Sekten, Szene & Pfaffen
Das Peter-Robert-König-Phänomen
Teil 8: Homunculis Kronzeuge
Teil 8: Homunculis Kronzeuge

Peter-Robert Königs jüngstes Buch "In Nomine Demiurgi Homunculi" ist um eine Korrespondenz mit Johannes Maikowski herum aufgebaut, der in diesem Rahmen gewissermaßen als Königs Kronzeuge fungiert. Die Legitimation für diesen Auftritt leitet König offensichtlich aus Herrn Maikowskis Zeitzeugenschaft und der, von Herrn Maikowski permanent und ziemlich vehement vorgetragenen, Behauptung ab, er sei der letzte und einzig legitime Großmeister der Fraternitas Saturni in Nachfolge von Eugen Grosche. Beides - sowohl Herrn Maikowskis Kompetenz als Zeitzeuge als auch seine behauptete Legitimation als Großmeister der Fraternitas Saturni - ist freilich höchst fragwürdig.
An dieser Stelle möchte ich zunächst zwei mögliche Einwände vorwegnehmen und einige Sachverhalte klarstellen, womit ich natürlich nur - wie in diesem gesamten, Ihnen hier vorliegenden Text - meine ganz persönliche und damit durchaus subjektive Wahrnehmung und die daraus resultierende Sicht der Dinge darstelle. Ich kann mir das leisten, schließlich bin ich weder Ethnologe und/oder Psychologe. Ich bin nur ein einfacher Gießereiarbeiter. :-) Es geht mir nicht darum, die Lebensgeschichte eines alten Herrn zu zerlegen oder ihn als was auch immer vorzuführen. Mein Anliegen ist vielmehr, Herrn Maikowskis Rolle als quasi Kronzeuge des Peter-Robert König für den "Homunculi" zu hinterfragen und zu zeigen, wie problematisch Königs Darstellung in Berufung auf Herrn Maikowskis Zeugenschaft tatsächlich ist - insbesondere dann, wenn man Königs Anspruch auf Wissenschaftlichkeit in Rechnung stellt.
Der eine Einwand kann dahingehend lauten, daß der Herr Maikowski ein alter Herr sei, den man doch bitteschön nicht mit penetranten Fragen belästigen, sondern ihm besser seine Ruhe gönnen solle. Der andere, alternativ angeführte Einwand zielt darauf ab, dass man bei einem Herrn in diesem hohen Alter zumindest eine gewisse, wenn nicht gar komplette Senilität unterstellen müsse - dieser Einwand wurde und wird oft - so oder ähnlich - formuliert vorgetragen, insbesondere dann, wenn es um den Anspruch des Herrn Maikowski auf den Großmeistertitel der Fraternitas Saturni geht. Ich halte beide Einwände für unberechtigt bzw. falsch. Einerseits implizieren sie eine Entbindung des Herrn Maikowski von seiner Verantwortung für sein früheres und heutiges Tun. Tatsache ist jedoch, dass auch hohes Alter nicht von der Verantwortung für das Handeln befreit, sofern nicht von einer Demenz auszugehen ist. Doch davon kann nicht die Rede sein, Herr Maikowski hat zwar ein wirklich gesegnetes Alter erreichen dürfen, aber er ist nach allem, was ich von ihm weiß und gelesen habe, geistig bei bester Gesundheit und er ist wirklich alles andere als senil. Er mag die altersbedingt normalen Erinnerungslücken haben - andere haben die schon mit 60 Jahren - und er kann, wie er selbst schrieb, nicht mehr so gut lesen. Aber er ist geistig durchaus rege und, um es salopp zu formulieren, regelrecht pfiffig. Mal ehrlich, werte Leser, wieviele Menschen in diesem Alter kennen Sie, die mit zwei Computern soweit zurechtkommen und mit einer derartigen Konzentration eine so intensive und voluminöse Korrespondenz führen, wie der Herr Maikowski das über Wochen hinweg mit Peter-Robert König tat?
Andererseits ist zu beobachten, dass beide Einwände stets dann angeführt werden, wenn eine Auseinandersetzung mit Herrn Maikowskis Rolle ein Hinterfragen der eigenen Position und der eigenen Arbeit in der Loge nach sich zöge. Anders formuliert - beide Einwände dienen oftmals nicht dem behaupteten Schutz des Herrn Maikowski vor investigativen Nachstellungen, sondern dem eigenen Schutz vor einer Auseinandersetzung mit der Problematik, die am Beispiel der Vita des Herrn Maikowski deutlich wird.
