Sekten, Szene & Pfaffen
Die Pasadena-Story - Jack Parsons & Ron Hubbard
Teil 11: Erfolg ist euer Beweis!
Teil 11: Erfolg ist euer Beweis!
Mythen in Tüten - Jack Parsons und Ron Hubbard
Teil 11: Erfolg ist euer Beweis!
Die Gegendarstellung in der Sunday Times erweckt den Eindruck, Hubbards Aktivitäten hätten die Agape Lodge zerstört und zu deren Auflösung geführt und der O.T.O. habe sich von Hubbards Einsatz nie wieder erholt. Tatsache ist, daß Germer die Loge erst 1953 nach Parsons Tod auflöste - und Hubbard hat das "gerettete Mädchen" geheiratet, deren spätere Statements in bezug auf ihren "Retter" der Scientology Kirche seitens der sogenannten Kritiker heute noch mit Begeisterung nachgetragen werden. Das "Mädchen", das Hubbard gerettet haben soll, war die damals doch schon 21-jährige Sara Elizabeth Northrup, genannt Betty - jene Sara Northrup, die Hubbard anläßlich ihrer Scheidung von ihm in den Scheidungspapieren als "hoffnungslos geisteskrank" bezeichnete und ihn bezichtigte, sie und ihre Tochter "systematic torture, beatings, strangulations and scientific torture experiments" ausgesetzt zu haben. Mir ist natürlich klar, daß solche Beschreibungen keine tatsächlichen Ereignisse wiedergeben, sondern assoziative Projektionen als Resultat extremer Frustration sind (was die Frage nach Hubbards Anteil an Verantwortung für die Generierung solcher Projektionen auswirft), aber vor diesem Hintergrund von Sara Northrup als dem "geretteten Mädchen" zu reden ist, gelinde gesagt, einfach nur peinlich.
Vermutlich war Parsons nach dem ersten Verlustschmerz froh, daß er Betty los war, denn erst Marjorie Cameron wurde seiner Vorstellung vom Scarlet Woman wirklich gerecht [47]. Zum Zeitpunkt der Gegendarstellung gab es in der Tat den O.T.O. nicht als Organisation, sondern allenfalls als spirituelle Idee. Doch schon wenig später etablierte er sich mit großen Erfolg erst in den USA, später in anderen Ländern [48], so daß der Orden heute die weltweit größte okkulte Organisation westlicher Tradion ist.
Von welchem Erfolg Hubbards in Sachen O.T.O. und Agape Lodge reden wir also eigentlich heute, im Jahr 2008?
Am tatsächlichen Erfolg gemessen würde ich - rein weltlich gesehen und die Intention Hubbards nach der Darstellung in dem Text aus der Sunday Times als gegeben vorausgesetzt - Hubbards Aktivitäten in Pasadena eher als Schuß ins Knie, ins eigene wohlgemerkt, betrachten. Unter dem Aspekt einer ethischen Bewertung und in Hinsicht auf den Moralkodex, den die Scientology Kirche selbst vertritt, halte ich die Tatsache, daß sich Hubbard - in wessen Auftrag und mit welcher Intention auch immer - unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Zutritt zur Gruppe verschafft und Parsons Vertrauen und Zuneigung erschlichen hatte, für sehr fragwürdig. Das ist wenn überhaupt, dann allenfalls im Fall der Selbstverteidigung zur Abwendung einer Gefahr für die Gruppe und deren Mitglieder berechtigt, aber seinerzeit gab es keine Gruppe, für die Hubbard verantwortlich gewesen wäre. Es gab auch keine Gefahr für ihn als Person, alle Aktivitäten in bezug auf Parsons und die Agape Lodge gingen von Hubbard selbst aus und wir wissen ausweislich der oben zitierten FBI-Akten, daß von Parsons und der Agape Lodge nie etwas ausgingen, das die exekutiven und judikativen Instanzen in den USA als Gefahr für die Gesellschaft betrachteten.
Mag sein, daß Hubbard das 1946 anders sah und meinte, gegen Parsons zur Abwendung vermeintlichen Ungemachs eine veritable Schwatzmagie mit den von Aleister Crowley konstatierten Resultaten zur Anwendung bringen zu müssen. Es ist aber nicht im Ansatz nachvollziehbar, daß die Scientology Kirche heute exakt so argumentiert, als lebten wir vor ziemlich genau 62 Jahren, als Hubbard mit Parsons in Verbindung stand. Zumindest aus heutiger Perspektive sollte eine Neubewertung durchaus möglich sein.

