Freitag, 23. Juni 2017
 

1945 - Erinnerungen meiner Mutter an das Kriegsende (Auszug)

Das ist die gekürzte Version eines Textes, in dem meine Mutter Renate Kupfer Erinnerungen an ihre Kindheit niederschrieb - sie war damals elf Jahre alt. Ich fand den mir bis dahin unbekannten Text im Nachlass meines Vaters und ich weiß nicht, wann und aus welchem Anlass er entstand.

So verbrachten wir also die ersten drei bis vier Monate des Jahres 1945. Dann kam der von vielen herbeigesehnte Panzeralarm, denn irgendein Ende dieser unerträglichen Situation sehnten wohl alle noch im Lande verbliebenen herbei, und das waren ältere Frauen, Kranke, Greise und wir Kinder. Dann ging alles ziemlich schnell und wir bemerkten nicht sehr viel - Geschützdonner und das dumpfe Dröhnen näher rückender Panzer erfüllte unsere Tage, die wir auch im Keller verbrachten. Man war recht isoliert und voller Angst vor dem Ungewissen. Dann kamen eines Tages, es war gegen Ende April 1945, plötzlich laut polternd amerikanische Soldaten in unser Haus und unseren Keller und suchten alkoholische Getränke. Zum ersten Mal sah ich farbige Amerikaner hautnah, wir hatten große Angst vor ihnen, sie taten uns aber nichts. Der Krieg war für uns beendet und wir gehörten zur amerikanischen Besatzungszone. Die Mulde, so schätzungsweise zwei bis drei Kilometer hinter unserer Siedlung Richtung Dessau fließend, war die Grenze zur russischen Zone. Über diese - die Muldenbrücke der Bahnlinie Halle-Berlin hatten die Deutschen noch gesprengt - kamen in halsbrecherischen Aktionen Tag und Nacht aus dem Osten flüchtende Menschen. Das waren auch Soldaten, die nach Hause wollten und die ihre Uniformen in den ersten Häusern, die sie erreichten, gegen Zivilkleidung tauschen wollten. Was aber bald unmöglich war, denn unsere Mütter wollten und konnten ja nicht die letzten Sachen unseres Vaters weggeben, aber im Gedenken an die gefallenen oder gefangenen Männer und Väter gab wohl jeder doch noch heraus, was möglich war. Schließlich hoffte doch jede Familie bald den ihren, wenn er kriegsgefangen war, nach monatelangem Nichtsmehrhören wieder bei sich zu haben. Ich lief immer wieder zu der gesprengten Muldebrücke hin, wo auf einem mächtigen Betonbrocken ein toter Soldat lag, vielleicht angeschwemmt oder beim versuchten Überqueren der Mulde verunglückt. Ich war wie besessen von dem Gedanken, es könnte mein Vater sein, er war aufgedunsen und entstellt und paßte äußerlich so gar nicht zu dem Bild, das von meinem Vater in mir war, und trotzdem ließ mich der Gedanke nicht los - es war der erste tote Mensch, den ich bis dahin gesehen hatte. Dann kam der 8. Mai, der Tag der Kapitulation, und die Veränderungen im weltpolitischen Geschehen brachten es mit sich, daß das von der Sowjetunion beanspruchte Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches weiter nach Westen verlagert wurde. Deutschland wurde in 4 Besatzungszonen aufgeteilt und wir gehörten nun zu der russischen. Vor den Russen hatten wir mächtige Angst, muß ich gestehen, die jahrelange Propaganda und die Erzählungen der Flüchtlinge, mit denen wir in Berührung kamen, taten das ihrige. Heute weiß ich, daß der ganze Krieg, das Zwingen von eigentlich arglosen Menschen, rücksichtslos anderes Leben auszulöschen, ohne überhaupt einen Gedanken an das Warum und Weswegen zu verschwenden, Menschen in solchen Situationen böse, roh und animalisch macht. Das war, wie ich auch immer wieder in der Literatur fand, in den römischen Legionen und dem viel beschriebenen 30-jährigen Krieg so und das ist in dem 1945 beendeten Krieg nicht anders gewesen und wird so bleiben, solange das Übel an sich - die verfluchten Kriege, das sich infernalische Überbieten an Produktion von Waffen und die moral- und gewissenlose Manipulation der Menschen nicht aufhört.

