mit Brecht an, mit dem er bis 1926 wiederholt zusammenarbeitete. 1924 wurde Bronnens Stück Katalaunische Schlacht uraufgeführt, das in der Folge zu Protesten des Nationalverbands Deutscher Offiziere führte. Ab 1926 arbeitete er für den Rundfunk; von 1928 bis 1933 war er Dramaturg bei der Dramatischen Funkstunde Berlin.
Spätestens ab 1927 näherte sich Bronnen stärker völkischen, rechten Kreisen an und trat auch in Kontakt zu Ernst Jünger. 1929 führte sein in Oberschlesien spielender Roman O.S. zu heftigen Reaktionen in der Presse; Brecht distanzierte sich von ihm. Ab 1930 verkehrte Bronnen mit Otto Strasser und Goebbels; in diesem Jahr heiratete er auch seine Frau Olga geb. Förster-Prowe. Mit zahlreichen anderen Schriftstellern unterzeichnete er jedoch das "Gelöbnis treuester Gefolgschaft" für Hitler. Ab 1934 arbeitete er für den ersten Fernsehsender. Im Nazi-Regime war Bronnens Stellung zum Nationalsozialismus umstritten, da ihm einerseits seine frühen "linken Umtriebe" vorgeworfen wurden, er aber andererseits schon vor der Machtübernahme der Nazis diese unterstützt hatte. 1938 bzw. 1940 wurden seine Töchter Barbara (Schriftstellerin) Franziska (Schauspielerin) geboren, beide mit seiner zweiten Frau Hildegard von Lossow, 1935 beging seine Frau Selbstmord. 1937 wurde Bronnen aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, was nach Bronnens Widerspruch von Goebbels bestätigt. 1941 ließ Bronnen seine "arische" Abstammung aktenkundig zu machen und wurde wieder in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen. 1943 erhielt er endgültig Publikationsverbot und wurde erneut aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Er nahm Kontakt zu einer Widerstandsgruppe auf, wurde 1944 zu einem Ersatzbataillon eingezogen, jedoch bald als "Wehrkraftzersetzer" denunziert und vorübergehend inhaftiert. 1945 wurde Bronnen für kurze Zeit für die Kommunistische Partei Österreichs Bürgermeister von Bad Goisern, wo er seit 1943 lebte, jedoch bald darauf aus der KPÖ ausgeschlossen. 1947 veröffentlichte er eine Rechtfertigung seiner politischen Vergangenheit und arbeitete in der Folge in Österreich am Theater und für den Film. 1955 zog Bronnen nach Ost-Berlin, die Möglichkeiten eines solchen Umzugs in die DDR hatte er zuvor mit Johannes R. Becher besprochen. Dort arbeitete er für das Theater und als Kritiker für die Berliner Zeitung. In der DDR konnte Bronnen nicht mehr wirklich Fuß fassen und es gelang ihm kaum, neue Texte zu veröffentlichen oder Stücke zur Aufführung zu bringen. 1959 starb er in Ost-Berlin.
Theodor Brugsch Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Brugsch, Theodor
Theodor Brugsch (11.10.1878 - 11.07.1963) war ein deutscher Mediziner. Er studierte von 1898 bis 1902 Medizin in Berlin und arbeitete erst am Krankenhaus Hamburg-Altona, danach an der Berliner Charité und von 1927 bis 1935 in der Medizinischen Universitätsklinik Halle. Seine Frau war Jüdin und es kam zu Konflikten mit dem NS-Regime, deshalb praktizierte er in einer Privatpraxis in Berlin. Von 1945 bis 1957 arbeitete Theodor Brugsch als Ordinarius für Innere Medizin an der Charité.
Hans Bunge Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Bunge, Hans
Hans Bunge (03.12.1919 - 27.05.1990) war ein deutscher Dramaturg, Regisseur und Autor. Berühmt wurde Bunge durch seine Gespräche mit Hanns Eisler über Brecht. Hans Bunge trat 1938 der NSDAP bei, war 1939 bis 1943 beim Reichsarbeitsdienst bzw. der Wehrmacht und bis 1949 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland studierte er 1950 bis 1953 Germanistik, Kunstwissenschaften und Theatergeschichte in Greifswald. Durch Vermittlung Ruth Berlaus wurde er Regie- und Dramaturgieassistent am Berliner Ensemble. 1956 bis 1962 leitete er das Bertolt-Brecht-Archiv und führte viel beachtete Interviews mit Mitarbeitern und Schülern von Bertolt Brecht, über den er 1957 promovierte. Nach persönlichen Differenzen mit Helene Weigel wechselte Bunge zur Deutschen Akademie der Künste (DAK), wo er zunächst die historisch-kritische Ausgabe der Werke Brechts betreute und später Sonderhefte der Literaturzeitschrift Sinn und Form u. a. zu Hanns Eisler, Thomas Mann und Willi Bredel herausgab. 1965 wurde der politisch unbequeme Bunge, der mit Wolf Biermann, Heiner Müller und Robert Havemann befreundet war, anlässlich des 11. Plenums des Zentralkomitees der SED von der DAK fristlos entlassen. 1968 bis 1970 arbeitete Bunge als Regisseur und Dramaturg am Volkstheater Rostock, 1970 bis 1978 am Deutschen Theater Berlin. Danach lebte er als freier Schriftsteller in Berlin. 1976 gehörte er zu den Unterzeichnern des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns.
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Christian Gottlieb Cantian Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Cantian, Christian Gottlieb
Christian Gottlieb Cantian (23.06.1794 - 11.04.1866) war ein deutscher Steinmetz und Baumeister. Nach der Teilnahme an den Befreiungskriegen war er Schüler an der Berliner Bauakademie. 1826 übernahm Gottlieb Cantian die väterliche Firma, deren Name mit zahlreichen Steinmetzarbeiten an bekannten Berliner Monumentalbauten dieser Zeit verbunden ist. Die bekannteste Arbeit Cantians ist "Berlins größte Suppenschüssel", die Granitschale im Lustgarten vor dem Alten Museum in Berlin. 1850 bis 1859 war er Stadtverordneter von Berlin und wurde als Stadtältester geehrt.
Daniel Chodowiecki Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Chodowiecki, Daniel
Daniel Nikolaus Chodowiecki (16.10.1726 - 07.02.1801) war der populärste polnisch-deutsche Kupferstecher, Grafiker und Illustrator des 18. Jahrhunderts. Chodowiecki stammt väterlicherseits aus einer ursprünglich adligen polnischen Familie, während seine Mutter hugenottischer Abstammung war. 1743 kam er nach Berlin in das Kurzwarengeschäft seines Onkels und Chodowiecki zeichnete und entwarf dort Modeschmuck. Sein Onkel sorgte dann auch für eine künstlerische Ausbildung und ließ seine Neffen Daniel und Gottfried in der Emailmalerei unterrichten. Ab 1754 machten sich die Brüder Chodowiecki als Miniatur- bzw. Emailmaler selbstständig. In den Almanachen und Kalendern der Zeit konnte Chodowiecki als Illustrator erste Erfolge erzielen. Später machten ihn seine Kupferstiche in der ganzen Welt berühmt. Chodowiecki illustrierte nicht nur Werke von Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Schiller. Auch wissenschaftliche Werke sind mit seinen Stichen bebildert. Das enorme Werk von fast 2300 Radierungen konnte Chodowiecki nur mit einer Werkstatt bewältigen, für ihn arbeiteten einige der besten Kupferstecher, Radierer und Miniaturmaler des Landes. Auf seine Entwürfe geht die Bauplastik am Französischen Dom in Berlin zurück. Ab 1764 war Chodowiecki Mitglied der Akademie der bildenden Künste Berlin. 1786 avancierte er zum Sekretär der Akademie und war als solcher bis 1790 für die akademischen Ausstellungen zuständig. 1790 beförderte man ihn zum stellvertretenden Direktor und in den Jahren 1797 bis 1801 leitete er als Direktor die Akademie.
