Was unsere "Freunde" so treiben - Ukrainische Musikfreunde

Man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin oder der Bundespräsident wären am 5. Juli 2019 anlässlich der sogenannten "Tage der nationalen Bewegung" in Themar auf die Bühne getreten und hätten in einem Grußwort an die Bands und die Gäste ihre Dankbarkeit für das Wirken und Tun derselben Ausdruck verliehen? Unvorstellbar? Natürlich ist das nicht vorstellbar. Das gilt allerdings nicht für die ukrainischen Kollegen und Freunde der Merkel und des Steinmeier.

Dort nahmen am 13. Oktober 2019 mit Oleksij Hontscharuk, Ministerpräsident der Ukraine, und Oksana Koliada, Ministerin für vorübergehend besetzte Gebiete, Binnenvertriebene und Veteranen, [1] zwei höchst- beziehungsweise hochrangige Mitglieder der Regierung an einer Veranstaltung der ukrainischen Veteranenpartei anlässlich des "Tages des Verteidigers der Ukraine" teil. [2] Mit Veteranen sind hier nicht etwa die des Großen Vaterländischen Krieges gemeint - oder irgendwie doch, nämlich die Nazikollaborateure, die in der sogenannten "Ukrainischen Aufständischen Armee" (UPA), die den militärische Flügel der "Organisation Ukrainischer Nationalisten" (OUN), also der Bandera-Faschisten, darstellte. Von denen gibt es nicht mehr so viele, deshalb sind nun auch Faschisten vom Maidan, die Mörderbanden von Odessa (02.05.2014) und die Asow-Faschisten Veteranen. [3] Vor diesem durchaus illustren Publikum hielt nun der ukrainische Premier eine Grußrede und brachte unter anderem dies zu Gehör:
"Danke, dass Sie da sind! Die Tatsache, dass es euch gibt, ermöglicht es uns, in einem friedlichen Land unter einem friedlichen Himmel zu leben und das zu tun, was wir, meine ich, nicht schlecht drauf haben. Wir arbeiten für euch. Ich arbeite für euch, um die Ukraine zu stärken. […] Wir wollen Mittel haben, um unsere Armee finanzieren zu können[...] Danke euch und feiert gut! Ihr seid sehr cool!"
https://ua.korrespondent.net/...natsionalistiv

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Das musikalischen Rahmenprogramm, um es so zu nennen, besorgte die ukrainische Band Сокира Перуна (Sokira Peruna, dt. Axt des Perun), die ihr Genre selbst als "Ukrainian White Power Rock" beschreibt. Das ist in etwa eine Mischung aus Sabaton-Imitation und Nazi-Liederbuch, nur dass die Band wirklich schlecht ist, der Frontmann kann nicht singen, growlen erst recht nicht und die Musik ist so langweilig, wie Power Rock halt ist - ein Lied klingt wie das andere. Wer sich das geben will, wird auf YouTube fündig. Aber der Band und ihren Fans geht es ja auch nicht um Musik, sondern um Nazi-Verehrung und darum, ihre antisemtischen Gewaltfantasien unter die Leute zu bringen. Hier der Text eines Liedes für Rudolf Heß (Zitat: "Sohn der Götter, Nachkomme Odins, Gefangener des Friedens, du bist in unseren Herzen!") ...
17 серпня (17. August): https://nashe.com.ua/song/6570 [4]
(Google übersetzt den Text ziemlich exakt: https://translate.google.de/

Durchgängiges Motiv ist ein wüster Antisemitismus, hier eine Textauswahl:
European Dream: http://lyricshare.net/...dream.html
Pride of Europe: https://nashe.com.ua/song/6571
ZOGland: https://nashe.com.ua/song/6578 [5]

Wes Geistes Kind die Band und ihre Fans sind, kann überdies auf diesen Bildern besichtigt werden, da bleiben eigentlich selbst für einen so offenkundigen Politschwachkopf keine Fragen offen, zumal der Premier bei seiner Rede direkt vor dem Logo der Band stand:
Сокира Перуна: Warum sie Nazis sind: https://www.uaportal.com/...goncharuk-video.htm
Hier das Logo auf dem Cover einer Veröffentlichung der Band:
Cover "Brotherhood Of Conscience" https://bit.ly/31z8p14