Wir halbwüchsigen Kinder wurden nun verstärkt in den Kampf ums Überleben der ersten schlimmen Nachkriegsjahre einbezogen. Das war in erster Linie das Auflesen aller sich bietenden Feldfrüchte. In Scharen fuhren die Mütter mit ihren Kindern auf alten, klapprigen Fahrrädern während der Erntezeit - und die zog sich lang hin - in den späten Abendstunden der Dämmerung in die Felder, um erst von August an in den abgeernteten Getreidefeldern die liegen gebliebenen Ähren und später bis in den November hinein mit eiskalten, erstarrten Fingern die kleinen Zuckerrübenabschnitte aufzulesen. Aus letzteren wurden in aufwendiger Aktion im Waschkeller Rübensaft und Rübenmus durch Zusatz von Möhren gekocht. Dank der großen Rührigkeit meiner Mutter Elsbeth Eichmann, geborene Wecke, haben wir zwar immer Hunger gehabt, aber nicht regelrecht hungern müssen. Was mich mehr noch beeindruckte und mich lange bewegt hat, waren die Bemühungen, zu Heizmaterial zu kommen, speziell in dem schlimmen Winter 1945/46 und danach auch noch. In unserer Gegend, in Mitteldeutschland, konnte man sich nicht mit Holz versorgen, da war nichts. Täglich fuhren aber auf der Bahnstrecke in Richtung Berlin, die nur durch ein schmales Feld von unserer Siedlung getrennt war, lange Güterzüge mit Kohle aus den umliegenden Tagebauen beladen vorbei und die mussten anhalten, da die notdürftig reparierte Muldebrücke nur eingleisig zu befahren war. Vor dem Signal, nicht weit von uns entfernt, hielten die Züge und das war das Zeichen für uns Kinder, die im Hausflur bereit liegende Säcke zu greifen und in Windeseile quer über das Feld zu rennen, im Rennen schon mit den Augen und mit dem Hirn erfassend, welche Wagen nicht zu hoch und für uns Kinder zu erklimmen waren. Dort spielte sich oft ein brutaler Kampf um den kleinen Tritt der Wagons ab, um sich brutal gegen andere, vielleicht kleinere oder schwächere, auf dem knappen Tritt zu behaupten und dann auf den Güterwagen zu klettern, um in Windeseile so viele Kohlen wie nur möglich auf den Bahndamm zu werfen, immer den eigenen Haufen im Auge behaltend. Die inzwischen nachkommende Mutter las schnell alles in den Sack, danach kam noch die Nachlese der Alten und Kranken, die nicht auf den Wagen klettern konnten oder heruntergestoßen wurden, und sich mit den liegen gebliebenen kleinen Stücken begnügen mußten. Es war schlimm und gefährlich, was wir da zu tun gezwungen waren. Meine Mutter, insbesondere später auch, als er wieder zuhause war, mein Vater litten darunter, uns zu solchen Handlungen zu bewegen. Einmal schaffte es mein kleiner Bruder, er war gerade sieben Jahre alt, nicht mehr, rechtzeitig vom Wagon zu klettern, als das Signal umschaltete und der Zug losfuhr. Für diesen Fall hatte uns unsere Mutter eingetrichtert, auf keinen Fall vom rollenden Zug zu spingen, sondern bis zum nächsten Signalhalt mitzufahren, dann herunter zu klettern und am Bahndammrand zu warten, bis wir abgeholt würden. So lief meine Mutter fast fünfzehn Kilometer die Bahngleise entlang, bis sie meinen Bruder hinter Burgkemnitz am Bahndamm hockend fand. Natürlich mussten sie die Strecke auch wieder zurücklaufen, es war spät in der Nacht, als beide zuhause ankamen. Aber wir empfanden das gar nicht so schlimm, es war mehr eine Art Sport und den abschätzenden Blick, ob erklimmbar oder nicht, wenn ein Güterwagen kommt, habe ich lange behalten, das heißt, eigentlich ertappe ich mich heute noch manchmal dabei.