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Gustav Dankberg Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Dankberg, Friedrich Wilhelm
Friedrich Wilhelm Gustav Dankberg (09.10.1819 - 13.10.1866) war ein deutscher Bildhauer und Stukkateur. Gegen 1840 kam er als Tischlergeselle nach Berlin und machte hier seine ersten Studien unter Anleitung des Bildhauers Friedrich Wilhelm Holbein. Seinen Ruf begründete er durch dekorative Arbeiten u.a. an der Borsigschen Fabrik in Berlin-Moabit (1845), am Babelsberger Schloss, der Kurfürstenkammer im Königlichen Schloss und am Orangerieschloss in Sanssouci.
Rudolf von Delbrück Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Delbrück, Rudolf von
Martin Friedrich Rudolf von Delbrück (16.04.1817 - 01.02.1903) war ein preußischer und deutscher Politiker. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft wurde Delbrück 1837 preußischer Beamter und wurde 1848 Ministerialdirektor im preußische Handeslministerium. Delbrück setzte sich vor allem für den Freihandel ein, die Ausweitung des Deutschen Zollvereins ging zu großen Teilen auf ihn zurück, dabei war er stets auf den Erhalt der preußischen Hegemonie im Zollverein bedacht war. Ab 1867 war Delbrück Präsident des Bundeskanzleramts des Norddeutschen Bunds und war Bismarcks engster Mitarbeiter, den er auch im Parlament oft vertrat und als Vermittler zwischen Bismarck und den Liberalen wirkte. Als Vertrauter Bismarcks und nun als Staatsminister führte Delbrück 1870 die Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten, die schließlich zur Reichsgründung von 1871 führten, für seine diesbzgl. Verdienste wurde er 1896 geadelt. Delbrück blieb nach der Reichsgründung zunächst Bismarcks engster Mitarbeiter und wurde Präsident des Reichskanzleramts. Zu Spannungen und schließlich zum Bruch zwischen den beiden Männer kam es mir Bismarcks Wechsel vom Freihandel zum Protektionismus und Verstaatlichung Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts. 1876 trat Delbrück zurück, nachdem Bismarcks Plan zur Verstaatlichung der Eisenbahnen bekannt wurde. Dieser Bruch, symptomatisch für die sich verstärkenden Spannungen zwischen den Liberalen und Bismarck, gab den ersten Anlass zur Kanzlerkrise von 1876 bis 1878. Delbrück blieb bis 1881 als Fraktionsloser Mitglied des Reichstags und bekämpfte engagiert, aber erfolglos die von ihm als antiliberal und etatistisch angesehene Schutzzollpolitik und Sozialgesetzgebung Bismarcks.
Paul Dessau Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Paul Dessau Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Dessau, Paul
Paul Dessau (19.12.1894 - 28.06.1979) war ein deutscher Komponist und Dirigent. Erste Engagements hatte er als Korrepetitor und Kapellmeister, so 1919-23 in Köln bei Otto Klemperer, 1923 in Mainz, 1925 als Erster Kapellmeister unter Bruno Walter an der Städtischen Oper Berlin. Für sein »Concertino« für Violine erhält er 1925 den Preis des Musikverlags Schott. 1927 wird 1927 Dessaus "Erste Sinfonie in C" in Prag uraufgeführt. Dessau hat ein außerordentlich umfangreiches Werk hinterlassen, das sich fast allen musikalischen Genres widmet. Sein Werk und sein ereignisreiches Leben ist ausführlich dokumentiert, so daß ich hier auf längere Erörterungen verzichte und lediglich auf die folgenden Links verweise.
Ludwig Devrient Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

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Ludwig Devrient Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Devrient, Ludwig
Ludwig Devrient, eigentl. David Louis De Vrient, (15.12.1784 - 30.12.1832) war ein deutscher Schauspieler. Als Devrient anläßlich eines Theaterbesuchs in Leipzig dort Ferdinand Ochsenheimer erlebte, wollte er ebenfalls Schauspieler werden. Im Sommer 1803 schloss er sich einer Theatertruppe an, wo durch den Schauspieler J. Weidner seinen ersten Schauspielunterricht bekam. Zum ersten Mal stand Devrient im Mai 1804 in Gera auf der Bühne, nach einer Tourneen u.a. durch Naumburg, Jena und Zeitz wurde Devrient in Dessau festes Mitglied des Ensembles, hier entstand der Ruf vom "Theatergenie Devrient". Dochh Devrient, von Selbstzweifeln geplagt, wurde 1808 vertragsbrüchig und verließ Dessau. Er ging nach Berlin, wo er unter August Wilhelm Iffland am 18. Juli 1808 an der königlichen Oper auftrat. Schon bald schloß er mit E. T. A. Hoffmann Freundschaft. Seinen ersten großen Erfolg in Berlin hatte Devrient am 09.02.1809 in der Rolle des Franz Moor und nach seinem Darstellung des Shylock (1810) und des König Lear (1814) sprachen die Kritiker bald nur noch vom "Theatergenie". Die königliche Familie und viele hohe Beamte gehörten zu Devrients Anhängern, darunter auch Fürst Karl August von Hardenberg, der Iffland bei dessen Vorschlag unterstützte, Devrient zu seinem Nachfolger an der Königlichen Oper zu bestimmen. 1832 brach der schon lange alkoholkranke Devrient während einer Aufführung von König Lear auf offener Bühne bewußtlos zusammen und verstarb zwei Wochen nach seinem 48. Geburtstag am 30.12.1832 in Berlin.
Slátan Dudow Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Dudow, Slátan
Slátan Dudow (30.01.1903 - 12.07.1963) war ein bulgarischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der hauptsächlich in Deutschland tätig war. Dudow, Sohn eines Eisenbahners, kam im Herbst 1922 nach Berlin, um Architektur zu studieren. 1923 nahm er den Unterricht an Emanuel Reichers Schauspielschule auf und studierte ab 1925 als Werkstudent Theaterwissenschaft bei Max Herrmann. Er hospitierte bei Fritz Langs Metropolis sowie bei Theaterinszenierungen von Leopold Jessner und Jürgen Fehling. Von 1927 bis 1928 war er Chormitglied am Theater Erwin Piscators. Im Jahr 1929 unternahm Dudow im Auftrag Herrmanns eine Hospitationsreise nach Moskau, wo er Sergei Michailowitsch Eisenstein und Bertolt Brecht kennenlernte. Brecht nahm ihn in seinen Arbeitskreis auf, und Dudow inszenierte 1929 für das "Theater der Arbeiter" Brechts Die Maßnahme. Im selben Jahr war er Regieassistent bei verschiedenen dokumentarischen Agitationsstreifen. Seine erste eigenständige Gestaltung war 1930 der dokumentarische Kurzfilm Wie der Berliner Arbeiter wohnt, er schilderte darin die teils mit versteckter Kamera gefilmte und authentische Zwangsdelogierung einer Berliner Arbeiterfamilie. Höhepunkt seines Schaffens wurde der Film Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? (1932), der die elenden Lebensbedingungen der Arbeiter in der Zeit der Weltwirtschaftskrise veranschaulicht. Kuhle Wampe gilt als der bedeutendste kommunistisch-proletarische Film Deutschlands. Die Filmzensur gab ihn erst im dritten Anlauf zur öffentlichen Vorführung frei. Bereits im März 1933 wurde er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wieder verboten. Dudow emigrierte nach Frankreich, wo er 1934 den noch in Deutschland begonnenen Film Seifenblasen fertigstellte. Im Oktober 1937 führte er zusammen mit Exilschauspielern in Paris Brechts Die Gewehre der Frau Carrar mit Helene Weigel auf. Nach der Ausweisung aus Frankreich fand er mit Frau und Tochter sein Exil in der Schweiz. 1948 kehrte er in nach Deutschland zurück und zählte dort mit den Filmen Unser täglich Brot (1949), Frauenschicksale (1952) und Verwirrung der Liebe (1959) zu den wichtigsten Regisseuren der Anfangszeit der DEFA.
