Freitag, 28. Juli 2017
 

Das ist ein Wutposting.

Ich kann das dämliche Geschwätz a la "Der Trump macht voll die Klimakatastrophe!" nicht mehr hören resp. lesen. Anlass der wohlfeilen Aufregung ist eine Meldung, die von den meisten der deutschen Agenturen und Medien so überschrieben wurde: "Trump kündigt Pariser Klimavertrag", so zum Beispiel von Tagesschau, Bild, Focus, Spiegel, Reuters, Tagesspiegel und anderen.

Das ist natürlich völliger Blödsinn, zumindest für jeden, der weiter als von Zwölf bis Mittag denken kann. Erstens ist das kein Vertrag, denn ein solcher beinhaltet per se Klauseln für den Nichteinhaltungs- bzw. Zuwiderhandlungsfall. Aus diesem Grund heißt das Konstrukt offiziell Accord de Paris oder Paris Agreement (Übereinkommen von Paris), weil es im Grunde nichts anderes als eine Absichtserkärung ist, Willenserklärung wäre schon zu hoch gegriffen.

Zweitens hat der Trump nichts gekündigt, weil es nichts zu kündigen gab, deshalb sprach er im Rosengarten des Weißen Hauses auch von "zurückziehen" (withdraw). Die USA waren dem Übereinkommen von Paris nie beigetreten, denn der Beitritt hätte eine Ratifizierung desselben erfordert. Die USA haben das Agreement im Gegensatz zu anderen Staaten aber nicht ratifiziert, denn dazu wäre ein Kongressbeschluss notwendig. Obama hatte jedoch nur versucht, sich mit einer executive order durchzusetzen. Oder anders - er hat den Beitritt der USA zum Agreement par ordre du mufti verfügt und es unterlassen, den Ratifizierungsprozess fortzusetzen, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Obama-Yahoos werden meinen, der hätte ein Zeichen setzen wollen blablabla - ich vermute, er hat einmal mehr nur Politik für sein Image in den Geschichtsbüchern gemacht, um dort künftig nicht nur als Herr der Dronen gewürdigt zu werden. Eugene Kontorovich, Professor für Verfassungs- und Internationales Recht an der Northwestern University und Autor für die Washington Post und die Jerusalem Post, formuliert das folgendermaßen:
"Indeed, the real U.S. exceptionalism would be not in Trump’s action, but in Obama’s – in not seeking ratification. Countries seem invariably to have accepted the agreement as a treaty that requires going through their internal treaty-ratification processes, typically submission to the legislature. Countries from the United Kingdom to China to Jamaica have ratified it through their legislatures."
https://www.washingtonpost.com/news/...it-never-actually-joined/
https://www.facebook.com/EugeneKontorovich/

War Trumps Ankündigung clever? Sicher nicht nach den Maßstäben, an denen staatsmännische Cleverness landläufig gemessen wird. Er hätte das Papier dort verrotten lassen können, wo Obama es zuletzt ablegte - in irgendeiner Schublade. Er hätte den von Obama ignorierten, legislativen Prozess fortsetzen und das Papier dem Kongress zur Abstimmung vorlegen können, wo es mit hoher Wahrscheinlichkeit durchgefallen wäre. Das wäre clever gewesen.