Doch nun zur Sache - es ist schwer auszumachen, wer Johannes Maikowski eigentlich ist und welche Rolle er in der Szene der Saturnlogen tatsächlich spielte. Das geht mit seiner Vita los, die er bereitwillig und in epischer Breite jedem erzählt, der danach fragt oder auch nicht. Das zeugt zwar von Herrn Maikowskis offenherziger Wesensart, die ihm zueigen ist, das Problem daran ist, dass er jedesmal eine andere Version parat hat und das einige seiner Erzählungen so abstrus, so absurd und oft auch beides sind, dass sie als Zeitzeugnisse völlig unbrauchbar sind. Als die AHA-Redaktion mit Herrn Maikowski korrespondierte, hatte erst der Chefredakteur eine Version, als ich mich später an dem Gespräch beteiligte, bekam ich eine zweite und in Königs "Homunculi" ist wieder eine andere Version zu lesen. Alle drei Varianten sind - teilweise nicht nur in Details - unterschiedlich. Es gibt einige feste Eckpfeiler, wie zum Beispiel seine Zeit in der Fremdenlegion, seine beiden Ehen, der Eintritt in die Fraternitas Saturni und die Begegnung mit Eugen Grosche. Diese sind relativ konstant. Doch innerhalb des Rahmens, der quasi von den Eckpfeilern gespannt wird, variieren seine Angaben ständig - sei es die Anzahl seiner in der Sowjetzone absolvierten Studien und Staatsexamen, seien es die Angaben zum Gefängnisaufenthalt in Rummelsburg oder seien es die Angaben zu seiner Familie. Völlig abstrus wird es, wenn es um seinen Anspruch auf den Titel des Großmeisters der FS geht. Peter-Robert König gibt Herrn Maikowskis Erzählungen teilweise über mehrere Seiten im Block wieder, wobei er offensichtlich insbesondere in Herrn Maikowskis Lebensgeschichte die besonders abstrusen Teile weglässt. Andere Dinge, die König trotz ihre offenkundigen Unstimmigkeiten wiedergibt, hätte König leicht überprüfen können. Da wäre zum Beispiel die Behauptung, Herrn Maikowskis Vater Alfons habe das Ministerium der Wissenschaft in der DDR geleitet ("Homunculi" Seite 18). Das hat er natürlich nicht, Alfons Maikowski war von Oktober 1948 bis 1953 Justitiar und Verwaltungsdirektor an der Ostberliner "Deutschen Akademie der Wissenschaften" (DAW), also an der Einrichtung, an der später auch Frau Merkel tätig war. [37] Im Januar 1954 erhielt er eine Zulassung als Rechtsanwalt in Westberlin. [38] Offensichtlich hat Alfons Maikowski die DDR nach den Ereignissen des 17. Juni 1953 verlassen.
Außerordentlich widersprüchlich ist auch die Geschichte seiner Familie im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Je nach Darstellung waren Herrn Maikowskis Vater Alfons, sein Onkel Adalbert, der ihn später an die Stasi verraten haben soll, und ein Bruder, der angeblich auch Adalbert hieß und hingerichtet worden sein soll, daran beteiligt. Es ist schwer vorstellbar, dass Vater Alfons, wie Maikowski im "Homunculi" auf Seite 18 berichtet, in Berlin "hunderte Juden auf dem Dachboden verborgen hat, um sie bei Gelegenheit nach Holland oder sonst wohin zu bringen" und dass zugleich ausgerechnet dieses Engagement nirgendwo dokumentiert ist. Um die Dimension zu verdeutlichen - auf der Website von Yad Vashem ist folgendes zu lesen: "Researchers estimate that 5000-7000 Jews went underground in Berlin. They are the so-called U-Boote (submarines), who made the difficult choice to enter an illegal existence rather than be deported. Only a quarter of them – around 1200-1500 Jews – survived." [39] Ich halte es für unzulässig, solche Aussagen, wie König sie von Herrn Maikowski offenkundig unbesehen übernommen hat, ohne jede weitergehende Recherche und Prüfung und darüber hinaus auch noch unkommentiert wiederzugeben.
