Sekten, Szene & Pfaffen
Das Peter-Robert-König-Phänomen
Teil 6: Meisterweihe leicht gemacht – eine Handreichung nach Meister PeRKa
Teil 6: Meisterweihe leicht gemacht – eine Handreichung nach Meister PeRKa

| "Dasselbe gilt für Ordensnamen. Diese zu verwenden, bedeutet, sich auf das Spiel der Okkultisten einzulassen. Deren Regeln zu befolgen. Auf deren Ebene zu argumentieren und zu berichten. [...] Das werde ich nicht tun. Ich werde keine Klubnamen verwenden." "Mstr." Perka aka Peter-Robert König, "Satan - Jünger, Jäger und Justiz", Seiten 295f. |
Der in diesem Buch absolute Höhepunkte unfreiwilliger Komik a la Peter-Robert König ist die Präsentation eines angeblichen Meisterpatents der Fraternitas Saturni, das König besitzen will. Das Ding ist auf Seite 164 des besprochenen Buches abgedruckt und provoziert bei jedem, der einen Hauch Ahnung von den Zusammenhängen hat und überdies weiß, wie Google funktioniert, wieherndes Gelächter und heftiges Schenkelklopfen. Da finden sich nämlich zwei Namen - der von Immanuel, der die Sukzession nach Grosche für sich reklamiert, und der von einem Meister Hermes, der in Immanuels Vollmacht handeln will. Immanuel ist eine - das ist natürlich meine ganz persönliche Meinung - eher tragische Figur im Saturnkult. Zu ihm in einem anderen Kapitel mehr, hier nur so viel: Was seine Vita als Saturnmeister tragisch macht ist der Umstand, dass sich in ihm ein erstaunliches, esoterisches Fachwissen mit tiefer Gläubigkeit verbindet, wobei die Grenzen zu bemerkenswerten, so möchte ich sie mal nennen, Gemütszuständen fließend sind, was ihn im Ergebnis immer wieder auf die denk- und fragwürdigsten Einflüsterungen diverser Okkultkarrieristen und -opportunisten hören ließ. Einer von denen ist dieser Meister Hermes, zu ihm gibt es darüber hinaus nur soviel zu sagen, dass er so komisch wie Immanuel tragisch ist. Hermes wird nun damit als Fußnote in der Okkultgeschichte überleben, dass er König einen veritablen Karnevalstitel verliehen hat, mit dem "Meister" Perka nun angibt wie Bolle mit seinem neuen Melkeimer. Kurz - die beiden haben weder das ideelle noch das irgendwie manifeste Recht, irgendwem Meisterpatente der Fraternitas Saturni auszustellen, das ist ungefähr vom selben Wert, als würde Frau Pauli Bundesminister ernennen. [25]
Zu 1: Der Einstieg ist recht gut gelungen, allerdings hätte dem Namen etwas mehr Phantasie nicht geschadet. Man stelle sich vor, der Heinz Schneider wäre Meister geworden, dann hieße der nach dem hier gewählten Prinzip jetzt Meister Heischnei. Doof, oder? Gelungen hingegen ist die Unterbringung der Begriffe "alt", "angenommen", "schottisch" und "Ritus", damit kann der Meister Perka nämlich nun ganz gepflegt ein paar Freimaurern auf den Wecker fallen, wenn ihm danach der Sinn steht. Ernst nehmen werden sie ihn zwar nicht, aber zum Rumnerven reicht es allemal.
Zu 2: Das sieht auf den ersten Blick wie eine runde Sache aus. "Meister Perka darf alles" hätte es zwar auch getan, klänge aber ein wenig prosaisch. Auf den zweiten Blick fällt allerdings auf, dass der Perka doch nicht alles darf, er kann nämlich nur Gradus-Solis-Meister ernennen, was nun Perfomanceprobleme für die Umsetzung von Perkas Plänen nach sich ziehen wird: "Originell fand ich dabei eigentlich nur die Idee, wonach der Saturngroßmeister mit mir eine Lesung aus meinem Buch 'Der O.T.O.-Phänomen REMIX' veranstalten sollte. Wir hätten dann Patente am Fließband unterschrieben und wie Konfetti unters Publikum gebracht." (Seite 169) So richtig effizient, nämlich mit dem Resultat einer exponentiellen Logenvermehrung, wäre die Linzenz zur Ernennung von Gradus-Pentalphae-Meistern gewesen.
Zu 3: Ganz schlecht, mit dem Gradus Solis nimmt dem Perka keiner die Vollmachten unter Punkt 2 ab. Da hat er an der falschen Stelle gespart, der Perka. So, wie der Verkäufer des Papiers bekannt ist, wäre für lumpige 20 Euro deutlich mehr drin gewesen, ein schöner 29° Groß-Inspekteur zum Beispiel. Andererseits ist die Proklamation der Bestätigung und Anerkennung durch die Fraternitas Saturni von ergreifender Schlichtheit und Eleganz – kurz und bündig, zackzack. Ebenso der im "wird" implizite Verweis auf die Zukunft als Potential für den Zweifelsfall – welch geradezu anmutiger Schachzug nach dem Motto "So oder so – ich bin allhier."