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Heinrich Ehmsen Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Ehmsen, Heinrich
Heinrich Ehmsen (09.08.1886 - 06.05.1964) war ein deutscher Maler und Grafiker. Ehmsen ging nach der Volksschulzeit 1901 in eine vierjährige Lehre als Stubenmaler. Parallel besuchte er in Kiel die Städtische Gewerbeschule, wo er eine kunsthandwerkliche Ausbildung erhielt. Von 1906 bis 1909 ließ sich Ehmsen an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf zum Dekorationsmaler ausbilden,. 1909 gestaltete Ehmsen einen Raum für die Düsseldorfer Ausstellung Christliche Kunst. Bei einem Aufenthalt in Paris von 1910 bis 1911 studierte Ehmsen an der Academie Colarossi. 1911 zog Ehmsen nach München um, wo er von den Malern des Blauen Reiter beeinflusst wurde. Von 1914 bis 1918 war Ehmsen als Soldat im Ersten Weltkrieg in Frankreich, Rumänien und Flandern stationiert. Seine Eindrücke aus den Jahren 1918 bis 1919 bei den Auseinandersetzungen und dem Zerfall der Münchner Räterepublik spiegeln sich in vielen seiner Werke wider. 1929 zog Ehmsen nach Berlin und wurde 1930 Mitglied im Kampfkomitee der Künstler und Geistesarbeiter zur Unterstützung der KPD bei den Reichstagswahlen. Von 1932 bis 1933 hielt er sich in der UdSSR auf, wo er eine Ausstellung in Moskau hatte und seine Werke von Museen angekauft wurden. Bis zur Verhaftung durch die Gestapo am 18. Oktober 1933 war Ehmsen künstlerischer Mitarbeiter bei den Junkers-Werken. Während seiner Haft im Columbiahaus in Berlin wurden seine Werke aus allen deutschen Museen entfernt. Obwohl acht Werke 1937 in der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt wurden, kam es 1939 zur Aufnahme in die Reichskulturkammer. Von 1940 bis 1944 war er Soldat der Wehrmacht. Er war in der Propagandaabteilung in Frankreich eingesetzt, zuständig für Bildende Kunst. 1945 gehörte Ehmsen zu den Mitbegründern der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Charlottenburg, deren stellvertretender Direktor sowie Leiter der Abteilung Freie Kunst er war. Wegen einer Solidaritätserklärung für den Pariser Congrès mondial des partisans pour la paix (Weltfriedensbewegung) wurde er 1949 entlassen. 1950 übernahm Ehmsen die Meisterklasse für Malerei an der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin.
Hanns Eisler Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Eisler, Hanns
Hanns Eisler (06.07.1898 - 06.09.1962) war ein österreichisch-deutscher Komponist und Dirigent. Eisler war ein Schüler von Arnold Schönberg und schrieb zahlreiche Kammerstücke, Bühnenwerke und Orchesterstücke sowie eine große Anzahl von Liedern zu Gedichten von Goethe, Hölderlin Brecht. 1949 komponierte er die Nationalhymne der DDR, von der Gründung der Deutsche Akademie der Künste 1950 bis zu seinem Tod arbeitete Eisler als Leiter der Meisterklassen für Komposition an der Akademie und als Kompositionslehrer an der Hochschule für Musik, die seit 1964 seinen Namen trägt. Eisler war übrigens der jüngere Bruder von Ruth Fischer, deren Leben ebenfalls ein bemerkenswertes Zeugnis deutscher Zeitgeschicht ist.
Erich Engel Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Engel, Erich
Erich Engel (14.02.1891 - 10.05.1966) war ein deutscher Film- und Theaterregisseur. Seine bekanntesten Filme sind Mysterien eines Frisiersalons mit Brecht, Karl Valentin und Carola Neher, Altes Herz wird wieder jung mit Emil Jannings und Der fröhliche Weinberg nach Carl Zuckmayer. Engel besuchte die Kunstgewerbeschule in Hamburg, nach dem Abschluss arbeitete er kurz als Journalist und absolvierte am Thalia-Theater in Hamburg eine Schauspielausbildung.Er verbrachte einige Jahre auf Wanderbühnen, in den Jahren 1917 und 1918 war Engel Dramaturg am Schauspielhaus, später an den Hamburger Kammerspielen. Nach einem kurzen Engagement am Bayerische Staatstheater in München zog er 1924 nach Berlin. Er inszenierte am Deutschen Theater unter anderem Bertolt Brechts Im Dickicht der Städte. Seinen Durchbruch schaffte Engel mit Brechts Dreigroschenoper, deren Premiere er am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Szene setzte. 1930 begann Engel auch Filme zu inszenieren. Um zu vermeiden, von den Nationalsozialisten für Propagandafilme herangezogen zu werden, führte er Regie bei Lustspielen und drehte zahlreiche Filme für die UFA. In diesen Jahren war Theo Mackeben ein ständiger Begleiter als Komponist und musikalischer Leiter für Engels Filme. Daneben war er weiterhin als Regisseur am Berliner Deutschen Theater engagiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er der Intendant der Münchner Kammerspiele, doch ab 1949 lebte und arbeitete er in der DDR. Er drehte wieder Filme und unter seiner Regie entstanden zahreiche Produktionen für die DEFA, aber auch in Westdeutschland für die ARD und für Artur Brauner. Für seine zahlreichen DEFA Produktionen wurde er mit dem den Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Als Oberspielleiter in Brechts Berliner Ensemble kehrte Engel wieder zurück an den Schiffbauerdamm, so führte er beispielsweise nach dem Tod Brechts dessen geplante Aufführung des Stückes Leben des Galilei 1957 zur Premiere.
Ludwig Engelhardt Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Engelhardt, Ludwig
Ludwig Engelhardt (18.08.1924 - 21.01.2001) war ein deutscher Bildhauer. Nach einer Ausbildung zum Möbeltischler studierte Engelhardt von 1951 bis 1956 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und war danach bis 1958 Meisterschüler bei Heinrich Drake. Seit 1969 war er Mitglied der Akademie der Künste in Ost-Berlin, von 1974 bis 1978 als Sekretär der Sektion Bildende Kunst. Seine bekannteste Arbeit ist die Figurengruppe Karl Marx und Friedrich Engels auf dem Alexanderplatz, die im Rahmen seiner künstlerischen Leitung des Projekts "Marx-Engels-Forum Berlin" entstand.
Fritz Erpenbeck Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Erpenbeck, Fritz
Fritz Erpenbeck (06.04.1897 - 07.01.1975) war ein deutscher Schriftsteller, Publizist und Schauspieler. Erpenbeck absolvierte, unterbrochen durch den Militärdienst im Ersten Weltkrieg, eine Ausbildung als Schlosser in Osnabrück, wo er daneben auch Schauspielunterricht nahm. Seit 1920 war er in verschiedenen Engagements, unter anderem am Lessingtheater und der Piscator-Bühne in Berlin, wo er auch als Regisseur und Dramaturg wirkte. 1928 heiratete er die Schriftstellerin Hedda Zinner. Seit 1927 war er Mitglied der KPD. Seit 1929 arbeitete er auch journalistisch, 1931 bis 1933 war er Chefredakteur der Satirezeitschrift Roter Pfeffer. 1933 emigrierte er zunächst nach Prag, 1935 mit seiner Frau in die Sowjetunion. Dort arbeitete er als Redakteur für verschiedene Zeitschriften und wurde Mitglied des Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD). Im Rahmen seiner Tätigkeit für das NKFD war er stellvertretender Chefredakteur des NKFD-Senders Freies Deutschland. Wegen dieser Funktion wählte man ihn für die Gruppe Ulbricht aus. 1945 kehrte Erpenbeck mit ihr nach Deutschland zurück, wo er 1946 der SED beitrat. Er war 1946 bis 1958 Chefredakteur der Zeitschriften Theater der Zeit und Theaterdienst und gründete mit Bruno Henschel den Henschel Verlag. Seit 1951 war er Leiter der Hauptabteilung Darstellende Kunst und Musik beim Ministerrat der DDR. 1959 bis 1962 war er Chefdramaturg der Berliner Volksbühne, danach lebte er als freier Schriftsteller.