Das hat dann auch seltsame Folgen. Auf Seite 8 des "Homunculi" gibt König den Herrn Maikowski so wieder, dass 1944 dessen Bruder Adalbert hingerichtet worden sei und exakt sieben Zeilen später war es Onkel Adalbert, der sein Leben ließ. König bietet in der Fußnote eine URL als Referenz für diese Passage an, die sich auf das Namensregister eines Lexikons zum Widerstand in Berlin bezieht. Ich habe mal nachgeschaut, was in diesem Lexikon eingetragen ist, das Ergebnis ist in Fußnote [40] zu betrachten. Tatsache ist also, dass an den diesbezüglichen Erzählungen Herrn Maikowskis durchaus etwas dran und dass sich seine Verwandten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagierten, womit dieser Sachverhalt zu den eingangs erwähnten Eckpfeilern seiner Vita gehören müsste. Wie und in welchem Umfang das geschah, werden wir wohl nie erfahren, zumindest nicht von Herrn Maikowski.
Auch die Geschichten im Zusammenhang mit Herrn Maikowskis Verhaftung in der Sowjetzone ("Homunculi" Seiten 24ff.) können so nicht stimmen. Ich wunderte mich schon vor dem Erscheinen des Buches über die Formulierung "Johannes Maikowski - Gefangener im Stasi-Gefängnis Berlin Rummelsburg" in der Vorankündigung auf Peter-Robert Königs Webseiten. Rummelsburg, von den Häftlingen "Rummeline" genannt, war niemals ein Stasi-Gefängnis, das ehemalige Arbeitshaus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Haftanstalt der sogenannten Volkspolizei der Sowjetzone genutzt. [41] Zwar wird es den Tatsachen entsprechen, dass Herr Maikowski 1958/59 inhaftiert war, allerdings gab es damals den Straftatbestand der "Republikflucht" noch gar nicht, der wurde erst als § 213 in das erste Strafgesetzbuch der DDR vom 12. Januar 1968 als "ungesetzlicher Grenzübertritt" mit einer Höchststrafe von fünf Jahren (1979 auf acht Jahre erhöht) aufgenommen. Bis dahin galt in der DDR das Reichsstrafgesetzbuch von 1871, erweitert um das Strafrechtsergänzungsgesetz (StEG) von 11. Dezember 1957. [42] Dort gibt es keinen derartigen Paragrafen. Käme also noch das Passgesetz der DDR in Frage. Das wurde am 11. Dezember 1957 von der sogenannten Volkskammer dahingehend geändert dass, nun mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft wurde, wer "ohne erforderliche Genehmigung das Gebiet des DDR verlässt oder durch falsche Angaben eine Genehmigung zum Verlassen der DDR erschleicht". Hilde Benjamin, die damalige Justizministerin der DDR, begründete die Änderung des Gesetzes als "Warnung und Schutz unserer Bürger vor der Gefahr, von den Rattenfängern der NATO eingefangen zu werden". Herr Maikowski will aber mit der "Höchststrafe für versuchte Republikflucht von 12 Monaten" bestraft worden sein. ("Homunculi" Seite 26) Das passt alles genauso wenig wie der Umstand, dass Herr Maikowski zwar ständig die Stasi erwähnt, aber offensichtlich in keiner der Untersuchungshaftanstalten des MfS war, wie es im Fall der Republikflucht, seitdem es sie als Straftatbestand in der DDR gab, stets üblich war. Das wären in seinem Fall in Berlin entweder die zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS in Hohenschönhausen oder die kleinere in Pankow gewesen. Wie es auch gewesen sein mag - so passt das nicht zusammen.
