Sonntag, 19. Februar 2017
 

Fok da World - Die Antwoord in der Berliner Columbiahalle

Es ist immer wieder so eine Sache, wenn ich eine neue Band entdecke und einer gewissen Euphorie anheim falle, denn die Stunde der Wahrheit schlägt mit den ersten Akkorden im Konzert. Die Antwoord, bestehend aus ¥o-Landi Vi$$er, bürgerlich Anri du Toit, Watkin Tudor Jones aka Ninja und DJ Hi-Tek, für den laut Wikipedia zwei reale Personen in Frage kommen, ist so eine Band, die mich schon beim ersten Hören faszinierte und sofort in ihren Bann zog.

Um es kurz zu machen - meine Bedenken waren in jeder Hinsicht unbegründet. Die Antwoord liefert eine exzellente Live-Performance ab, die ausverkaufte Halle tobte vor Begeisterung und der Tanz zu DJ Hi-Teks Beats versetzte den Hallenboden in so starke Schwingungen, wie ich sie in der Halle, in der ich schon etliche Konzerte sah, noch nie erlebte - es gab kurze Momente der Befürchtung, die Galerie, auf der ich einen guten Platz fand, könnte sich samt der Zuhörer eine Etage tiefer bewegen. Die Zef-Rapper rockten den Laden ordentlich, die Bässe waren so fett, wie sie sein mussten, um sie physisch im Bauch zu spüren, die Texte waren dennoch gut verständlich und die Show war nicht nur, wie die Bilder zeigen, geradezu expressionistisch bunt, sondern professionell choreographiert.

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Meine zweite Befürchtung hinsichtlich der Altersstruktur des Publikums erwies sich ebenfalls als obsolet, das Durchschnittsalter mag irgendwo zwischen 27 und 30 Jahren gelegen haben. Vermutlich ist die Mischung aus satirischen, mitunter bitterbösen Texten und durchgedrehter Performance einfach zu abgefahren für die Kurdo-Bushido-Haftbefehl-EkoFresh-Hörer, die als performante Höhepunkte allenfalls das Vorzeigen zu dicker Goldkettchen und Skrota gewohnt sind. Natürlich gibt es auch bei Die Antwoord jede Menge sexuelle Bezüge, allerdings spiegeln die keine infantilen Omnipotenzfantasien wider, sondern satirisch überhöht das Verdrängte, Randständige, vermeintlich Schmutzige, was das Feuilleton hin und wieder White Trash assoziieren lässt. Erschwert wird den Kids die Identifikation sicherlich durch die Texte, die Afrikaans, Xhosa und Englisch mischen und, sofern man an der Aussage derselben interessiert ist, ein Mindestmaß an Beschäftigung erfordern. [2]
Fazit: Das Konzert am 23.01.2015 war ein großartiges Erlebnis und lässt hoffen, dass Die Antwoord den eingeschlagenen Weg weitergeht, ohne im Pop-Business zu verkommen.

Der Text erschien zuerst in der AHA 1/2015.