Sekten, Szene & Pfaffen
Die Pasadena-Story - Jack Parsons & Ron Hubbard
Teil 6: In welchem Umfeld soll Hubbard ermittelt haben?
Teil 6: In welchem Umfeld soll Hubbard ermittelt haben?
Mythen in Tüten - Jack Parsons und Ron Hubbard
Teil 6: In welchem Umfeld soll Hubbard ermittelt haben?
Wir erinnern uns: "Es handelte sich um ein großes Haus, in dem sich als zahlende Gäste amerikanische, in den Cal. Tech. Instituten tätige, Kernphysiker aufhielten." So ist es in der Gegendarstellung der Scientology Church in der Sunday Times) zu lesen.
Die Behauptung, es galt Kernphysiker aus den Klauen der Schwarzmagier zu retten, erweist sich schon nach kurzer Recherche als vollkommener Unfug. Die Zustände und die Menschen in Parsons Umfeld und dem der Agape Lodge, was in der Zeit von Hubbards Aufenthalt dort identisch war, sind von profunden Kennern amüsiert und amüsant beschreiben worden, zum Beispiel von Colin Bennett:
"Parsons' home, 1003 South Orange Grove Avenue in Pasadena, was a vast old pre-war mansion populated by his own Adams Family selection of the free and the inspired, the mad and the lost. Local adverts for rooms specified that only bohemians, musicians, artists, atheists and anarchists need apply. Rumours of black magic, orgies and other strange goings-on abounded." [17]
Noch amüsanter schildert John Carter in seinem sehr gut recherchierten Buch "Sex and Rockets: The Occult World of Jack Parsons" die Zustände in der Nummer 1003 der South Orange Grove Avenue:
"Der Schriftstellerin Iris Chang zufolge hatte Parsons eine Schaufensterpuppe in einem Smoking auf seiner vorderen Veranda, an der ein Schild hing, worauf 'The Resident' (Der Bewohner) stand. Neben der Puppe stand ein Eimer für den Postboten, damit er die Post hineinwerfen konnte, die in dieser Weise adressiert war. [...] Parsons schockierte seine konservativen Nachbarn, als er anfing, Zimmer an weniger wünschenswerte Mieter zu vergeben. [...] Einer der Langzeit-Bewohner der Parsonage war Alva Rogers, der mit dem Haus in Verbindung kam, nachdem er dort etlichen Science-Fiction-Treffen beigewohnt hatte. Während dieser Treffen verliebte sich Rogers in eine junge Künstlerin, die dort wohnte und kam zu Besuch, wann immer er konnte, bevor er selbst einzog. In einem Fanzine-Artikel von 1962 schrieb er: 'In den Inseraten, die in örtlichen Blättern aufgegeben wurden, legte Jack fest, daß sich nur Bohemiens, Künstler, Musiker, Atheisten, Anarchisten oder andere exotische Typen um Räume zu bewerben bräuchten - jede profane Seele werde sang- und klanglos zurückgewiesen. Diese Anzeige verursachte, man braucht es nicht zu erwähnen, einigen Wind in Pasadena, als sie erschien. [...] Es gab eine feine Auswahl handverlesener Bewohner, alles echte Charaktere. Ein paar Beispiele: die professionelle Wahrsagerin und Seherin, die immer angemessene Kleider trug und ihre Wohnräume mit Symbolen und Artefakten arkaner Überlieferung dekorierte; dann eine Dame, gut über die mittleren Jahre hinaus, aber verblüffend schön, die behauptete, zu verschiedenen Zeiten die Geliebte der Hälfte aller berühmten Männer in Frankreich gewesen zu sein; ein Mann, der ein berühmter Organist der meisten großen Kinopaläste der Stummfilmära gewesen war." [18]
Natürlich – ein Eimer für die Post und immer eine professionelle Wahrsagerin im Zimmer quer über den Flur zur Hand – so liebt es der Kernphysiker an und für sich. In Parsons privaten und okkultem Umfeld fanden sich wirklich jede Verschrobenheit und jede mehr oder weniger liebenswerte Spinnerei – nur Kernphysiker waren da nicht vertreten.