Das Problem, das hier offenbar wird und das eigentlich Peter-Robert Königs haben sollte, wenn er denn so etwas wie ein Problembewusstsein für solche Fälle besitzt, ist ganz anders gelagert. Das wurde mir erst klar, als ich in der kurzen Korrespondenz, welche die AHA-Redaktion mit Herrn Maikowski hatte, feststellte, welch feines Gespür Herr Maikowski dafür hat, wann es an die Essentials geht, wann er - sofern er unsere virtuelle Unterhaltung fortgesetzt hätte - gezwungen gewesen wäre, sich selbst zu hinterfragen oder gar sein Tun damals und heute ernsthaft in Frage zu stellen. Das Problem an seiner, ihm von König zugedachten Rolle als sozusagen Kronzeuge ist, dass Herr Maikowski sich in einem gewaltigen Wolkenkuckucksheim eingerichtet hat, an dem er seit Jahrzehnten ohne Unterlass baut. Mancher würde das eine Lebenslüge nennen, aber der Begriff passt deshalb nicht, weil sich die Lebenslüge in aller Regel nur auf einen ganz bestimmten Aspekt der Lebensgeschichte bezieht und weil der Mensch mit dieser Lebenslüge auf Dauer nicht glücklich wird. Herrn Maikowski hingegen scheint es wirklich prächtig zu gehen mit bzw. in dem, was ich in Ermangelung eines treffenderen Begriffes Wolkenkuckucksheim nenne. Alles, was er an abstrus erscheinenden Begebenheiten aus seiner Vita berichtet, was er an Titeln und Graden gesammelt und beidhändig wieder verteilt hat, jede seiner Logengründungen, und jedes der dazugehörenden Grundsatzpapiere und schließlich der Anspruch auf den Großmeister FS sind Bausteine in diesem Wolkenkuckucksheim, die er über die Jahre hinweg zwischen den eingangs erwähnten Eckpfeilern verbaut hat. Mittlerweile ist dieses Gebilde so umfassend und so existentiell, dass die Frage nach dem Wahrheitsgehalt irrelevant geworden ist. Seine Wahrnehmung und seine dementsprechende Sicht der Dinge ist für Herrn Maikowski so unmittelbar und wesenhaft auf sein Leben, seine Person, sein ganzes Dasein bezogen, dass es für ihn schlicht keine Rolle spielt, ob sie wahr oder falsch sind.
Das gilt aber nur für Herrn Maikowski selbst, denn Tatsache ist auch, dass der Plausibiltäts- und optimalerweise Wahrheitsgehalt, so relativ Wahrheit auch sein mag, für eine zeitgeschichtliche und dokumentierte Darstellung, wie Peter-Robert König sie für sein "Homunculi" beansprucht, sehr wohl eine Rolle spielt, und zwar eine wesentliche. König hätte diese und andere Aspekte hinterfragen, auf Plausibiltät prüfen und wenigstens kurz kommentieren müssen. König macht es sich sehr einfach, wenn er am Ende seiner Darstellung vor dem Dokumententeil unter der Überschrift "Formelles und Rechtliches" folgende Anmerkungen einbaut: "Im Übrigen stelle ich selber keine eigenen Behauptungen auf und kann auch keine Aussagen zum Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen machen, sondern spiegle lediglich wieder, wie sich die Okkult-Szene selbst präsentiert. Ich distanziere mich auch vom Inhalt aller hier wiedergegebenen Meinungen und Dokumente." ("Homunculi" Seite 121). Das mag formalrechtlich korrekt sein, inhaltlich und methodologisch ist das fragwürdig. Einerseits stellt Peter-Robert König sehr wohl Behauptungen auf, wie ich in Teil 7 an einigen Beispielen exemplarisch gezeigt habe. Das sind zwar die Darstellungen und Meinungen Dritter, aber König weist sie weder als solche aus noch dokumentiert er sie als solche, womit sie zu seinen Behauptungen werden. Andererseits sind der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und das Rechtsverständnis der DDR und dessen Folgen für die Betroffenen zu ernste (und zu komplexe) Themen, um sie in einer Darstellung von fragwürdiger Sachlichkeit im Plauderton zu verbraten - und das nur, um esoterisch-okkulte Befindlichkeiten damit zu untermalen. Ich denke, da wird mir jeder zustimmen, der etwas mehr historischen Sachverstand zu diesen Themen aufbringt, als uns Peter-Robert König hier vorführt.
