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Randnotizen zum Verhältnis der Scientology Kirche zum Okkultismus
Randnotizen zum Verhältnis der Scientology Kirche zum Okkultismus
"Darumb du gwis des teuffels pist"
Randnotizen zum Verhältnis der Scientology Kirche zum Okkultismus
Es ist nach meiner Sicht der Dinge ein arg prekärer Punkt, gleichwohl die Scientology Kirche damit kein Problem zu haben scheint: Die Entäußerungen der Scientology Kirche in den der TMO-Redaktion zugesandten Darstellungen zum Okkultismus im allgemeinen und zum O.T.O. im besonderen entsprechen inhaltlich und in der Art ihrer Formulierung exakt und zu 100% denen der bestallten und selbsternannten Weltanschauungsbeauftragten, was sich bis dato meinen Recherchen im Internet zufolge und nach meiner bisherigen Erfahrung mit der Scientology Kirche auch nicht geändert hat. Es stehen exakt dieselben Aversionen und Ressentiments aus dem 1600 Jahre alten Repressionsfundus der Amtskirchen zur Denunzierung, Stigmatisierung und sozialen Isolierung andersglaubender Menschen dahinter.
Folgerichtig fiel mir in jedem Gespräch, das ich mit Scientologen führte – mit Herrn A., den Herr Busch der TMO-Redaktion als Berliner Kontakt vermittelte, mit verschiedenen Scientologen anläßlich verschiedener Besuche am Stand der Kirche auf dem Berliner Alexanderplatz, schließlich mit Frau Weber in der Berliner Dependance der Scientology Kirche - die spontan aversive Reaktion schon bei bloßer Nennung des Begriffs "Okkultismus" auf, wobei sich bei näherer Nachfrage in ebenfalls jedem Gespräch schnell herausstellte, daß die solcherart aversiv reagierenden Gesprächspartner von der Scientology Kirche nicht den Hauch einer Ahnung davon hatten, was Okkultismus eigentlich ist, ihr Wissen beschränkte sich auf die Wiedergabe der üblichen Haßklischees, die allesamt aus dem weltanschauungsbeauftragten Fundus auswendig gelernt sein könnten und es vermutlich auch sind.
Andererseits entsprechen die Entäußerungen zum Okkultismus im allgemeinen und zum O.T.O. im besonderen inhaltlich und in der Art ihrer Formulierung exakt und zu 100% denen der bestallten und selbsternannten Weltanschauungsbeauftragten, es stehen genau dieselben Aversionen und Ressentiments dahinter. Daß die Intention der Scientology Kirche eine andere ist, bleibt für das Ergebnis irrelevant, denn das ist in jedem Fall die Generierung von Vorurteilen und Intoleranz gegenüber einer andersglaubenden Minderheit in den Köpfen der Menschen - in dem ein Fall in denen der breiten Masse der Medienkonsumenten, im anderen in denen der Kirchenmitglieder.
Es sollte darüberhinaus absolut klar sein: Wer sich - gewollt oder nicht - der "Argumente" der bestallten und selbsternannten Weltanschauungsbeauftragten, der sogenannten Kritiker gegen andere Gruppen bedient, macht sich per se und in toto zum Knecht der Überzeugungs- und Glaubensschnüffler aus Profession oder Obsession. Wenn ich so an Scientology heranginge, wie es die Scientology Kirche bzw. ihre Vertreter in Sachen O.T.O. und Okkultismus tun, müßte ich unhinterfragt jeden - mit Verlaub - Scheißdreck in Sachen Sea Org und RPF, Mind Control und Ausbeutung, Totalitarismus und Weltherrschaft glauben, den all die bis zum Überdruß bekannten Kritiker jemals in die Welt gesetzt haben. Das tue ich aber nicht und tat es nie, was zu guten Teilen damit zu tun hat, daß ich nie amtskirchlicher Indoktrination ausgesetzt war, wofür ich meinen Eltern ewig dankbar sein werde, und ich erwarte, daß andere das im Gegenzug auch nicht mit mir und meiner Sicht der Dinge tun - ganz nach den Regeln 19 und 20 aus "The Way to Happiness". Natürlich schließt Respekt – wie Frau Weber richtig feststellt - nicht per se Zuspruch ein, denn das wäre dann ja Akzeptanz und die erwarte ich nicht. Aber ich erwarte Respekt auf der Grundlage der Tatsache, daß jede Frau und jeder Mann das unhintergehbare Recht haben zu glauben, wonach ihnen der Kopf oder auch der Bauch steht, solange geltendes Recht geachtet wird und Dritte nicht geschädigt oder genötigt werden.
Freilich wurde "The Way to Happiness" erst sehr viel später als 1946 und 1969 verfaßt, aber immerhin doch so zeitig, daß das Buch und dessen Regeln heute im Jahre 2008 für die Betrachtung aus dem Hier und Jetzt relevant sind. In diesem Kontext ist es ausgesprochen kontraproduktiv, Hubbards tatsächliche, angenommene oder einfach nur behauptete Sicht von 1946 und das Statement der Scientology Kirche von 1969 so zu behandeln, als wären das ewige Wahrheiten und das dann mit Behauptungen aus dem weltanschauungsbeauftragten Repressalienfundus zu argumentieren.
Um meine diesbezügliche Sicht explizit und deutlich zu formulieren: Entweder es wurden strafrechtlich relevante Handlungen seitens der dazu bestimmten Organe, also der Justiz, geahndet oder eben nicht, wie in Parsons Fall. Alles andere ist reine Unterstellung, mithin eine Lüge, und definitiv nichts anderes. Das wird auch dadurch relativiert, daß man 62 Jahre nach den Ereignissen mit dem Wörtchen "scheinen" argumentiert. Das sollten eigentlich gerade auch Scientologen aus eigener Erfahrung sehr gut wissen. Ich würde niemals eine Wendung selbst formulieren oder zitierenderweise und unkommentiert als Faktum wiedergeben, die da lauten könnte: "In den RPFs herrschen 'barbarische und bestialische' Zustände. Was unter RPF genau zu verstehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis." Was sich meiner Kenntnis entzieht, bewerte ich grundsätzlich nicht und wenn ich Mutmaßungen anstelle, weise ich diese explizit als Vermutung, mithin Spekulation, aus. Punkt.
Wieder einmal ist mein Abschiedsgruß dem Thema mehr als nur angemessen:
Sapere aude!
Neidthard Kupfer © März 2008