Meine knappe vier Jahre alte Mutter mit ihrem Vater am 06.08.1937 in Drewitz, der Stammsitz der Familie meiner Großmutter


Meine Mutter im November 1941 mit ihrer Schulklasse in Bitterfeld


Konfirmation meiner Mutter im Mai 1949 mit ihren Eltern und ihrem Bruder


Mein Großvater Fritz Eichmann 1942 kurz nach der Einberufung zum Kriegsdienst und wenige Tage vor dem Abmarsch an die Ostfront.

Auch von Staatsseite wurde diese Art der Versorgung mehr geduldet als bekämpft. Jeder Zug wurde zwar von der Bahnpolizei begleitet, die taten aber wenig, waren sie vorn am Zug, dann klauten wir hinten und umgekehrt. Die Not der Menschen führte natürlich auch zu direkt kriminellen Handlungen, aber solche Dinge kamen für meine Eltern, die sehr stark den Ehr- und Ordnungsbegriffen des Preußischen Staates und des Kaiserreiches verhaftet waren, nicht in Frage. Im Gegenteil, ich habe oft beobachtet, daß meine Mutter bei der Feldlese oder der Kohlebeschaffung Alten, Schwachen oder Weggestoßenen Kartoffeln, Rüben und Kohlestücke aus unserer Beute zusteckte. Ich verstand das damals als Kind nicht und habe erst später begriffen, warum sie das tat. [...]

Nun [...] war für viele klar, daß ein neues und besseres System aufgebaut werden mußte. Für uns in der Sowjetzone sollte das ein sozialistisches sein. Dazu gehörte, daß mein Vater nicht mehr als Oberinspektor im Verwaltungsdienst des Ordnungsamtes tätig sein konnte. Die sichere Position als Beamter auf Lebenszeit nach schrecklichen Jahren der Arbeitslosigkeit war vorbei! Doch zuerst mußte er ja mal wieder von irgendwo her aus der Gefangenschaft wiederkommen, denn an die noch schlimmere Möglichkeit, daß er nie wieder käme, wollten wir nicht denken. Hatten wir ihn auch als gestrengen Vater in Erinnerung, so gab es viele gute Dinge an und Erlebnisse mit ihm, an die wir gerne dachten. Als Vorbote von ihm kam erstmal ein schrecklich dünner, junger Man, der brachte Nachricht und Grüße aus einem Gefangenenlager in Rumänien. Auf meiner Mutter besorgte Frage, ob es denn tatsächlich der bewußte Fritz Eichmann sei, erwähnte der junge Mann, daß der Fritz aus einem alten, gefundenen Lehrbuch Spanisch lerne. Ja, da war es klar, das war typisch für unseren Vater! Und eines Tages stand er dann alt, verlaust und zerlumpt mit großen Hungerödemen an den Beinen in der Türe. Ja, er kam uns alt vor, obwohl er eigentlich sportlich war und wirkte - am 6. August 1898 geboren, war er für mich ja auch relativ alt. Mutter führte ihn regelrecht in die Waschküche, verbrannte das verlauste Zeug und wusch ihn, dank ihrer fürsorglichen Wirtschaftsführung päppelte sie ihn bald auf und die Ödeme verschwanden auch bald bei regelmäßiger Nahrungszufuhr. Große Sorge bereitete nun das Finden einer Arbeit. Geeignet war eigentlich nur Büroarbeit in irgendeiner Form, aber diese Stellen waren mit Leuten besetzt oder für Leute vorgesehen, die glaubhaft machen konnten, in der vergangenen Epoche keine Nazis gewesen zu sein. Nicht weniger wichtig war das Einstufen in die, der Schwere der Arbeit entsprechenden, Lebensmittelkartenkategorie. Bitterfeld ist ja ein Industriegebiet und so erfuhr er, daß in dem ehemaligen IG-Farben-Betrieb, jetzt Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld (EKB), Elektroschweißer gesucht bzw. in Kurzlehrgängen ausgebildet wurden. Ich finde es heute, wo ich im gleichen Alter bin, erstaunlich, wie mein figürlich sehr zierlicher und vom Alter her - er war ja über 50 Jahre alt – gewiß nicht mehr jugendlicher Vater sich entschloß, die letzte Phase seines Arbeitslebens mit solch grundlegender Änderung zu beginnen - zumal er sich eigentlich nur mit Verwaltungsakten und in der Freizeit mit Büchern und mit Hingabe seinen vielfältigen Beobachtungen in Natur und Pflanzenwelt beschäftigt hatte. Ein wesentlicher Gesichtspunkt war wohl der Erhalt der höchsten Lebensmittelkartenstufe für diese körperlich schwere Arbeit, um uns Kindern mehr zukommen lassen zu können. Ich erinnere mich, wie er dann mit zwei, auf der Ofenplatte gerösteten, Brotscheiben und zwei Löffeln Zucker in einer leeren, kleinen Backpulvertüte - aber immer mit irgend einem naturwissenschaftlichen Buch in der abgeschabten Aktentasche - mit seinem Fahrrad losfuhr. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß er, der sehr streng und oft unerbittlich beim Durchsetzen von ihm gegebener Aufgaben war, über diese einschneidende Änderung in seinem Leben verbittert gewesen wäre oder auch nur gemurrt hätte. Die Disziplin und Härte, die er verlangte, brachte er stets selbst auf. Ich denke aber auch, daß er froh war, das Inferno des Krieges überlebt zu haben und - ohne viele Worte zu machen - wußte und verstand, dass er dem System des Hitler, das soviel Leid und Tod über ganz Europa gebracht hatte, nicht nur auf den Leim gegangen ist, sondern -wengleich er sich dem Mittun an der letzten Konsequenz verweigert hatte - ihm lange Zeit gedient und es mitgetragen hatte. [1]