Nun zu Herrn Maikowskis Legitimation als Großmeister der Faternitas Saturni. Die Sachlage ist, wie eigentlich jeder nach der Lektüre der verfügbaren Dokumente sehen kann, im Grunde eindeutig und das Thema ist dementsprechend schnell abgehandelt. Je mehr ich in den Dokumenten und Darstellungen, in denen des Herrn Maikowski Darstellungen und denen von dritter Seite, darüber las, desto mehr wunderte ich mich, wie Herrn Maikowskis Anspruch die Szene so lange und so ausgiebig beschäftigen konnte. Nicht minder erstaunt mich, dass irgendwer ernsthaft glauben kann, eine von Herrn Maikowski in seiner Eigenschaft als selbstbehaupteter Großmeister der FS - egal, mit welchem Zusatz - verliehene Meisterwürde habe irgendeine Bedeutung außerhalb der, aus Herrn Maikowski und dem Urkundenempfänger entstandenen, Zweierkonstellation. Zwar könnte man behaupten, und mancher tut das auch, Herr Maikowski stünde als noch von selbigem in den Meisterstand erhobener Saturnmeister in der Sukzession von Eugen Grosche. Diese Sichtweise unterschlägt allerdings die Tatsache, dass zu einer Sukzession etwas mehr gehört, als das bloße Handauflegen nebst Aushändigung einer Urkunde. Von mindestens ebenso großer Bedeutung ist es, die geistige und spirituelle Nachfolge anzutreten - und vor allem, ihr gerecht werden zu können. Ohne diesen Aspekt verkommt die Sukzession zum Mummenschanz. Ich denke, dass Herr Maikowski seinerzeit zwar in Grosches Sukzession eintrat, ihr aber nicht im Mindesten gerecht geworden ist. Er hat sie abreißen lassen.
Dazu einige Beispiele. Grosches Haltung zu Aleister Crowley war widersprüchlich und wechselte mehrmals während seiner Zeit als erster Großmeister der Fraternitas Saturni. Einerseits unterschrieb er im August 1925 in Weida die Formulierung "Wir Unterzeichneten haben mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört und wir wissen, ohne Lügen gewiss, dass er [Aleister Crowley - Red.] in Wahrheit der Überbringer des Wortes ist, nach dem die Seele der Menschheit dürstet.", gründete die Fraternitas Saturnis, nachdem sich Tränker und die Pansophischen Gesellschaft aus dem Bekenntnis der Konferenz von Weida zurückzog, und gab das lesenswerte Buch "Aleister Crowley's Magische Rituale" heraus. Andererseits distanzierte es sich von Crowley als Mensch und lehnte ein explizites Bekenntnis als Thelemit ab. Gleichzeitig verkündete er: "Der immer stärker werdende magische und kosmische Influxus dieses Zeitalters verlangt eine fluktuible Anpassung und Anwendung der von Therion [Aleister Crowley - Red.] gegebenen Lehren. Trotzdem ist dieses Wissen und das gegebene Weistum wert, den kommenden Generationen erhalten zu bleiben. Die Loge selbst verwendet dieses Wissen zur Persönlichkeitsschulung ihrer Brüder und Schwestern. Die Lehren sind nicht immer wörtlich zu nehmen oder zu befolgen. Sie sind an erster Stelle sinngebend und wegweisend." So zitiert in "Homunculi" Seite 22 - König leitet daraus ab, Grosche lehnte "Cowleys Thelema" ab und es ließen sich allenfalls "thelemitische Worthülsen in den Grundritualen" finden. Das ist wieder eine der Behauptungen, die keine eigene des Herrn König sein will - und eine reichlich gewagte überdies angesichts des Zitats. Dort lesen wir nämlich, dass Grosche Crowleys "Wissen und das gegebene Weistum" als "sinngebend und wegweisend" immerhin "zur Persönlichkeitsschulung" der Brüder und Schwestern seiner Loge eingesetzt sehen wollte. "Cowleys Thelema" ablehnen, und zwar mittels "Persönlichkeitsschulung" mit Crowleys "Wissen und […] Weistum" - solch rasante Schlüsse sind Peter-Robert Königs Spezialität, die bekommt wirklich nur er so hin.
