Sekten, Szene & Pfaffen
Das Peter-Robert-König-Phänomen
Teil 5: Die Rache des Demiurgen
Teil 5: Die Rache des Demiurgen

In Peter-Robert Königs Ausführungen finden sich einige Stellen, die beispielhaft geeignet sind, Pasis oben erwähntes Vorsichtsgebot zu konkretisieren. Einige habe ich schon erwähnt, weitere werden noch folgen, doch einer anderen, welche die tatsächliche Qualität des Sachverstandes des feinen Herrn König grell beleuchtet, möchte ich mich nun widmen. Vorausgeschickt sei, dass ich dem Projekt, auf das sich Königs wirklich denkwürdige Mutmaßungen beziehen, zeitweise selbst beteiligt war. Zuerst das Zitat von Peter-Robert Königs Behauptung:
"Vielleicht rundet es das Bild von Jantschik ab, wenn Sie sich vor Augen halten, dass er wirklich jedem alles erzählt hat, um nach getaner Plauderei nachzureichen 'aber letzte Geheimnisse werde ich der profanen Welt niemals offenbaren'. 1999 stimmte er in genau diesem Tenor einer szenebekannten 'Schwester Ritter' zu, die sich eifrig allen möglichen ehemaligen Meistern und Großmeistern der Saturnorden anbiederte und auch Jantschik in ihre Fraternitas Templi Saturni einbeziehen wollte. 'Herr König weiß von diesem Projekt nichts; [...] Alle Interna und Korrespondenzen bleiben geheim. Von mir erfährt niemand etwas', lautete Jantschiks Versicherung. Er konnte einfach nie nein sagen."
[Andreas Huettl, Peter-R. König: "Satan - Jünger, Jäger und Justiz", Kreuzfeuer Verlag 2006, Seite174, Auslassungen von König, Hervorhebung von mir]
| Dokument 1 - Brief von Cara-Lashtal an Jantschik | |
| Dokument 2 - Antwort von Jantschik an Cara-Lashtal |
Zur Verdeutlichung: König behauptet, dass Jantschik wirklich jedem alles erzählt hat und zitiert, ohne eine Quelle anzugeben, Jantschik mit einer Aussage, die er angeblich in Bezug auf evtl. Kenntnisse Königs über die Fraternitas Templi Saturni (FTS) getätigt haben soll. Wie es der Zufall will bin ich im Besitz beider Dokumente - sowohl des Briefes, aus dem König zitiert, als auch des Dokuments, auf das sich Jantschiks Brief bezieht. Ich stelle sie hier zur Einsichtnahme zur Verfügung.
Die Lektüre der Dokumente macht folgendes klar:
Es ging in dem Briefwechsel keineswegs um die FTS, sondern um die Publikation "SaturnArbeiter".
Es wird weiterhin klar, dass die erwähnte Schwester sich mitnichten anbiederte, sondern sich recht deutlich zu Jantschiks Berufung und Qualifikation äußert. Was immer man von Jantschik halten mag - er war Großmeister und nach den Gepflogenheiten des Saturnkults (und anderer Logenstrukturen) war die Ansprache der Schwester nicht anbiedernd, sondern auf eine Weise direkt, die mancher der Alten (und auch jüngere Meister) als eher unverschämt empfände.
Tatsache ist:
Die Briefe wurden Ende Dezember 1999 geschrieben, zu diesem Zeitpunkt wurde an die FTS noch nicht einmal gedacht. Das dürfte erst im Sommer 2003 konkretere Gestalt angenommen haben, das Großlogenpatent wurde Ostern 2004 ausgestellt.
Die Aussage "ihre FTS" ist schlicht falsch.
Was ist hier passiert? Es gibt drei Möglichkeiten:
Jantschik hat König den Briefes der Schwester, auf den sich seiner, von König zitierte, bezieht, weder gezeigt noch ausgehändigt. König kennt ihn nicht. Dann ist erstens Königs Aussage, Jantschik habe wirklich jedem alles erzählt, schlicht falsch. Das bedeutet zweitens, dass König den Rest seiner o.a. Aussagen frei erfunden hat, was die für einen "Rechercheur" seines, nun ja, Formats wirklich peinliche Verwechslung des "SaturnArbeiter" mit der FTS erklärt. En passant hat er seine spekulativen Erwägungen genutzt, um die genannte Schwester zu diskreditieren. Ich denke, dass die Publikation freier Erfindung nebst angehängter Diskreditierung Dritter eher selten unabsichtlich geschieht. Wie ein solches Verhalten landläufig benannt wird, sollte jedem Leser bekannt sein.
König hat sich von einer gewissen Person (oder einer anderen ähnlicher Verfasstheit) einen veritablen Bären aufbinden lassen. Der Brief von Jantschik, an den König auch über diesen Weg gekommen sein kann, mag sich beispielsweise in der 100-Euro-Kiste Esokrempel befunden haben, von der König auf Seite 169 spricht. Die hinlänglich bekannte Person hat trotz aller Umtriebigkeit und auf doch recht putzige Weise zustande gekommener Bischofsweihen nie auch nur im Ansatz verstanden, womit sie sich da befaßte - diesem Unverständnis könnte einerseits die Verwechslung des "SaturnArbeiter" mit der FTS geschuldet sein, andererseits könnte König die szenebekannten Aversionen der seinerzeit ausführlich erörterten Person ggü. der genannten Schwester für bare Münze genommen haben, was die Diskreditierung erklären würde. Träfe diese Variante zu, wäre es, freundlich formuliert, extrem bedenklich, wenn König damit seine Aussage, Jantschik habe wirklich jedem alles erzählt, hätte belegen wollen.
Königs Aussage, Jantschik habe wirklich jedem alles erzählt, trifft zu und Jantschik hat König Einsicht in den vollständigen Briefwechsel gewährt oder ihm diesen gar überlassen. Wie in diesem Fall der Rest von Königs Ausführungen in dem zitierten Abschnitt zu bewerten, muß ich sicher nicht näher erörtern.
Ich kann und mag mich an dieser Stelle nicht auf eine der drei Möglichkeiten festlegen, ich halte Variante 1 und 2 für die schlüssigsten. Aber egal, welche der drei Möglichkeiten zutrifft - alle drei bieten Anlass genug, Königs Äußerungen mit allerhöchster Vorsicht zu zitieren und sie in keinem Fall unkommentiert zu übernehmen. Natürlich haben solche Schnurren, wie König sie hier dargeboten hat, immer auch ihre lustigen - in diesem Fall sogar hochkomischen - Aspekte. Der Herr Peter-Robert König kann sich offensichtlich nicht vorstellen, dass eine derart despektierliche, ja nachgerade impertinente Unterminierung seines höchstlöblichen Aufklärungswerkes von einem, im Selbstverlag von drei Leuten publizierten, Blättchen unternommen wird, da muss schon mindestens eine Loge im Spiel sein und es sollten dabei Begriffe wie "Fraternitas" und "Saturni" fallen, hier gab es sogar noch ein "Templi" als Zugabe. Tja, so geht das aus, wenn Leute auf ihre eigene Eitelkeit hereinfallen.