Eberhard Esche Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Esche, Eberhard
Eberhard Esche (25.10.1933 - 15.05.2006) war ein deutscher Schauspieler, der vor allem mit klassischen Rollen am Deutschen Theater Berlin bekannt wurde. Esche studierte 1952 bis 1955 an der Theaterhochschule Leipzig. Nach Engagements in Meiningen, Erfurt und Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) kam er 1961 zum Deutschen Theater, wo er mit einer kurzen Unterbrechung bis 1999 engagiert war. Neben seiner Arbeit am Theater trat er z.B. mit Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen" und Goethes "Reineke Fuchs" mit Vortragsabenden und wirkte in vielen DEFA-Filmen mit. Der charakteristische, eigensinnige Singsang seiner Stimme machte ihn zu einem der gefragtesten und beliebtesten Sprecher und Rezitatoren der DDR, besonders als Heine-Interpret. Esche war mit dem Dichter Peter Hacks sehr eng befreundet.
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Johann Gottlieb Fichte Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Fichte, Johann Gottlieb
Johann Gottlieb Fichte (19.05.1762 - 29.01.1814) war ein deutscher Erzieher und Philosoph. Er gilt nach Hegel und neben Friedrich Schleiermacher und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling als wichtigster Vertreter des deutschen Idealismus.
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Günter Gaus Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Gaus, Günter
Günter Gaus (23.11.1929 - 14.05.2004) war ein deutscher Journalist, Publizist, Diplomat und Politiker. Gaus studierte er Germanistik und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er arbeitete er bei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen, bekannt wurde seine Sendereihe Zur Person, die zum ersten Mal am 10.04.1963 im ZDF ausgestrahlt wurde. Gaus stellte jeweils einen Gast in Form eines Interviews vor, die so entstandenen Portraits von Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern gelten heute als Klassiker und einige, z.B. das Interview mit Hannah Arendt, sind Dokumente der Zeitgeschichte von allerhöchstem wert. Gaus führte die Reihe teilweise unter anderem Titel auf verschiedenen Sendern über Jahrzehnte fort. Gaus war Fernsehdirektor beim Südwestfunk, Leiter des TV-Magazins Report Baden-Baden und wurde 1969 Chefredakteur des SPIEGEL. 1973 wechselte Gaus in die Politik und wurde Staatssekretär im Bundeskanzleramt. 1974 wurde Gaus zum Leiter der neu eingerichteten Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR berufen und blieb bis 1981 in dieser Position. 1981 wandte er sich wieder der journalistischen Tätigkeit zu, verfasste er mehrere Bücher zur Lage der Bundesrepublik und zur Sicherheitspolitik. Seit 1990 war er Mitherausgeber der linken Wochenzeitung Freitag.
Gedenkstätte für Kämpfer des Widerstands Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

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Gedenkstätte für Kämpfer des Widerstands
Mit dieser Gedenkstätte werden verschiedene Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus geehrt. Nachfolgend verweise ich ich für die Biographien auf die Wikipedia-Einträge.
Erwin Geschonnek Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Geschonnek, Erwin
Erwin Geschonnek (27.12.1906 - 12.03.2008) war ein deutscher Schauspieler. Seine größten Erfolge erlebte er in der DDR, wo er als einer der erfolgreichsten und profiliertesten Darsteller galt. Geschonneck wurde als Sohn eines Flickschusters und Nachtwächters geboren. 1908 übersiedelte die Familie nach Berlin in die Rosenthaler Vorstadt. Geschonneck verdiente nach dem Schulabschluss seinen Lebensunterhalt als Gelegenheitsarbeiter, Bürobote und Hausdiener. 1929 trat er der KPD bei und spielte in kommunistischen Laienspiel-, Agitprop- und Kabarettgruppen; 1931 hatte er in Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? seine erste kleine Filmrolle. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten emigrierte er 1933 über Polen in die Sowjetunion. 1938 wurde er vom NKWD zum Verlassen der Sowjetunion gezwungen. In Prag wurde er am 31. März 1939 verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert. Er war Gefangener in den KZ Sachsenhausen, Dachau und Neuengamme. Von 1946 bis 1948 arbeitete Geschonneck an den Hamburger Kammerspielen und spielte in verschiedenen Filmproduktionen. 1949 holten ihn Brecht und Weigel an das Berliner Ensemble. Dort spielte er große Bühnenrollen, zugleich begann eine überaus erfolgreiche Karriere bei der DEFA und dem DFF, in deren Verlauf er mit vielen wichtigen Regisseuren der DDR arbeitete. So spielte Geschonneck 1974 die Rolle des Kowalski im Film Jakob der Lügner, der als einziger DEFA-Film für den Oscar nominiert wurde. 1993 erhielt Geschonneck den deutschen Filmpreis für sein Gesamtschaffen und am 28. Dezember 2004 wurde Geschonneck zum Ehrenmitglied der neu gegründeten Deutschen Filmakademie ernannt.
René Graetz Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Graetz, René
René Graetz (02.08.1908 - 17.09.1974) war ein deutscher Bildhauer, Grafiker und Maler. Graetz wuchs in Genf auf und absolvierte ab 1923 erhielt er eine Ausbildung als Tiefdrucker. Von 1926 bis 1928 besuchte Graetz Vorlesungen in Genf und Zürich, ab 1929 arbeitete er als Monteur in einer Großdruckerei in Kapstadt in Südafrika. Dort besuchte er 1932 eine Bildhauerschule und arbeitete ab 1935 als Bildhauer. 1938 verließ er Südafrika und emigrierte 1939 über die Schweiz und Frankreich nach Großbritannien, wo er sich in London niederließ. Hier lernte er Henry Moore kennen, den er mehrfach in dessen Atelier besuchte. 1939 wurde Graetz, wie alle deutschen Staatsbürger im Vereinigten Königreich, interniert und 1940 nach Kanada deportiert. 1941 konnte er nach London zurückkehren und arbeitete dort für den Freien Deutschen Kulturbund. Nach dem Krieg ging er nach Deutschland, wurde 1946 Mitglied der KPD und später der SED. Er lebte in Berlin und arbeitete zunächst als Gestalter im Verlag Volk und Wissen, später wurde er freischaffender Künstler. Graetz' Werk unfasst zahlreiche Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Reliefstelen in Buchenwald und der Plastik Befreiung in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Nach 1970 wandte er sich verstärkt der abstrakten Kunst über.