Wenn man sich drittens die Sozialnetzprofile der empört tremolierenden Klimaretter anschaut, wird auf den ersten Blick die ganze Infantilität dieser Geisteshaltung deutlich. (Das gilt nicht für alle, aber für mindestens 80 Prozent.) Ein Urlaub hier, der nächste Urlaub da - zwei im Jahr sollten es schon sein -, ein Auto und noch ein zweites für die Partnerin resp. den Partner und konsumieren, als gäbe es kein Morgen. Wie kleine Kinder wollen sie alles, und das sofort - an jedem Tag des Jahres Bananen und Erdbeeren fressen, Wein aus Portugal und Bier aus Irland, mindestens aber aus Bayern saufen, sich Pasta aus Italien, Wurst aus Spanien und französischen Käse in den Hals stopfen, und das natürlich so billig wie möglich. Jeden Elektroscheiß aus Fernost, Klamotten aus Indien, Pakistan und Südafrika und Tineff und Tand aus der ganzen Welt für ihre ebenso überdimensionierten wie überheizten Wohnungen, natürlich auch das zum denkbar niedrigsten Preis. Das quasi Menschenrecht auf Autofahren und Flugzeugfliegen ist selbstverständlich nicht diskutabel. Dies alles subito und dazu die sofortige Rettung des Weltklimas, das natürlich alle anderen, nur nicht sie versaut haben. Aber das Elektroauto, das wird es richten! Wird es nicht, Vince Ebert hat es vorgerechnet:
"Würden wir nun alle 60 Millionen Verbrennungsmotoren in Deutschland durch Batterien ersetzen und annehmen, dass jeder Fahrzeugbesitzer sein Auto nur alle zwei Tage für jeweils eine halbe Stunde auflädt; und nehmen wir weiterhin an, die Aufladevorgänge könnten durch ein smartes System gleichmäßig über die gesamten zwei Tage verteilt werden, so bräuchten wir sogar knapp 140 neue Kraftwerke oder 220.000 Windräder oder eine Fotovoltaikanlage von der Größe des Saarlands, um den zusätzlichen Strombedarf zu decken."
http://www.spektrum.de/kolumne/.../1441400

Viertens: Ihr wollt das Klima retten? Dann fangt doch einfach damit an, ihr Spinner! Kauft regionale Produkte, unterbrecht das Daddeln, die elektronische Visualisierung eurer Mahlzeiten und das Ventilieren eurer Befindlichkeiten im Netz für eine Stunde und sucht stattdessen nach alternativen Produkten, damit ihr die Erzeugnisse von Nestlé und Bayer im Regal stehen lassen könnt. Verzichtet auf Plastiktragetaschen und Papiertüten, letztere verotten zwar schneller, sind in der Herstellung aber genauso umweltschädlich wie Plastiktüten, ich habe immer Tragetaschen aus Stoff im Rucksack. Reduziert euren Strom- und Wärmeverbrauch, das geht auch sofort. Ich habe meinen Stromverbrauch in den zwölf Jahren seit dem Einzug in meine Wohnung um mehr als ein Drittel reduziert und bekomme seit der ersten Betriebskostenabrechnung in dieser Wohnung je nach Stand des Ölpreises ein Drittel bis ein Viertel der Heizkostenvorauszahlung zurück. Optimiert eure Haushaltsführung. Es muss nicht alles zweimal wöchentlich mit 60 oder 90 °C gewaschen werden, Weichspüler ist nichts als nutzloser Chemiedreck, den ihr in die Umwelt kippt, dasselbe gilt für die Dinger, die ihr euch in die Toilette hängt. Verzichtet auf Fernreisen und verbringt euren Urlaub regional, Individualverkehr ist, sofern er nicht mit dem Fahrrad stattfindet, zumindest in den Städten überflüssig. Das alles kann man sofort tun, wenn man denn will. Dazu braucht es weder den Trump noch die zur Kanzlerin mutierte FDJ-Sekretärin.

Schließlich und last but not least fünftens: Das Accord de Paris ist ein ziemlich nutzloses Papier, so viel ist jetzt schon klar. Eben weil es keinerlei Konsequenzen für den Nichteinhaltungs- bzw. Zuwiderhandlungsfall vorsieht, ist es allenfalls ein globales Sozialrauschen. Statt sich über Trump zu empören, solltet ihr mal vor die eigene Haustür schauen. Deutschland wird seine Klimaziele nicht halten können, und zwar hauptsächlich deshalb, weil ihr selbstgerechten Pharisäer nicht darauf verzichten könnten, in diesen Dreckskisten durch die Landschaft zu gurken.
http://www.spiegel.de/politik/...kolumne-a-1150706.html
Harald Klimenta bringt es so auf den Punkt:
"So lange Konsum der Dreh- und Angelpunkt ist, wird auch gegen den Klimawandel nichts helfen."
https://www.heise.de/tp/features/Es-lebe-die-Scheinheiligkeit-3733658.html