Die Veranstaltung war offensichtlich ein solcher "Erfolg", dass Oksana Koliada sich gehalten sah, noch am 13. Oktober um 14:11 auf Facebook zu verkünden:
"Wir brechen Klischees. Veteranen sind cool! Der Tag des Verteidigers ist eine coole Party. Das sind coole Rockkünstler und viele von ihnen. [...] Oleksij Hontscharuk - Premierminister der Ukraine, kein Regierungschef hat dies jemals getan! Respekt von allen!"
Facebook-Post Koliada: https://www.facebook.com/...84305

Die etwas vorschnelle Jubelarie seiner Ministerin veranlasste den Premier zu einer Stellungnahme zu diesem denkwürdigen Auftritt, veröffentlicht am 14. Oktober, ebenfalls auf Facebook:
"Gestern habe ich mich mit Vertretern der Bewegung der Veteranen der Ukraine und der Veteranengemeinschaft getroffen. Zusammen mit Ministerin Oksana Koliada habe ich den Veteranen gratuliert. [...] Ich wollte dies nicht öffentlich machen, aber einige Medien haben es mit ziemlich zweideutigen Thesen vermeldet. [...] Politisierung ist hier absolut unangebracht! Im Tätigkeitsprogramm unserer Regierung haben wir separat festgelegt, dass die Haltung gegenüber Veteranen in der Gesellschaft respektvoll sein muss! [...] Einen herzlichen Glückwunsch an diejenigen, die ihr Leben und ihren Komfort opfern und unser Land beschützen - das Mindeste, was ich gestern tun konnte. Weitere Taten werden lauter sprechen als unsere Worte. Und das Erste, was ich bereits festhalten kann, ist, dass unser Team im Staatshaushalt 2020 die größten Ausgaben aller Zeiten für Sicherheit und Verteidigung getätigt hat. Anständige Lebensbedingungen für Verteidiger sind unsere Priorität. [...] Zehntausende Ukrainer sind bei der Verteidigung der Ukraine gestorben. Zehntausende unserer Leute schützen weiterhin jeden Tag unseren friedlichen Himmel, ob in Kiew, Mariupol oder Lemberg. Wir werden sie und die Ukraine niemals verraten!
Ruhm der Ukraine!
P.S. Ich habe nichts mit dem Konzert selbst zu tun. Er hörte ihm nicht zu und hatte keine Ahnung, wer als Performer eingeladen wurde. [...] In jedem Fall ist es nicht Sache des Premierministers, unseren Verteidigern vorzuschreiben, welche Lieder zu singen sind. Gleichzeitig, damit es keine Fragen gibt: Ich teile keine hasserfüllte Ideologie - weder Nationalsozialismus noch Faschismus oder Kommunismus."

Facebook-Post Hontscharuk: https://www.facebook.com/...55723

Entweder ist der Mann dumm wie ein Topf Kulesch oder er ist ein verdammter Heuchler, vermutlich ist er wohl beides. Jede Äußerung und jeder Auftritt eines Premierministers, gleich welchen Landes, ist per se politisch, die müssen nicht erst durch die Medien politisiert werden. Davon abgesehen war es seine Ministerin, die den Auftritt in die Welt hinaus getrötet hat. Man muss auch keine Hassideologie teilen, um sie beziehungsweise deren Vertreter zur Durchsetzung der eigenen geostrategischen Interessen zu benutzen - und das tat die Ukraine seit der sogenannten "Revolution der Würde" nach dem 1. Dezember 2013, während der Präsidentschaft Poroschenkos und tut es weiterhin in der Präsidentschaft Selenskyjs. Seit Dezember 2018 ist Bandera offizieller Nationalheld und seit dem 1. Januar 2019 ist dieser Tag als Banderas Geburtstag ein offizieller Feiertag. Außerdem wurden die "Veteranen" der UPA und OUN per Gesetz mit den Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges gleichgesetzt und -gestellt, was nebenbei auch Anspruch auf eine staatliche Rente bedeutet. Mittlerweile ist die Ukraine, insbesondere die Westukraine, regelrecht zugepflastert mit Denkmälern und Gedenktafeln für Bandera und andere Nazikollaborateure.