[...] Die Jahre 1945 bis 1949 waren die meines körperlichen Erwachsenwerdens und des Herausschlüpfens aus der durch das Elternhaus vorgegebenen Norm des Denkens und Handelns. Da ging es mir nicht anders als den heute Heranwachsenden - alles was zu Hause für richtig und erstrebenswert gehalten wurde, war kritikwürdig und wurde abgelehnt. Nur äußerte sich diese Ablehnung mehr passiv, bzw. man hob sich seine Ansichten und deren Umsetzen für später auf, weil die Strenge meines Vaters einfach nichts anderes zuließ. Die Atmosphäre an der von mir besuchten Mädchenoberschule war eigenartig. In meiner Klasse lernten außer einigen Flüchtlingskindern, die ohnehin wenig Beachtung fanden, hauptsächlich die Mädchen, die auch vor 1945 die Schulbänke in der „Mädchenoberschule Adolf Hitler“ bevölkert hatten. Es waren die Töchter von Geschäftsleuten und den höheren Beamten der Stadt und Umgebung. Irgendwie hatten die meisten es besser geschafft als mein Vater, in dem neuen Staat Fuß zu fassen. Und da die Kinder gnadenlos zueinander sein können, ließen einige mich recht heftig fühlen, wie tief wir gesunken waren: Vater, der gefürchtete Chef des Ordnungsamtes, war ein Fabrikarbeiter geworden! [...] Ein Anreiz sich auf den Weg zur Schule zu machen, war die Ausgabe von einem großen Brötchen (es wird wohl 2 Normalbrötchen entsprochen haben) an jeden Schüler jeden Tag, darauf warteten wir mit knurrendem Magen. Da aber die Beschaffung des Mehles manchmal stockte, geschah es immer wieder, dass es erst mehrere Tage nichts gab, dafür dann aber eine lange Stange Brötchen ein paar Tage später. So sah man Minuten später in den Klassen Mädchen, die lange Bötchenstangen blitzschnell hinunter würgten. Allerdings bekamen in der Klasse beliebt Lehrer zu ihren Geburtstagen, die wir ausgekundschaftet hatten, die für den Tag ausgegebenen Brötchen geschenkt und wir waren auf uns selbst richtig stolz ob dieses Opfers. Heute frage ich mich, was der Mann oder die Frau wohl mit den 30 Brötchen an ihren Ehrentagen angefangen haben. Heute wird das niemand mehr verstehen, da Brot oder gar weggeworfenes Brot niemanden mehr aufregt, mich erinnert jedes im Rinnstein liegende Stück Brot an diese heute unglaubliche Zeit.