Wenn jemand die Sukzession nach Eugen Grosche für sich beansprucht, aber angeblich noch nie von der Konferenz von Weida gehört haben will [43], wenn einer, der in der Grosche-Sukzession stehen will, in Aleister Crowley lediglich einen üblen Schwarzmagier mit verwerflichem Lebenswandel sehen kann, aber nach Belieben, wie zahllose Dokumente beweisen, mit Versatzstücken aus Crowleys Werken wie dem Liber L. vel Legis herumhantiert, was noch dazu offensichtlich meistens nur taktische Gründe hat, dann hat er nicht das Recht zu behaupten, er sei der Sukzession nach Grosche gerecht geworden. Aber all das tat und tut Herr Maikowski. Tatsache ist auch, das sich die Fraternitas Saturni ihrem Logengesetz zufolge zum Wegbereiter des Neuen Äons erklärt, und zwar "im Sinne des Gesetzes von Thelema" und dass Herr Maikowski mindestens zweimal an der Abstimmung über dieses Logengesetz beteiligt war - Proteste seitens des Herrn Maikowski, der erklärtermaßen nie etwas von Crowley gelesen hat ("Homunculi" Seite 23), sind nicht dokumentiert.
Wenn einem der Anspruch auf ein Amt und/oder irgendwelche - optimalerweise möglichst hohe und davon viele - Würdegrade wichtiger ist als das Wohlergehen der Loge, wenn einer von einem Amt zurücktritt, um wenig später mit erneutem Anspruch wieder hervorzupreschen, wenn einer seine Unterschrift unter Dokumente setzt, in denen er Ansprüche aufgibt und später davon nichts mehr wissen will, wird er der Würde einer Sukzession wie der nach Grosche nicht gerecht. Auch das hat Herr Maikowski alles getan - der Verweis darauf, dass andere ebenso oder noch schlimmer handelten, geht allenfalls für Kleinkinder in der Buddelkiste als "Entschuldigung" durch, aber nicht für einen Saturnmeister. Für andere Meister übrigens auch nicht.
Herr Maikowski begründet seinen Anspruch mit seiner Wahl zum Großmeister in der Frankfurter Loge der Fraternitas Saturni im Jahr 1964, die Berliner Loge wählte im selben Jahr Roxane - die Ereignisse sind hinlänglich bekannt. Das Problem ist - es gibt keinerlei Nachweis dafür, dass Herr Maikowski tatsächlich gewählt wurde, er kann nicht einmal das Datum seiner Wahl benennen und es gibt kein Dokument, das seine Wahl bestätigt. [44] Roxanes Wahl hingegen ist dokumentiert. Roxane wurde Ende März 1964 gewählt, Herr Maikowski entschließt sich aber seinen eigenen Worten zufolge erst am 17.04.1965, also ein gutes Jahr später, das Amt des Großmeisters dann auch anzutreten. Angeblich konnte er 1964 seinen Arbeitsplatz in einer Pharmaklitsche nicht verlassen, um das anzutreten, was die offenbar Mission seines Lebens ist. ("Homunculi" Seite 50) Was soll man dazu sagen? Allenfalls das, mehr muss zur Großmeisterwahl von 1964 an dieser Stelle nicht mehr gesagt werden: Der einzige, der Herrn Maikowskis Geschichte von der Meisterwahl 1964 noch bestätigen könnte, ist derzeit [März 2010 - Red.] Ptahhotep - wenn er das jemals hätte tun wollen, wäre das längst geschehen.
Herr Maikowski beruft sich darauf, nie von seinem Großmeisteramt zurückgetreten sei. Das ist eigenen, anderslautenden Aussagen und Dokumenten zufolge definitiv falsch. Das erste Mal trat er 1969 anlässlich des Zusammenschlusses der Logen zurück. O-Ton Herr Maikowski: "Die bisherigen Grossmeister IMMANUEL und DANIEL legen ihre Ämter als Grossmeister nieder". Ich weiß nicht, wieviele Amtsniederlegungen und -wiederaufnahmen seitens des Herrn Maikowski es noch gab, die letzte ist aus dem Jahr 2000. O-Ton Herr Maikowski: "Liebe Schwestern und Brüder der FS in KL, hiermit teile ich Euch allen mit, daß ich als Bruder und Meister .°.Immanuel.°. mit sofortiger Wirkung am 20. April 2000 aus Gesundheitsgründen von meinem Amt als Grossmeister der FS in KL zurückgetreten bin."