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John Heartfield Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Heartfield, John
John Heartfield (Helmut Herzfelde 19.06.1891 - 26.04.1968) ein deutscher Maler, Graphiker, Fotomontagekünstler und Bühnenbildner, er gilt als der Erfinder der politischen Fotomontage. Er war der älteste Sohn des anarchistischen Dichters und Schriftstellers Franz Held und Bruder von Wieland Herzfelde und 1899 verschwanden die Eltern unter bis heute mysteriösen Umständen und ließen ihre Kinder in einer Almhütte auf dem Gaisberg südlich von Salzburg, wo die Familie auf der Flucht vor der Justiz (wegen "Gotteslästerung") und nach iherer Ausweisung aus der Schweiz lebte, zurück. Erst 1977 erfuhr Heartfields Bruder Wieland Herzfelde Näheres zum weiteren Schicksal seines Vaters, nämlich daß er in einer Bozener Irrenanstalt sterben mußte. Das Schicksal der Mutter, der Textilarbeiterin und Anarchistin Alice Stolzenberg, ist bis heute ungewiß. Helmut Herzfelde begann 1905 eine Lehre als Buchhändler, studierte von 1908 bis 1911 an der Kunstgewerbeschule in München und danach an der Kunst- und Handwerkerschule in Berlin-Charlottenburg. Seit 1916 nannte sich Herzfelde aus Protest gegen den englandfeindlichen Nationalismus offiziell John Heartfield und gründete er zusammen mit seinem Bruder Wieland Herzfelde den Malik-Verlag in Berlin. Am 31. Dezember 1918 trat Heartfield noch an ihrem Gründungstag der KPD bei, ab 1919 wurde er als Protagonist der Berliner Dada-Bewegung bekannt. Es folgten zunehmende Aktivitäten in der neuen Kunstbewegung. Im April 1920 gab Heartfield zusammen mit George Grosz und Raoul Hausmann Dada 3 heraus, die ab 1921 von Heartfield entworfenen Schutzumschläge und Bucheinbände für den Malik-Verlag wurden schnell zu begehrten Sammlerobjekten, so daß sieöfter ohne das zugehörige Buch beim Verlag bestellt wurden. Heartfield wurde Ausstattungsleiter der Max Reinhardt–Bühnen unter Erwin Piscator. Balt galt Heartfield als Meister der Fotomontagetechnik, berühmt ist der gemeinsam mit Tucholsky verfasste und 1929 erschienen ein Bildband mit dem satirisch gemeinten Titel "Deutschland, Deutschland über alles". 1933 emigrierte John Heartfiled in die Tschechoslowakei, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei konnte Heartfield 1938 mit Hilfe englischer Intellektueller nach Großbritannien emigrieren. 1950 kehrte Heartfield nach Deutschland in die DDR zurück, wo er bis 1956 in Leipzig und danach bis zu seinem Tod in Berlin lebte. Zusammen mit Wieland Herzfelde arbeitete er für verschiedene Theater, Verlage und Organisationen der DDR. 1956 wurde Heartfield zum ordentlichen Mitglied der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin gewählt und 1960 wurde zum Professorenberufen.
G.W.F. Hegel Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

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Hegel, Georg Wilhelm Friedrich
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (27.08.1770 - 14.11.1831) war ein deutscher Philosoph und zentraler Vertreter des Deutschen Idealismus. Hegels Philosophie ist eins der komplexesten in der Philosophiegeschichte, er entwickelte in seinen Werken eine umfassende Geschichtsphilosophie. Sein Werk Phänomenologie des Geistes aus dem Jahre 1807 zählt zu den wichtigsten Werken der Philosophie überhaupt. Nach Hegels Tod kam es zu einer Aufspaltung seiner Anhänger in Gruppierungen. DieAlt-Hegelianer wie Eduard Gans folgten der Hegelschen Philosophie, während die Jung-Hegelianer wie Ludwig Feuerbach oder Karl Marx das Staatstragende in Hegels Philosophie kritisierten. Insbesondere Karl Marx wurde von Hegel nachhaltig geprägt, Hegels Philosophie gilt als einer der zentralen Ausgangspunkte für den Marxismus. Die Werke Hegels wurden außerdem zum Ausgangspunkt zahlreicher anderer Strömungen im gesamten Bereich der Kultur, wie der Wissenschaftstheorie, aber auch in Kunst und Kunsttheorie, Soziologie, Historie, Theologie und Politik.
Stephan Hermlin Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Hermlin, Stephan
Stephan Hermlin (13.04.1915 - 06.04.1997 in Berlin), bgl. Rudolf Leder, war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer und war einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR. Als Sohn jüdischer Einwanderer wuchs Hermlin in Chemnitz und in Berlin auf. Er trat 1931 dem kommunistischen Jugendverband bei, absolvierte von 1933 bis 1936 eine Lehre als Drucker und war im Widerstand gegen das Nazi-Regime aktiv. 1936 emigrierte Hermlin nach Palästina, Frankreich und die Schweiz. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1945 arbeitete Hermlin zunächst als Rundfunkredakteur in Frankfurt am Main. 1947 zog Hermlin nach Ost-Berlin und war Mitarbeiter in den Zeitschriftenredaktionen der Zeitungen und Zeitscgriften "Täglichen Rundschau", "Aufbau" und "Sinn und Form". Als Autor bekannter Stalin-Hymnen arbeitete Hermlin in wichtigen Gremien der sowjetischen Besatzungszone und wurde nach 1949 schnell einer der einflussreichsten Schriftsteller der neu gegründeten DDR. Als enger Freund von Erich Honecker verstand sich Hermlin zu dieser Zeit als Protagonist sozialistischer Kulturpolitik, engagierte sich aber auch als Mittler zwischen Literatur und Politik. Hermlin war Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, der Akademie der Künste der DDR und seit 1976 auch der Akademie der Künste Westberlin. Nach 1989 geriet Hermlin nicht nur wegen seiner Haltung zu den Juni-Aufständen in der Sowjetzone 1953 und zum Mauerbau 1961, sondern es entwickelte sich eine Kontroverse um seine Biographie, die von Karl Corino begonnen wurde und in die Literatur-Stasi-Debatte ab 1991, später letztlich in eine große Literaturdebatte zur deutschen Einheit müdete.
Rolf Herricht Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Herricht, Rolf
Rolf Herricht (05.10.1927 - 23.08.1981 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler und Komiker. Herricht wuchs in Magdeburg auf und wurde nach kurzem Fronteinsatz und Notabitur im Alter von 18 Jahren Requisiteur und Inspizient am Magdeburger Theater. Zugleich absolvierte er eine private Schauspielausbildung am Schauspielstudio. Als Schauspieler war er dann zunächst an Theatern in Salzwedel, Stendal, Staßfurt, Güstrow und Frankfurt/Oder tätig. Der Intendant des Magdeburger Theaters holte Herricht dann nach Magdeburg zurück, wo er von 1957 bis 1961 tätig war. Bekannt wurde er jedoch vor allem als Schauspieler in diversen Film- und Fernsehproduktionen der DEFA. Herricht gehörte zum Ensemble des Fernsehens der DDR. Ab 1964 war er am Metropol-Theater Berlin engagiert. Während des Finales einer Aufführung von "Kiss Me, Kate" verstarb Herricht 1981 an einen Herzanfall. Herricht war in der DDR außerordentlich populär, besonders die fast drei Jahrzehnte andauernde Sketchpartnerschaft mit Hans-Joachim Preil war sehr beliebt.
Obwohl eine Generation jünger als dieser war Herricht in der Zone das, was Heinz Erhardt für Westdeutschland war. So, wie Erhardt den betulich-kleinbürgerlichen Humor der prosperierenden Bundesrepublik der "Wirtschaftswunderjahre" und damit heute die "gute, alte Zeit" repräsentiert, wurde Herricht zum Symbol des betulich-kleinbürgerlichen Humors der prosperierenden DDR der späten Ulbricht- und der frühen Honeckerzeit und versinnbildlicht bis heute für alle, die in jener Zeit aufwuchsen, auf fast sentimentale Weise die "gute, alte Zeit" und die Hoffnung jener Jahre. Mir geht das nicht viel anders, ich verbinde mit Herricht darüberhinaus die Erinnerung an einen schönen Urlaub mit meiner Familie im seinerzeit hochmodernenen, 1969 fertiggestellten Rügen-Hotel in Saßnitz im Juli des Jahres 1972, in dem Herricht zur selben Zeit wie wir weilte und ich ihn täglich auf der Sonnenterasse traf (wie übrigens auch Karl-Eduard von Schnitzler mit seiner Frau Márta Rafael und Chris Doerk, die zur selben Zeit dort waren). Am Rande bemerkt hätte meine Mutter Herrichts Karriere damals fast dramatisch verkürzt. Als wir nach dem Frühstück auf die Terasse mit schönem Blick auf die Ostsee kamen, war Herricht stets schon da. Eines Tages war ich mit meiner Mutter vorausgegangen und mein Vater folgte mit meinem kleinen Bruder später und sah das nun folgende Malheur nur aus der Entfernung. Also versuchte meine Mutter, den riesigen und entsprechend schweren Sonnenschirm allein zu entfalten und plötzlich fuhr eine Windböe unter den Schirm und riss den Schirm aus ihren Händen und dem Standfuß. Er schlug, das untere Ende des Stahlrohres voran, exakt auf Kopfhöhe einen halben Meter neben Herrichts Sonnenliege ein - das war wirklich knapp. Nachdem Herricht den Schreck verkraftet hatte, war er ausgesprochen freundlich und liebenswürdig und half meiner Mutter, den Schirm in den Standfuß zu stellen - was ihm einen Fan auf Lebenszeit bescherte.