Hontscharuks Fans haben ihn beziehungsweise seinen Auftritt sehr wohl verstanden. So bedachte der Organisator der Veranstaltung Medvedko Oleksandrovych ein Facebook-Post zum Auftritt seines Premiers mit einer launigen "88" - hier dokumentiert und erklärt, was das bedeutet (falls es jemand nicht weiß):
Oleksandrovychs "88"-Gruß: https://mobile.twitter.com/...46016

In einem anderen Pressebriefing am 16. Oktober wiederholte Hontscharuk, er hätte nicht auf die Texte von Sokira Peruna gehört - der prominentesten und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Naziband der Ukraine.
"Habe die Texte nie gehört": https://gordonua.com/...52247.html

Warum so ein langer Text für ein vermeintlich eher nebensächliches Ereignis? Einerseits, weil es bezeichnend für die Haltung der bundesdeutschen Regierung und Medien ist - kein Wort der Kritik! Nicht ein Wort der Erwähnung in den öffentlich-rechtlichen und den Leitmedien! Ich habe mit Stand vom 20.10. um 21:00 Uhr trotz intensiver Suche jedenfalls keines gefunden. Andererseits ist es symptomatisch für eine aktuelle Entwicklung, die sich nach der sogenannten "Revolution der Würde" dramatisch intensiviert hat - die Einrichtungen der Ukrofaschisten sind zu Knoten in den europäischen Nazi-Netzwerken und zu Durchlauferhitzern für die ideologische Schulung und das militärische Training europäischer und nicht zuletzt deutscher Rechtsradikaler geworden. Deutsche bei Asow:
Deutsche bei Asow: https://www.spiegel.de/...77400.html
Paramilitärisches Training in der Ukraine: https://runtervondermatte.noblogs.org/...ukraine/
Deutsche Neonazi-Söldner bei Asow: https://www.focus.de/...44314.html
Bruderschaft der Rassisten und Antisemiten: https://lowerclassmag.com/...antisemiten/

Und schon wieder: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte."
Max Liebermann am 30. Januar 1933

[1] Oleksij Hontscharuk: "Bei der ersten Sitzung der neu gewählten Werchowna Rada am 29. August 2019 wurde er auf Vorschlag von Präsident Wolodymyr Selenskyj [...] zum Ministerpräsidenten der Ukraine gewählt [...]. Als Regierungschef leitet er das Kabinett Hontscharuk. Am 6. September 2019 wurde er zudem Mitglied des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine." [Wikipedia] Oksana Koliada "ist eine ukrainische Saatsanwältin und Politikerin. Am 29. August 2019 wurde sie zur Ministerin für vorübergehend besetzte Gebiete, Binnenvertriebene und Veteranen ernannt." [Wikipedia]
[2] Der "Tag des Verteidigers des Vaterlandes" (День защитника Отечества) war unter den Namen "Tag der Roten Armee" (bis 1949) und "Tag der Sowjetarmee und Seestreitkräfte" (bis 1991) ein Feiertag in der Sowjetunion und wurde alljährlich am 23. Februar begangen. An diesem Tag im Jahr 1918 "wurden in Petrograd und Moskau erstmals in größerem Umfang Soldaten rekrutiert und es kam auch zu Siegen bei Kämpfen zwischen der Roten Armee und den Truppen des Deutschen Reiches bei Pskow und Narwa." [Wikipedia] Mit dem Ende der UdSSR verschwand auch der Feiertag, er wurde jedoch 2002 in Russland wurde im Jahr 2002 unter dem neuen Namen wieder "Tag des Verteidigers des Vaterlandes" wieder als gesetzlicher und arbeitsfreier Feiertag eingeführt. In der Ukraine wurde der Feiertag schon 1999 mit Bezug auf den Großen Vaterländischen Krieg erneut eingeführt, jedoch nach dem Maidan-Putsch von Poroschenko wieder kassiert. Stattdessen wurde als Feiertag der "Tag des Verteidigers der Ukraine" für den 14. Oktober ausgerufen, dem Jahrestag der Aufstellung der sogenannten "Ukrainischen Aufständischen Armee."
[3] Hier ein Überblick über die rechtsradikalen Parteien und Organisationen in der Ukraine
https://www.rosalux.de/...Rechtsextremismus_in_der_Ukraine.pdf
[4] RaHoWa ist das Akronym für "Racial Holy War".
https://de.wikipedia.org/wiki/Rahowa
[5] ZOG ist das szeneinterne Kürzel für "Zionist Occupied Government"
https://de.wikipedia.org/wiki/Zionist_Occupied_Government

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