Herr Maikowski beruft sich in seinem Anspruch, nach wie vor der Großmeister der Fraternitas Saturni zu sein, auf das alte Gesetz der Fraternitas Saturni, in dem noch eine Großmeisterschaft auf Lebenszeit vorgesehen war. Von einer Änderung des Gesetztes will Herr Maikowski entweder nichts wissen oder erst 1983 erfahren haben. Natürlich hat Herrn Maikowski Wahrnehmung zufolge Giovanni - wer sonst - das Gesetz de facto im Alleingang geändert, und das nur, um ihn zu schikanieren und ihm den Großmeistertitel abspenstig zu machen. [45] Tatsache ist, dass Herr Maikowski anlässlich der Konzilien vom 27.10.1978 und vom 05.04.1980 den Änderungen des Gesetzes hinsichtlich der Amtszeit und der Ernennung des Großmeisters zugestimmt hat.
| Dokument 3 - Die Großmeisterwahl 1964 und Amtsniederlegung 1969 | |
| Dokument 4 - Amtsniederlegung Maikowski 2000 | |
| Dokument 5 - Gesetzesänderung Konzilium 27.10.1978 | |
| Dokument 6 - Gesetzesänderung Konzilium 05.04.1980 |
Auf die Wahl von 1983, anlässlich der er von nur drei Meister bei insgesamt 14 stimmberechtigten Meistern zum Großmeister gewählt worden sein will, gehe ich nicht ein, das ist ausreichend dokumentiert und es ergäbe sich nichts, was ich hier nicht schon festgestellt habe.

Das Fazit ist, dass der Anspruch des Herrn Maikowski auf den Großmeistertitel der FS durch nichts legitimiert ist. Daraus ergibt sich, dass die in dieser Eigenschaft von Herrn Maikowski vergebenen Meisterwürden völlig wertlos sind, sie haben allenfalls sentimentalen Wert für ihre Inhaber. Herr Maikowski hat die Meisterwürde in den meisten Fällen aus taktischen oder anderen Gründen, die allesamt nicht mit der Meisterschaft als solcher zu tun haben, vergeben, darunter auch an Personen, die das Wort "Würde" nicht einmal buchstabieren konnten und recht wahrscheinlich immer noch nicht können. Herr Maikowski vergab obskure Generalvollmachten an selbstgegründete und ebenso obskure Grüppchen, die er Jahre zuvor eben ihrer Obskurität wegen aufgelöst hatte und die nun selbst obskure Meisterurkunden in seinem Namen vergaben. Zu erwähnen sind noch die vergebenen Gefälligkeitsurkunden etwa in der Art, wie sich eine davon in Königs "Homunculi" auf Seite 425 findet. Freilich gibt es die eine Meisterin oder den anderen Meister, die bzw. der sich die Meisterschaft unabhängig von der Fragwürdigkeit ihrer Vergabe verdient, weil erarbeitet hat. Doch wenn diese Meister ehrlich zu sich selbst wären, müssten sie sich den Titel nebst Urkunde an den Hut stecken. Am Rande bemerkt - es zeugt von einem merkwürdigen Verständnis der Sache, wenn sich der eine oder andere Meister einbildet, ein beispielsweise ordentlich verliehener Magister Magnificus Pneumaticos rehabilitiere einen zweifelhaften Gradus Solis und werte diesen auf. Umgekehrt wird ein Schuh draus - der zweifelhafte Grad korrumpiert und entwertet alle nachfolgend verliehenen. Das war jedenfalls einmal der Sinn der Sache gewesen.
Wenn sich Peter-Robert König mit seinem "Homunculi" auf Herrn Maikowski als zweimaligen Großmeister der Fraternitas Saturni beruft, mag das unter Umständen dem Verkauf des Buches dienlich sein, es entbehrt aber jeder vernünftigen und dokumentierbaren Grundlage. Herr Maikowski hingegen wird damit leben müssen, der Fraternitas seinen bisher wohl größten Bärendienst erwiesen zu haben, indem er sich von König als Kronzeuge und Plauderonkel und zu allem Überfluss auch noch als Werbeträger für dessen Buch einspannen ließ, denn da ist jetzt für jedermann zu lesen:
"Für die Geschichte der FS wird dieses Buch für alle Zeiten das wertvollste Dokument sein." Johannes Maikowski, zweimal Großmeister der Fraternitas Saturni.
Ich hoffe, Herr Maikowski hat sich sein Engagement für Peter-Robert König wenigstens ordentlich vergüten lassen.