Wieland Herzfelde Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Herzfelde, Wieland
Wieland Herzfelde (11.04.1896 - 23.11.1988) war Publizist, Autor und Verleger. Er gründete den nachgerade legendären Malik-Verlag, der auf Avantgardekunst sowie kommunistische Literatur spezielisiert war. Die Familiengeschichte habe ich schon unter John Heartfield kurz beschrieben, Wieland Herzfelde folgte seinem älteren Bruder Helmut Herzfeld 1914 nach Berlin und studierte Germanistik und Medizin. Die Erlebnisse im Ersten Weltkrieg an der Front erschütterten ihn sehr und er beschloss 1916, mit seinem Bruder eine Zeitschrift gegen den Krieg herauszubringen. Die erste Ausgabe der Neuen Jugend erschien noch im selben Jahr, wurde aber bereits im folgenden Jahr verboten. Aus ihr ging 1917 schließlich der Malik-Verlag hervor, der sich zunächst auf das Publizieren von politisch brisanten Zeitschriften und Kunstmappen von George Grosz spezialisiert hatte. Allmählich wandelte sich das Unternehmen von einem Zeitschriften- zu einem Buchverlag, wurde zum Sprachrohr des Dadaismus und unterstützte mit seinen Publikationen die Sowjetunion. Herzfelde pflegte zu vielen Berliner Künstlern der damaligen Zeit persönliche Kontakte, z.B. zu Harry Graf Kessler, Else Lasker-Schüler und Erwin Piscator). Am 31. Dezember 1918, dem Tag ihrer Gründung, trat er mit seinem Bruder und Georg Grosz der KPD bei. In den 20er Jahren wurde der Verlag um eine Kunstgalerie und eine Buchhandlung erweitert. 1933 emigrierte er nach Prag, wo er die Verlagstätigkeit wieder aufnahm, der Sitz des Hauses wurde nach London verlegt. Er verlegte in Prag Werke von Johannes R. Becher und Ilja Ehrenburg und veröffentlichte zusammen mit Anna Seghers die Zeitschrift Neue deutsche Blätter, in diese Zeit fiel auch die Herausgabe der Gesammelten Werke von Bertolt Brecht. 1938 ginger er zusammen mit seinem Bruder nach London, erhielt 1939 aber ein Visum für die USA und emigrierte schließlich nach New York. Fünf Jahre nach seiner Ankunft in Amerika konnte er seinen Wunsch verwirklichen, mit dem Aurora Verlag einen Verlag für deutsche Exilautoren zu gründen - er rief ihn gemeinsam mit Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin, Heinrich Mann, Ernst Bloch, Ferdinand Bruckner, Oskar Maria Graf, Berthold Viertel, Ernst Waldinger und F.C. Weiskopf 1944 ins Leben. 1949 kehrte Herzfelde nach Deutschland zurück und wurde Professor für Literatur an der Universität Leipzig. In den Jahren 1952-1962 widmete er sich ganz der Herausgabe der 14-bändigen "Gesammelten Werke" von Leo N. Tolstoi. Von 1956 bis 1970 war Herzfelde Präsident des PEN-Vereins der DDR und seit 1961 Mitglied der Akademie der Künste der DDR.
Wolfgang Hilbig Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Hilbig, Wolfgang
Wolfgang Hilbig (31.08.1941 - 02.06.2007) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller. Wolfgang Hilbig wurde im thüringischen Meuselwitz geboren, ein Vater wurde 1942 als vor Stalingrad vermisst gemeldet. Nach einer achtjährigen Schulzeit in seiner Heimatstadt erlernte Hilbig den Beruf eines Bohrwerksdrehers. Nach dem Ableisten seines Wehrdienstes war er als Werkzeugmacher, Erdbauarbeiter und Montage-Arbeiter auf dem Meuselwitzer Braunkohletagebau tätig. 1967 delegierte ihn sein Betrieb in einen "Zirkel schreibender Arbeiter" nach Leipzig. Aus diesem wurde der talentierte Autodidakt jedoch schon ein Jahr später ausgeschlossen, weil seine dort vorgetragenen Gedichte auf völliges Unverständnis gestoßen waren. Hilbig kehrte 1970 nach Meuselwitz in das großelterlich mütterliche Wohnhaus zurück. Er arbeitete nun in seinem Heimatort als Heizer eines staatseigenen Betriebes. Hilbigs erste Versuche als Schriftsteller blieben in der DDR ungedruckt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde man durch einige seiner Gedichte in der Anthologie Hilferufe von drüben (1978) auf ihn aufmerksam. Sein erster Lyrikband Abwesenheit (1979) erschien im S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main, was Hilbig in der DDR eine Geldstrafe wegen "Devisenvergehens" einbrachte. 1978 wurde Hilbig verhaftet und nach kurzer Zeit ohne Anklageerhebung entlassen. Er zog nach Berlin, wo er wiederum als Betriebsheizer Arbeit fand. Ende der 1970er Jahre gab Hilbig seine Tätigkeit als Heizer auf und arbeitete nur noch als Schriftsteller. 1979 machte sich Wolfgang Hilbig als Schriftsteller selbstständig, seine Aufenthaltsorte wechselten zwischen Berlin und Leipzig. Mit der Unterstützung Franz Fühmanns wurden 1980 erstmals einige seiner Gedichte in einer DDR-Zeitschrift gedruckt. Sein Prosaband Unterm Neomond (1982) wurde bei S. Fischer veröffentlicht. Die Lyrik- und Prosasammlung Stimme Stimme erschien 1983 bei Reclam in Leipzig, wenn auch mit sichtbaren Eingriffen der Zensur. 1985 erhielt Hilbig ein bis 1990 gültiges Visum für die Bundesrepublik Deutschland. Während dieser Zeit publizierte er nicht nur weitere Erzählungen und Gedichte, sondern auch sein Romandebüt Eine Übertragung (1989), das von der Literaturkritik mehrheitlich gelobt wurde. Seit Anfang der 1990er Jahre lebte Hilbig in Berlin. Thema seiner Arbeiten war und blieb, auch über die Wende hinaus, die Doppelexistenz als Arbeiter und Schriftsteller in der DDR sowie die Suche nach Individualität.
Hitzig (Familiengrab) Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

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Hitzig (Familiengrab) Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Hitzig
(Familiengrab)
Julius Eduard Hitzig (geb. Isaac Elias Itzig 26.03.1780 - 26.11.1849) war Jurist, Verleger, Schriftsteller. Hitzig studierte Rechtswissenschaften in Halle und Erlangen, war Regierungsassessor in Warschau und machte aus dem preußischen Justizdienst eine Buchhändlerausbildung. Er gründete in Berlin einen Verlag, in dem er unter anderem Heinrich von Kleists Berliner Abendblätter veröffentlichte. 1814 kehrte er in den Justizdienst zurück, mit der Gründung strafjuristischer Fachzeitschriften förderte er die Fachdiskussion, war aber auch als Verleger sowie als Mitglied und Mitbegründer literarischer Gesellschaftenin dem literarischen Leben seiner Zeit verbunden. Er verfasste biografische Arbeiten über Adelbert von Chamisso und E. T. A. Hoffmann.