Anmerkung [1] Mein Großvater war in hoher Position im Ordnungsamt des Landkreises Bitterfeld tätig. Ich habe meinen Großvater dazu befragt, als ich in Leipzig arbeitete und deshalb einige Monate bei meinen Großeltern im Haus wohnte. Er wollte erst nicht darüber sprechen, doch später erzählte er, dass er die Situation nach dem Krieg, seine "Degradierung" zum Arbeiter, als eine Art Sühne dafür ansah, dass er zu lange das System des Nationalsozialismus mitgetragen hatte, und zwar aus Überzeugung. Er sah das als Buße dafür, dass er sich erst entschloss, sich dem System zu verweigern, als es zu spät war und seine offene Verweigerung nur noch bewirken konnte, dass er eben am weiteren Verlauf nicht mehr unmittelbar beteiligt war, was - konsequent zu Ende gedacht - auch nur Egoismus war. Dasselbe Motiv gilt für den Verbleib in der Sowjetzone, er hätte sich bequem rechtzeitig in die Westzonen absetzen können und hätte dort vermutlich eine zweite Karriere in der Verwaltung gemacht. Die Verweigerung bestand darin, dass er seinen Dienst auf einer Sitzung in Anwesenheit des Gauleiters mit den Worten "DAS wird uns Gott nicht verzeihen!" quittierte. Während dieser Sitzung des NSDAP-Parteigaus Halle-Merseburg, zu dem der Landkreis Bitterfeld gehörte, zur Umsetzung der Beschlüsse der Wannseekonferenz (20.01.1942) wurde ihm seinen Worten zufolge schlagartig klar, dass die Realisierung der Beschlüsse auf Massenmord hinauslief. Er erhob sich mitten in der Sitzung, legte Dienstausweis und -waffe auf den Tisch und verließ mit obigen Worten den Saal. Zwei oder drei Tage später wurde er von Feldgendarmen zum Einsatz an der Ostfront abgeholt. Auf dem vierten Foto ist er kurz vor dem Abmarsch zu sehen und die Schulterklappe lässt erkennen, dass mein Großvater in die 2. Panzerjägerkompanie der Panzerjäger-Abteilung 14 einberufen wurde, die in Halle/Saale am Standort der 14. Infanterie-Division stationierte war. Das Foto ist eigentlich eine Postkarte, die lt. Aufdruck im "Atelier für moderne Fotografie Waldemar Schilling" in der Großen Ulrichstraße 62 in Halle a.d.S. aufgenommen wurde. Es war damals üblich, dass die einberufenen Rekruten wenige Tage vor dem Fronteinsatz eine solche Karte aufnehmen ließen und an als - oft letzten - Gruß an ihre Lieben schickten, die meines Vaters habe ich auch. In Anbetracht der Tatsache, dass mein Großvater damals bereits 44 Jahre alt war und die neun Jahre davor seit 1933 am Schreibtisch verbracht hatte, davor war er ca. fünf Jahre ohne Erwerbstätigkeit, und angesichts der Tatsache, dass die Panzerjäger ein echtes Höllenkommando waren, blickt er recht gelassen in die Kamera. Mehr noch - ich glaube, den spöttischen Blick und das leicht höhnische Lächeln zu erkennen, mit dem er seine Zeitgenossen bis zur Weißglut reizen konnte, weil es immer auch ein "Rutscht mir doch den Buckel herunter, ihr Idioten!" implizierte.