Zu 4 und 5: So ist es recht, wenn man schon auf den Putz haut, dann soll es auch richtig krachen. Der eine der beiden Alten kann sich eh nicht mehr wehren, der andere auch nicht wirklich. Ein glatte Sechs gibt es allerdings für den Verleiher, was somit auch für Punkt 5 gilt, und damit letztlich für das ganze, nun ja, Patent. Mit dieser Unterschrift hat sich der Perka allenfalls den Heiterkeitserfolg gesichert, was andererseits ja auch etwas ist.
Wo Perka allerdings die Unterschrift eines Großmeisters auf dem Zettel sehen will (König auf Seite 169: "Dazu [...] ein Patent, [...] unterschrieben von einem ehemaligen Saturngroßmeister..."), bleibt mir schleierhaft, oder habe ich da in Sachen Hermes etwas verpasst?
Was ist ein richtiges Patent ohne Siegel? Richtig, eigentlich gar nichts, Hermes hin oder her. Und genau das fehlt auf dem ansonsten recht hübsch gelungenen Papier. Aber da kann der frisch gebackene und, wie in unserem Fall, als gelahrter Studiosus in mancherlei Fakultät bewanderte Meister auf eine schöne Tradition häuslichen Bastelns zurückgreifen. Immerhin haben sich dem Vernehmen nach diverse Päpste seinerzeit auf diese oder ähnliche Art und Weise den Besitz ganzer Landstriche selbst beurkundet und was so ein oller Papst kann, das schafft doch ein von Tempelritter Hermes patentierter Meister schon lange, nicht wahr? Na gut, das Ergebnis ist irgendwie verkehrt herum und ein wenig schief geraten, passt aber gut zur Qualität der übrigen Dokumente, die sich im Fundus des Peter-Robert König finden, und hat überdies den außerordentlichen Vorteil, dass man den peinlichen Fehlgriff von Punkt 4 bzw. 5 ganz ordentlich tarnen kann.
Eine zweite, prophylaktische Anmerkung: Auch dieser Absatz ist Ironie – mit durchaus ernst gemeinten Einschüben.
Das Schreiben ist das Papier nicht wert, auf das es gedruckt ist, wobei ich nur am Rande erwähne, dass der dort angeblich vergebene Gradus Solis eine schriftliche und von mindesten zwei Meistern abgenommene Erarbeitung voraussetzt, der irgendwann eine erste Arbeit bei der Erlangung des Gradus Mercurii vorausgegangen sein muß. Das alles weiß König hoffentlich, möglicherweise aber auch nicht, denn er schreibt auf Seite 143, dass er zu dem Titel per Blankoformular gekommen ist. Er schafft es aber nicht darauf hinzuweisen, dass das Papier vollkommen wertlos ist, sondern stellt es als legitim dar und flunkert im selben Atemzug weiter, mit einem solchen Blanko könne man blitzschnell Hochgradmeister generieren. Wer sich aber das Formular genau ansieht, stellt sofort fest, dass der Grad nicht blanko, sondern auf den Gradus Solis (12°) festgelegt ist, die Hochgrade beginnen aber erst mit dem Magister Selectus Sapientiae (21°). Er hat nicht einmal gemerkt, dass sein Grad und der angeblich verleihbare identisch sind, denn er schreibt auf derselben Seite des Buches: "In alle Grade unterhalb meines eigenen Grades." Nö, da steht in alle Grade einschließlich seines eigenen und genau das macht einen guten Teil der geradezu grandiosen Blödsinnigkeit des Zettels aus. Dass auf Königs "Meisterpatent" das Siegel fehlt, mit dem Immanuel fröhlich Papiere im Namen seiner virtuell-mentalen "Fraternitas Saturni" stempelt, ist typisch für Immanuel und seine innere Zerissenheit. Konsequenterweise hätte es auf das Papier gehört, möglicherweise hat er den König quasi nur ein bisschen, aber doch irgendwie hinreichend für seine mentale Fraternitas patentiert, was nichts anderes bedeutet, als dass er sich aus seiner Sicht ein Hintertürchen zur etwaigen Delegitimation eingebaut hat. Im Grunde und ziemlich wahrscheinlich gehört König nach Immanuels Verständnis damit zu seiner ganz eigenen Loge "Tetragrammaton". Ich glaube nicht, dass König sich dessen bewußt ist. Dass König einen ausgerechnet von Hermes unterschriebenen Zettel ohne Siegel für ein legitimes Meisterpatent der Fraternitas Saturni hält, beleuchtet ein wenig sein tatsächliches Hintergrundwissen über Interna des Saturnkultes jenseits bloßer Tratscherei. Wenn er aber um die Wertlosigkeit des Papiers weiß, beleuchtet das nicht nur ein wenig, sondern ziemlich grell die vermeintliche Seriosität seiner Darstellungen.