Georg Friedrich Heinrich Hitzig (08.11.1811 - 11.10.1881) war Julius Eduard Hitzigs Sohn und ein deutscher Architekt und Schüler von Karl Friedrich Schinkel. Er arbeitete als Schinkels Praktikant beim Bau der Berliner Sternwarte und wurde zu einem besonders gefragten Architekten in der Zeit nach Schinkel, dessen klassizistischen Stil er durch die Nutzung von Elementen der Renaissance weiterentwickelte. Berühmte Bauten Hitzigs sind die Berliner Börse in der Burgstraße (1945 zerstört), das Hauptgebäude der Technischen Hochschule Charlottenburg, die heutige Schweizerische Botschaft im Tiergarten und das Gebäude der Reichsbank in der Jägerstraße.
Friedrich Eduard Hoffmann Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Friedrich Eduard Hoffmann Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Hoffmann, Friedrich Eduard
Friedrich Eduard Hoffmann (1818 - 1900) war ein deutscher Ingenieur und Erfinder eines Ziegeleiofens, des Hoffmannschen Ringofens, der die Ziegeleifabrikation seinerzeit revolutionierte, womit Hoffmann einen nicht zu unterschätzenden Anteil am rasanten Wachsen der stadt Berlin seit Ende es 19. Jahrhunderts hatte.
August Wilhelm von Hofmann Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Hofmann, August Wilhelm von
August Wilhelm von Hofmann (08.04.1818 - 05.05.1892) war ein deutscher Chemiker. Von Hofmann ist der Wegbereiter für die Erforschung der Anilinfarbstoffe in England und Deutschland, er hat eine Vielzahl wichtiger Umwandlungsmethoden in der organischen Chemie entwickelt und die Deutsche Chemische Gesellschaft gegründet. Hofmann studierte zunächst in Gießen Rechtswissenschaften, besuchte aber ab 1836 Chemievorlesungen von Justus von Liebig. Hofmann wurde Liebigs Assistent, promovierte 1841 bei ihm und ging nach seiner Habilitation 1845 als Privatdozent für Chemie an die Universität Bonn. Die ersten Studien Hofmanns befassten sich mit der Reinigung und Elementaranalyse des aus Steinkohleteer erhaltenen Anilins und Chinolins. Auf Empfehlung Liebigs und auf Wunsch des englischen Prinzgemahls Albert übernahm er noch im gleichen Jahr eine Professur am Chemischen Institut der Royal School of Miners in London. Diese Professur in London füllte zwanzig Jahre seines Lebens, wobei er etliche später bedeutende Schüler hatte. Seit 1845 war Hofmann Mitglied der ersten chemischen Gesellschaft, der 1841 gegründeten Chemical Society in London. Er wurde mit der Errichtung des College of Chemistry in London beauftragt, dessen Leitung ihm nach Fertigstellung übertragen wurde und an dem er zahlreiche englische und deutsche Chemiker ausbildete. Auch die junge Königin Victoria (Vereinigtes Königreich) besuchte Hofmanns Vorträge. Freundschaftlich blieb sie Hofmann verbunden und sorgte dafür, dass er später geadelt wurde und eine Büste von ihm am Brandenburger Tor aufgestellt wurde. Hofmann war maßgeblich an den Vorbereitungen der Weltausstellungen 1851 und 1862 in London beteiligt. 1863 erhielt er einen Ruf nach Bonn, den er ablehnte und stattdessen 1864 den Ruf an die Universität Berlin annahm. Ab Mai 1865 hielt er dort Vorlesungen in anorganischer und organischer Chemie. Er blieb bis zu seinem Tode 1892 in Berlin. Er veranschaulichte die Chemie durch zeitgemäße Versuche, dabei entwickelte er den Hofmann-Zersetzungsapparat und schrieb ein Lehrbuch für Chemie. Hofmann gründete zusammen mit Adolf Baeyer, C. A. Martius, C. Scheibler und Emil Schering, H. Wichelhaus nach dem Vorbild der Chemical Society im Jahr 1867 die Deutsche Chemische Gesellschaft zu Berlin. Hofmann hatte in den nächsten 23 Jahren 14 mal das Präsidentenamt inne.
Christoph Wilhelm Hufeland Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Hufeland, C.W.
Christoph Wilhelm Hufeland (12.08.1762 - 25.08.1836 in Berlin) war einer der berühmtesten Ärzte des 18./19. Jahrhundert. Er gilt wegen seiner sorgfältig ausgearbeiteten Lebenskraft-Theorie als Denker des Vitalismus und als Begründer der Makrobiotik.
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Lin Jaldati Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Jaldati, Lin
Lin Jaldati, eigentl. Rebekka Billeslijper (13.12.1912 - 30.09.1988) war eine in Holland geborene Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin. Sie war mit Eberhard Rebling, den sie in der Emigration in Holland kennenlernte. Nach ihrer Heirat im Jahre 1942 tauchten beide in die Illegalität unter, wurden aber 1944 verhaftet. Während Eberhard Rebling nach seiner Verhaftung fliehen konnte, kam Lin Jaldati gemeinsam mit ihrer Schwester Jannie Brandes-Brilleslijper (1916-2003) in die Konzentrationslager Westerbork, in dem gleichen Zug wie Anne Frank nach Auschwitz und dann Bergen-Belsen und überlebte diese. Nach Ende des Krieges lebte das Ehepaar zunächst im europäischen Ausland, ließ sich jedoch 1952 in Ost-Berlin nieder. Jaldati trat mit ihrem reichhaltigen Repertoire an jiddischen Liedern (sie hatte im KZ jiddisch gelernt) zusammen mit ihren beiden Töchtern in der DDR und im Ausland auf. Als überzeugte Kommunistin stellte sie sich in den Dienst der DDR, lange Zeit war sie, von ihrem Mann Eberhard Rebling am Klavier begleitet und später mit ihren zwei Töchtern Katinka und Jalda auftretend, die einzige Interpretin jiddischer Lieder in der DDR. Nach dem israelischen 6-Tage-Krieg erhielt sie allerdings zeitweise Auftrittsverbot, da alles Jüdische in den Verdacht geriet, zionistisch zu sein. Katinka und Jalda Rebling bewahren heute das Erbe ihrer Mutter.
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Wolf Kaiser Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Wolf Kaiser Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Kaiser, Wolf
Wolf Kaiser (26.10.1916 - 22.10.1992 in Berlin) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler. Kaiser wuchs in der Schweiz auf, wo er zunächst Chemie und Physiologie studierte. Nachdem er 1937 als dienstunfähig aus der Wehrmacht entlassen wurde, ging er nach Berlin und nahm dort Schauspielunterricht. Sein Bühnendebüt gab er 1941 am Stadttheater Iglau, worauf von 1942 bis 1945 ein Engagement an der Volksbühne Berlin folgte. Nach Engagements in Frankfurt am Main, München und am Schauspielhaus in Leipzig kehrte Kaiser 1950 wieder nach Berlin zurück, wo Bertolt Brecht ihn am Deutschen Theater entdeckte und für das Berliner Ensemble verpflichtete. Bis 1967 blieb Kaiser am Berliner Ensemble und zählte aufgrund seiner künstlerischen Leistungen bald zu den bedeutenden Schauspielern der deutschen Theaterlandschaft. Mit Auslandsgastspielen gelang es ihm, auch bei internationalem Publikum Anerkennung zu erlangen. Seine Darstellung des Mackie Messer in der Dreigroschenoper war legendär. 1965 erhielt Kaiser den Nationalpreis der DDR und wurde zwei Jahre später an der Volksbühne engagiert. Ab 1969 konzentrierte er sich hauptsächlich auf die Tätigkeit vor der Kamera und gehörte bis 1990 dem Schauspieler-Ensemble beim Fernsehen der DDR an. Doch auch vorher schon, zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges und danach, war Kaiser im Film tätig. Nachdem er sich Mitte der 1970er Jahre in die Schweiz zurückzog und dort sowohl im Fernsehen als auch auf der Bühne gastierte, spielte er seine letzte große Rolle 1981 als Casanova in Casanova auf Schloß Dux.
Martin Heinrich Klaproth Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Klaproth, Martin Heinrich
(Gedenktafel)
Martin Heinrich Klaproth (01.12.1743 - 01.01.1817) war ein deutscher Chemiker. Klaproth entdeckte die Elemente Uran, Zirconium, Titan (Wiederentdeckung), Cer und Tellur (erste Darstellung) und Strontium (parallel mit Hope). Als einer der angesehensten Chemiker seiner Zeit beeinflusste er das chemische Denken in Deutschland. Die Abwendung von der Phlogistontheorie und die Akzeptanz der Oxidationstheorie (Lavoisier) unterstützte er nach entsprechenden Versuchen. Klaproth führte die Waage als analytisches Standardinstrument ein. Gepaart mit präziser Versuchsdurchführung, kreativem Vorgehen in den Trennungsgängen und genauer Angabe der Untersuchungsergebnisse machte er sich besonders um die analytischen Verfahren verdient. Er wirkte seit 1787 als Professor der Chemie an der Berliner Artillerieschule und als Lehrer des Berg- und Hütteninstitutes. Er trug eine Mineraliensammlung zusammen, die am Ende seines Lebens 4828 Stücke umfaßte. 1810 erhielt er auf Vorschlag Alexander von Humboldts eine Berufung als Professor der Chemie an die neu gegründete Berliner Universität (die spätere Humboldt-Universität).
Karl August Clemens Klenze Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Karl August Clemens Klenze Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Klenze, Karl August Clemens
Karl August Clemens Klenze (22.12.1795 - 14.06.1838) war ein Jurist. Seine wissenschaftliche Laufbahn wurde in großem Maße von Friedrich Karl von Savigny beeinflusst, bei dem er 1820 auch seine Doktorarbeit schrieb. Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche Abhandlungen in Savignys Zeitschrift für geschichtliche Rechtswissenschaft. Sein Interesse galt dabei insbesondere der römischen Rechtsgeschichte und dem römischen Strafrecht. Zu seinen Werken gehören das Lehrbuch der Geschichte des römischen Rechts (1827) sowie sein Lehrbuch des gemeinen Strafrechts (1833)". Klenze trat 1826 seine Professur an und war 1828/1829 Rektor der Friedrich-Wilhelms-Universität. Klenze war von 1833 bis zu seinem Tod als erster Universitätsprofessor Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung. In dieser Eigenschaft förderte Klenze die Anlegung eines neuen Stadtteils an der Marschallbrücke bis zur Charité, wirkte am Aufbau des Nikolaushospitals mit und war an der Gründung der Berliner Lebensversicherungsgesellschaft beteiligt. Auch als Mitbegründer des Ostseebades Heringsdorf auf der Insel Usedom machte er sich einen Namen.
Körte (Familiengrab) Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net

Körte (Familiengrab) Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net
Körte
(Familiengrab)
Friedrich Körte (24.12.1854 - 03.02.1934) war Architekt und gründete 1886 mit Konrad Reimer die Fa. Reimer & Körte. Zu ihren Arbeiten gehören die Entwürfe für M.A.N.-Haus (1896/97), das Gewerkschaftshaus Engeldamm (1897–1900), das Borsighaus (1899), das Haus der Berlinischen Feuerversicherungs-Anstalt (1905), und das Jüdische Krankenhaus Berlin. Friedrich Körte war von 1898 bis 1919 Stadtverordneter.
Werner Körte (21.10.1853 – 03.12.1937) war neben Albert Fraenkel der zweite Direktor des Krankenhauses am Urbanhafen. Angeblich hat Körte den Direktorensitz aufgrund eines Vetos seines berühmten Onkels Rudolf Virchow erhalten, dessen behandelnder Arzt Körte auch war.
Nelly Kröger Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Kröger, Nelly
Nelly Kröger (geboren als Emmy Johanna Westphal 15.02.1898 - 17.12.1944 ) war Heinrich Manns zweite Ehefrau. Der Stein an Manns Grab ist ein Gedenkstein, verstorben ist begraben ist Nelly Kröger - wie auch Heinrich Mann - in Santa Monica/USA. Allerdings wurde 1961 Manns Urne nach Deutschland überführt, Nelly Krüger blieb in Kalifornien. Das gemeinsame Leben der beiden ist die ebenso anrührende wie tragische Geschichte in den katastrophalen Wirren deutscher Zeitgeschichte. Es ist die Geschichte eines Genius aus einem elitären Clan Lübecker Handelsbürger (siehe hier) und einer alkoholkranken, zeitlebens suizidgefährdeten, ehemaligen "Animierdame", die sich schließlich im Exil das Leben nahm. Heinrich Mann widmete Nelly Kröger den Roman Ein ernstes Leben.
Jürgen Kuczynski Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin Mentopia.net Kuczynski, Jürgen
Jürgen Kuczynski (17.09.1904 - 06.08.1997) war ein deutscher Historiker und Wirtschaftswissenschaftler und einer der prominentesten und produktivsten Wissenschaftler der DDR. Er studierte in Erlangen, Berlin und Heidelberg Philosophie, Statistik und Politökonomie und war ab 1926 Forschungsstudent in den USA. 1929 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte fortan in Berlin. Seit 1930 war er KPD-Mitglied. 1936 verlässt Kuczynski das nationalsozialistische Deutschland und ging nach England ins Exil. Kuczynski arbeitete 1944/45 für die US-Army im Rang eines Colonels als Statistiker. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er 1945 Präsident der Zentralverwaltung für Finanzen in der sowjetischen Besatzungszone. 1946 wurde er auf den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte an der Berliner Universität berufen und leitete bis 1956 das dortige Institut für Wirtschaftsgeschichte, dessen Begründer er zugleich war, er emeritierte 1968. 1949 bis 1958 war er Mitglied der Volkskammer und er war langjähriges Mitglied des ZK der SED. Zuletzt war er im PDS-Ältestenrat aktiv. 1983 erschienen sein viel gelesenes, für die damaligen Verhältnisse in der Zone sehr kritisches Buch "Dialog mit meinem Urenkel", das ihm sogar eine Parteistrafe einbrachte. Um so populärer waren seine öffentlichen Vorträge. So entwickelte er sich in den 80iger Jahren einen Ruf als Querdenker und "fröhlicher Marxist".
Was in der heutigen Betrachtung von Kuczynskis Wirken fast vollständig untergeht, ist sein erheblicher Einfluß auf die kommunistische Linke in Westdeutschland. Der resultierte nicht nur aus der Tatsache, daß er einer der wenigen Charismatiker der DDR-Intelligenz und sozusagen revolutionärer Uradel war, sondern aus dem Umstand, daß er ein effizienter und wortgewandter Vielschreiber war und besonders seine beiden Werke zur "Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapitalismus" und zur "Geschichte des Alltags des deutschen Volkes" erlangten recht großen Einfluß auf das Geschichtsbild der westdeutschen Kommunisten.
Neben seiner Karriere als Wissenschaftler machte Kuczynski ein zweite, nicht minder bemerkenswerte als Spion. In den frühen 30igern wurde Kuczynski von Sergej Bessonow, einem Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft, wird er für die sowjetische Spionage gewonnen. Etwas später ließ er sich im Exil - wie auch der Philosoph Herbert Marcuse - vom CIA-Vorläufer Office of Strategic Services (OSS) rekrutieren. Kuczynski gelang es, den "Atomspion" Klaus Fuchs als sowjetischen Agenten zu gewinnen und seine Schwester Ursula Ruth Kuczynski alias Ruth Werner, die ihrerseits vom legendären Richard Sorge für den Geheimdienst der Sowjet-Armee GRU anwarb. wurde Fuchs' Führungsoffizier.

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